OECD hält höheres Pensionsalter in Österreich "am ehesten gesellschaftlich tragfähig"

Österreich kehrt auf den Wachstumspfad zurück. Laut OECD müssen aber nachhaltige Entscheidungen getroffen werden – in Sachen Schulden, Verwaltung, Beschäftigung, Pensionen und Gesundheit.
PK AUSSENMINISTERIUM, OECD "ECONOMIC SURVEY - WIRTSCHAFTSBERICHT ZU ÖSTERREICH"

Nach zwei schwachen Jahren zeichnet sich in Österreich laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine vorsichtige wirtschaftliche Erholung ab. Sie rechnet heuer mit einem Wachstum von 1,1 Prozent und mit 1,3 Prozent im nächsten Jahr. Getragen werde diese vom privaten Konsum, gestützt durch steigende Einkommen, sinkende Inflation und einen stabilen Arbeitsmarkt. Das sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann am Donnerstag bei der Präsentation des OECD-Wirtschaftsberichts 2026 in Wien. Im Beisein von Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP), Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) und Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ).

Doch Cormann warnte vor externen Schocks. „Ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten stellt ein erhebliches Abwärtsrisiko dar“, sagte er. Höhere Energiepreise und neue Inflationsimpulse könnten das Wachstum rasch dämpfen.

Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken

Österreich stehe wirtschaftlich vor einer Phase tiefgreifender Entscheidungen. Die jüngsten Krisen hätten strukturelle Schwächen offengelegt. „Die Energiepreisschocks infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine führten zur längsten Rezession seit 1945“, sagte Cormann. 

Das Pro-Kopf-BIP liegt zwar um 21 Prozent über dem OECD-Durchschnitt. Zugleich sei aber das Bruttoinlandsprodukt 2023 und 2024 gesunken und habe „Ende 2025 noch immer unter dem Niveau von vor drei Jahren“ gelegen. Er unterstreicht die Notwendigkeit ambitionierter Reformen, um Wachstum und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken. „Umso wichtiger ist es, jene politischen Hebel konsequent zu nutzen, die unmittelbar in nationaler Verantwortung liegen“, betonte Cormann. Das Budgetdefizit habe sich 2024 „deutlich auf 4,7 Prozent des BIP ausgeweitet“.

Der von der Regierung vorgelegte siebenjährige Konsolidierungsplan sei ein wichtiger Schritt. Ziel ist es, das Defizit bis 2028 wieder „unter drei Prozent des BIP“ zu senken. Dennoch erwartet die OECD, dass die Schuldenquote weiter steigt – getrieben durch den demografischen Wandel, höhere Verteidigungsausgaben und höhere Zinsenkosten.

Steigende Lebenserwartung

„Zusätzliche Konsolidierungsanstrengungen sowie eine bessere Priorisierung von Ausgaben und Einnahmen werden notwendig sein“, so Cormann. Fiskalischer Spielraum könnte durch mehr Effizienz gewonnen werden. Der öffentliche Dienst sei „stark überaltert“. Die bevorstehende Pensionierungswelle eröffne „die Chance, die Verwaltungsstrukturen zu modernisieren, digitale Lösungen stärker zu nutzen und den Personalstand schrittweise anzupassen“.

Kritisch sieht die OECD zudem die Ausgestaltung familienbezogener Leistungen. „Eine stärkere Fokussierung auf einkommensschwächere Haushalte könnte erhebliche Einsparungen ermöglichen“, sagt Cormann. Steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten ließen die Altenabhängigkeitsquote „deutlich ansteigen“. Die öffentlichen Pensionsausgaben Österreichs zählten „zu den höchsten in der OECD“ und würden weiter wachsen.

Pensionsalter erhöhen

Im Kern gebe es drei Optionen: „höhere Beiträge, niedrigere Pensionen oder eine längere Erwerbsdauer“. Aus Sicht der OECD sei Letzteres „am ehesten gesellschaftlich tragfähig“. Cormann plädierte daher für stärkere Anreize zum längeren Arbeiten und dafür, Frühpensionierungen weiter zurückzudrängen. Um das Arbeitskräfteangebot zu stabilisieren, müsse Österreich zudem das Potenzial von Frauen besser nutzen. „Österreich weist den höchsten Anteil teilzeitbeschäftigter Mütter in der EU auf“, sagte Cormann. Der Ausbau leistbarer Kinderbetreuung, mehr Väterkarenz und die Abschaffung des Absetzbetrags für Alleinverdiener könnten hier in Richtung Vollzeitbeschäftigung gegensteuern.

Auch im Gesundheitswesen gibt es Einsparpotenziale. Diese Ausgaben gehörten „zu den höchsten in der OECD“. Sie könnten durch einen stärkeren Fokus auf Primärversorgung, weniger Krankenhausaufenthalte und den Einsatz von Generika sinken.

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