Novomatic bietet den Casinos-Aktionären um ein gutes Drittel mehr für ihre Anteile als Finanzminister Hans Jörg Schelling

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Casinos-Austria-Gruppe
07/26/2015

Novomatic hat Appetit auf mehr

Erzrivale bietet auf Basis von über 470 Millionen Euro, unerwartetes Glück mit Kartellrecht.

von Andrea Hodoschek

Wenn Novomatic-Gründer und Eigentümer Johann F. Graf einen strategischen Deal plant, geht er aufs Ganze. Zuerst pirschte sich der niederösterreichische Glücksspielkonzern an die Lotterien an, die Zwei-Drittel-Beteiligung und Cashcow der Casinos Austria (Casag), und kaufte sich schrittweise auf bis dato 18 Prozent ein. Jetzt schlägt der Selfmade-Industrielle eine Stufe weiter oben zu. Und könnte demnächst neuer Mehrheitseigentümer der Casinos-Austria-Gruppe sein.

Wie der KURIER bereits am Samstag exklusiv berichtete, legte Novomatic den wesentlichen privaten Aktionären der Casinos-Gruppe ein Angebot. Die Raiffeisen-Tochter Leipnik-Lundenburger Invest (LLI) mit Ex-Finanzminister Josef Pröll an der Spitze und die MTB-Stiftung der 87-jährigen MariaTheresia Bablik nahmen an.

Damit hat Novomatic zum heutigen Stand 28,14 Prozent. Zu Wochenbeginn dürften weitere 11,35 Prozent dazu kommen. Bei der teilweise ebenfalls zu Raiffeisen gehörenden, börsenotierten UNIQA werden die Gremien über das Angebot abstimmen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Versicherer Nein sagen.

Dann hat Novomatic bereits 39,5 Prozent und ist der größte Aktionär. Die neue Staatsholding ÖBIB hält nur 33,24 Prozent.

Demnächst die Mehrheit?

Novomatic legte das Angebot der gesamten Medial Beteiligungs-Gesellschaft. In dieser haben neben LLI und UNIQA auch die ehemalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera sowie die Vienna Insurance Group (VIG) über ihre Tochter Donau Versicherung ihre Anteile gebündelt. Die Medial hält insgesamt 38,29 Prozent an der Casinos Austria AG.

Der VIG-Konzern wird ebenfalls demnächst entscheiden. "Wir prüfen im Lauf dieser Woche, ob wir verkaufen oder ob wir die Anteile behalten", sagte VIG-Aufsichtsratspräsident Günter Geyer zum KURIER. Der Preis sei "ein wichtiges Argument, aber die Meinung der Republik dazu ist für uns ebenfalls wichtig".

Sprich, ob Finanzminister Hans Jörg Schelling den Verkauf akzeptiert. Wie zu hören ist, hat sich Raiffeisen mit Schelling bereits koordiniert.

Die VIG hält durchgerechnet ebenfalls 11,35 Prozent. Verkauft Geyer, hätte Novomatic knapp die Mehrheit.

Der Konzern bietet wesentlich großzügiger als Schelling. Basis für das Anbot der Gaming-Gruppe mit Headquarter in Gumpoldskirchen ist ein Gesamtwert der Casag von etwas mehr als 470 Millionen Euro. Die Staatsholding war mit ihrem Offert über 350 Millionen Euro bei den Casag-Aktionären abgeblitzt. Man hätte nicht mehr bieten können, argumentiert ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer. Wegen der "öffentlichen Verantwortung und Sorgfaltspflicht".

Tatsächlich würde es bei den Steuerzahlern gar nicht gut ankommen, wenn sich Schelling bei einem Glücksspielunternehmen nach oben lizitieren ließe. Dieses Geld könnte der Finanzminister sinnvoller einsetzen. Durch den Einstieg der Novomatic wird der Staatsanteil jetzt aber mehr wert.

Pech stellte sich als Glück heraus

Wettbewerbsrechtlich hat Novomatic unverhofftes Glück. Auch wenn es anfänglich wie eine Pechsträhne aussah.

Die weltweit 23.000 Mitarbeiter große Novomatic mit zuletzt 363 Millionen Jahresgewinn erhielt vom Finanzministerium zwei Konzessionen für neue Casino-Standorte im Wiener Prater und in Bruck/Leitha. Der leer ausgegangene Rivale Casag legte dagegen Berufung ein und das Bundesverwaltungsgericht hob kürzlich die Bescheide auf.

Weil Novomatic derzeit keinen Casino-Standort in Österreich hat, dürfte der Einstieg bei der Casag wettbewerbsrechtlich durchgehen. Möglicherweise erteilen die Wettbewerbshüter wegen des starken Automaten-Engagements in den Bundesländern Auflagen.

Leo Wallner gewinnt auf jeden Fall

Auf jeden Fall ein gutes Geschäft hat Leo Wallner, fast 40 Jahre lang Chef der Casag, gemacht. Seine Stiftung hat ihren Anteil wie berichtet schon an das vom Investor Peter Goldscheider aufgestellte Bieter-Konsortium verkauft. Als Einstiegsprämie zahlte die Gruppe fast das Doppelte des Novomatic-Preises.

Vom Lehrling zum Industriellen

Heute würde man von einer typischen Start-Up-Karriere sprechen. Mit zwölf Mitarbeitern begann Johann F. Graf 1980 auf der grünen Wiese in Gumpoldskirchen südlich von Wien mit Flipper-Automaten. Zuvor hatte er auf Wunsch seiner Eltern eine Fleischer-Lehre absolviert.

Graf legte den Fokus von Beginn an auf Technologie und expandierte in einem atemberaubenden Tempo. Heute hat der Konzern mehr als 23.000 Mitarbeiter, ist in 80 Ländern präsent und erwirtschaftet weltweit mehr als 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Im Vorjahr spielte die Gruppe 363 Millionen Euro Gewinn ein.
Immer noch mit dem Headquarter in Gumpoldskirchen, kann sich Novomatic zu den internationalen Gaming-Technologieführern zählen.

Die Gruppe steht auf drei Standbeinen. Der Entwicklung und Produktion von Gaming-Equipment wie Slotmaschinen, Videopoker-Geräte, Großgeräte für Casinos und Lotterie-Technologie. Dazu betreibt Novomatic weltweit rund 1500 Automaten-Casinos, Spielbanken und Sportwettlokale. Drittes Standbein ist die Entwicklung von Online-Spielen für lizensierte Partner. 19 Technologiezentren in zehn Ländern arbeiten an Software-Entwicklung und Programmierung.

Graf scheint seit Jahren im Ranking der heimischen Milliardäre auf. Zuletzt schätzte das US-Wirtschaftsmagazin Forbes sein Vermögen auf 6,6 Milliarden Dollar und reihte ihn in Österreich auf Platz zwei. Öffentliche Auftritte schätzt Graf, der von seinen Mitarbeitern als „der Professor“ tituliert wird, überhaupt nicht. Seine private Leidenschaft ist das Sammeln von Oldtimern.

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