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Glücksspiel
07/26/2015

Novomatic steigt bei Casinos Austria ein

Raiffeisen-Gruppe will ihre Anteile an den Erzrivalen des Monopolisten verkaufen.

von Andrea Hodoschek

Für den 68-jährigen Johann F. Graf, Gründer und Eigentümer des nö. Glücksspielkonzerns Novomatic, ist der Deal die Krönung seines Lebenswerkes. Lange schauten die Manager des teilstaatlichen Monopolisten Casinos Austria (Casag) auf den Selfmade-Industriellen herab und versuchten, das Image seines Unternehmen ins Schmuddeleck zu stellen.

Jetzt ist Graf, dessen Unternehmensgruppe ungleich ertragreicher ist als der Casinos-Konzern, dabei, sich einzukaufen. "Mit diesen Transaktionen können wir nun als solider österreichischer Partner mit internationalem Know-how Teil einer nachhaltigen Aktionärsstruktur der Casinos Austria AG werden", kommentiert Novomatic-Vorstandsvorsitzender Harald Neumann den Deal.

Konkret geht es um die Beteiligungen der Leipnik-Lundenburger Invest und des Versicherungskonzerns UNIQA, die zu gleichen Teilen gemeinsam 22,7 Prozent an den Casinos halten. Während der Verkauf bei Leipnik-Lundenburger bereits bestätigt wird, muss das Geschäft bei der börsenotierten UNIQA noch durch die Gremien. "Ja, uns liegt ein Angebot der Novomatic vor. Nächste Woche werden sich die Gremien damit beschäftigen", bestätigt UNIQA-Sprecher Norbert Heller.

Leipnik-Lundenburger und UNIQA haben ihre Casinos-Anteile in der Medial Beteiligungs-Gesellschaft gebündelt. Mitgesellschafter sind noch das Bankhaus Schelhammer & Schattera sowie die Vienna Insurance Group (VIG, über ihre Tochter Donau Versicherung). Novomatic muss sich für den Deal also in die Medial einkaufen: Die LLI habe ein verbindliches Angebot der Novomatic zur Übernahme ihrer rund 29,6 Prozent Geschäftsanteile an der Medial (entspricht einer indirekten Beteiligung an der Casinos Austria AG von 11,34 Prozent) angenommen. Ein entsprechender Vertrag wurde vorbehaltlich diverser öffentlich-rechtlicher und gesellschaftsrechtlicher Genehmigungen sowie formaler Zustimmungserfordernisse unterschrieben, so die LLI. Ob sich VIG-Aufsichtsratspräsident Günter Geyer und die ehemalige Kirchenbank ebenfalls zum Verkauf entschließen, ist noch offen. Insgesamt hält die Medial 38,3 Prozent an der Casag.

Auch die MTB Privatstiftung der 87-jährigen Maria Theresia Bablik, der 16,8 Prozent an den Casinos gehören, hat das Angebot der Novomatic bereits unterschrieben. Vorstand in der Stiftung der betagten Dame ist Casag-Manager Dietmar Hoscher. Geht der Novomatic-Deal durch, dürfte Hoschers Vertrag bei den Casinos wohl verlängert werden.

Bewertung zwischen 440 und 500 Mio. Euro

Ein Gutachten der KPMG im Auftrag der Medial kam auf einen Wert für die gesamte Casag zwischen 440 und 500 Millionen Euro. Das Offert der Novomatic soll "gut liegen", heißt es.

Bei den Lotterien, die zu 68 Prozent der Casag gehören und die Cash-Cow des Konzerns sind, hat sich Graf schon in den vergangenen Wochen wie berichtet geschickt zu 18 Prozent eingekauft.

Finanzminister Hans Jörg Schelling ist über alles informiert. Die Staatsholding ÖBIB hält 33 Prozent an den Casinos. Schelling wollte ursprünglich zur Gänze verstaatlichen und die Casinos anschließend mit Gewinn privatisieren. Sein Übernahmeangebot von 350 Millionen Euro wurde von den Aktionären freilich als zu billig abgelehnt.

Wettbewerbsauflagen

Stellt sich noch die relevante wettbewerbsrechtliche Frage. Diese soll im Vorfeld ausführlich analysiert worden sein. Novomatic ist in den Bundesländern stark im Automatenspiel engagiert. Möglicherweise müssten Geschäftsbereiche abgegeben werden.

Mit dem Einstieg bei den Casinos relativieren sich für Novomatic auch die neuen Konzessionen. Novomatic erhielt vom Finanzministerium die Lizenz für zwei Standorte (Wiener Prater, Bruck/Leitha), doch das Bundesverwaltungsgericht kippte nach einem Einspruch der Casag, die leer ausgegangen war, die Bescheide.

Noch mehr Anteile

Mittlerweile hat der Glücksspielkonzern Novomatic erklärt, dass er seine Beteiligung an den Casinos Austria gleich weiter ausbauen will. "Sollten weitere Anteile zu einem angemessenen Preis angeboten werden, ist Novomatic an einem Erwerb interessiert", heißt es in der Aussendung des Unternehmens am Sonntag.

Der Generaldirektor der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI), Josef Pröll, zeigt sich in einer Aussendung zufrieden mit dem Deal. Der Verkauf der Casinos-Anteile sei ein "konsequenter weiterer Schritt der Strukturbereinigung der LLI". Künftig wolle sich das Unternehmen strategisch auf klar umrissene Geschäftsfelder und Märkte im Agrar- und Lebensmittelbereich konzentrieren.

Vom Lehrling zum Industriellen

Heute würde man von einer typischen Start-Up-Karriere sprechen. Mit zwölf Mitarbeitern begann Johann F. Graf 1980 auf der grünen Wiese in Gumpoldskirchen südlich von Wien mit Flipper-Automaten. Zuvor hatte er auf Wunsch seiner Eltern eine Fleischer-Lehre absolviert.

Graf legte den Fokus von Beginn an auf Technologie und expandierte in einem atemberaubenden Tempo. Heute hat der Konzern mehr als 23.000 Mitarbeiter, ist in 80 Ländern präsent und erwirtschaftet weltweit mehr als 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Im Vorjahr spielte die Gruppe 363 Millionen Euro Gewinn ein.
Immer noch mit dem Headquarter in Gumpoldskirchen, kann sich Novomatic zu den internationalen Gaming-Technologieführern zählen.

Die Gruppe steht auf drei Standbeinen. Der Entwicklung und Produktion von Gaming-Equipment wie Slotmaschinen, Videopoker-Geräte, Großgeräte für Casinos und Lotterie-Technologie. Dazu betreibt Novomatic weltweit rund 1500 Automaten-Casinos, Spielbanken und Sportwettlokale. Drittes Standbein ist die Entwicklung von Online-Spielen für lizensierte Partner. 19 Technologiezentren in zehn Ländern arbeiten an Software-Entwicklung und Programmierung.

Graf scheint seit Jahren im Ranking der heimischen Milliardäre auf. Zuletzt schätzte das US-Wirtschaftsmagazin Forbes sein Vermögen auf 6,6 Milliarden Dollar und reihte ihn in Österreich auf Platz zwei. Öffentliche Auftritte schätzt Graf, der von seinen Mitarbeitern als „der Professor“ tituliert wird, überhaupt nicht. Seine private Leidenschaft ist das Sammeln von Oldtimern.

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