© Wiener Linien / Manfred Helmer

Wirtschaft
08/02/2021

Öffentliche Verkehrsmittel sollen Privat-Pkw verdrängen

Für Autobusse soll es sogar auf Autobahnen reservierte Trassen geben, fordert Bahn-Obmann Thomas Scheiber.

von Thomas Pressberger

Um bis zu 90 Prozent gingen die Fahrgäste im öffentlichen Verkehr im ersten Lockdown der Corona-Pandemie zurück, mittlerweile haben sich die Zahlen wieder deutlich erholt. In der Bundes- und den Landeshauptstädten liegt das Minus „nur“ noch bei zehn bis 30 Prozent.

Die großen Herausforderungen für die heimischen Schienenbahnen-Unternehmen – dazu zählen Züge, U-Bahnen- und Straßenbahnen – liegen laut Thomas Scheiber, Obmann des Fachverbandes Schienenbahnen, aber nicht in der Rückgewinnung der Fahrgäste – die Schritt für Schritt von selber wiederkommen – sondern in zwei anderen Bereichen: der Dekarbonisierung und dem Schienengüterverkehr.

Bei der Dekarbonisierung handle es sich um die größte Systemumstellung, die die Branche erlebt habe. Auf der Schiene sei die Branche schon längst Co2-frei unterwegs, man dürfe aber nicht vergessen, dass die städtischen Verkehrsbetriebe auch die größten Busunternehmen des Landes betreiben würden. „Es handelt sich wirklich um eine Zeitenwende“, sagt Scheiber.

Bis 2030 sollen die Busunternehmen zu 60 Prozent Co2-frei sein. Zunächst müssten sie sich entscheiden, ob sie künftig mit Batterie, Oberleitung oder Wasserstoff unterwegs sein wollen. Dann müsse das gesamte System umgestellt werden, neue Linienführungen und neues Personal gefunden werden. Mit E-Bussen bestehe weniger Bedarf nach Mechanikern als nach Elektrotechnikern.

Mehr zu Fuß gehen

Weiters müsse eine neue Infrastruktur aufgebaut werden. Moderne O-Busse brauchen dank integrierter Batterie nur auf 50 Prozent der Strecke einen Anschluss an die Oberleitung. Scheiber rechnet mit einem Mix, nicht auf allen Strecken würden E-Busse möglich sein.

Der Individualverkehr könnte in Zukunft zurückgedrängt werden, glaubt Scheiber. Wenn öffentlicher und individueller Verkehr die gleichen Straßen nützen, müsste dort, wo Stau entstehe, eigene Trassen für die öffentlichen Verkehrsmittel reserviert werden – sogar auf Autobahnen.

Zu Veränderungen wird es laut Scheiber „so oder so“ kommen, die dahin gehen könnten – wie es auch das Umweltministerium will –, dass die Menschen mehr zu Fuß gehen, mehr Rad fahren und die öffentlichen Verkehrsmittel statt private Fahrzeuge nutzen. „Ziel ist es, die öffentlichen Verkehrsmittel so attraktiv zu machen, dass man ohne Zwang zu ihnen geleitet wird“, sagt Scheiber.

Schwieriger gestaltet sich der Ausbau des Schienengüterverkehrs, da dies nicht nur in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene forciert werden müsste. In Österreich sei das Verhältnis Schiene – Straße im Güterverkehr mit 30 zu 70 noch relativ gut. EU-weit liegt der Wert bei 17 zu 83 Prozent. Allerdings wurden in Österreich auf der Schiene früher rund 40 Prozent der Güter transportiert.

Kompliziertes Prozedere

Das Problem ist laut Scheiber nach wie vor, dass Züge nicht so einfach wie Lkw über eine Landesgrenze fahren können. Dafür sei nach wie vor ein kompliziertes Prozedere mit vielen verschiedenen Regeln nötig. Dazu zählen das beherrschen der jeweiligen Landessprache, Bremsproben – auch wenn diese kurz zuvor durchgeführt worden sind – sowie unterschiedliche Regelungen, wie jene, dass der Lokführer nur eine Nacht im Ausland übernachten dürfe – der Lkw-Fahrer aber wesentlich länger.

Dabei wären viele der Probleme leicht zu lösen. Für die Betriebssprache wären nur rund 600 Wörter notwendig, diese zum Beispiel auf Englisch zu lernen, wäre den Lokführern in allen EU-Ländern zumutbar.

Züge bevorzugen

Um mehr Güter auf die Schiene zu bringen und damit die Klimaziele rascher erreichen zu können, fordert Scheiber nicht nur eine Gleichstellung, sondern sogar eine Bevorzugung von Zügen gegenüber Lkw. „Im Zweifel soll die Schiene eingesetzt werden, dafür brauchen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen“, so Scheiber. Bisher ist die Schiene gegenüber der Straße in vielen Belangen benachteiligt, unter anderem durch höhere Abgaben und mehr Bürokratie.

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