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Wirtschaft
09/05/2021

NFTs: Diese Technologie stellt die Finanzwelt auf den Kopf

Weltweit werden Unsummen für rein digitale Besitztümer, sogenannte NFTs, bezahlt. Die Technologie revolutioniert bereits den Kunstmarkt - und könnte verändern, wie wir über Eigentum denken.

von Johannes Arends

Kennen Sie Mike Winkelmann? Der 40-jährige US-Amerikaner stieg im Februar zum drittteuersten lebenden Künstler der Welt auf, als eines seiner Werke für fast 70 Millionen Dollar versteigert wurde. Das Besondere daran: Winkelmanns Kunst, die er unter dem Pseudonym  Beeple veröffentlicht, ist digital. Seine Werke existieren nur in Form von Bild- und Videodateien.

Zwar gibt es digitale Kunst schon deutlich länger – doch die Tatsache, dass man Dateien auf jedem Computer oder Smartphone ohne große technische Vorkenntnisse einfach kopieren und vervielfältigen kann, hatte stets dafür gesorgt, dass sie nie das Preisniveau materieller Werke erreichen konnte. Seit diesem Jahr ist das gänzlich anders.

Dass Beeples Schöpfungen in den letzten Monaten mehrfach für Millionenbeträge den Besitzer wechselten, hat er einer bahnbrechenden neuen Technologie zu verdanken: Den sogenannten NFTs. Mit ihnen ist es erstmals nachvollziehbar möglich, mit digitalen Einzelstücken zu handeln.

So machen NFT-Käufe in diesem Jahr bereits zehn Prozent des weltweiten Kunsthandels aus. Auch abseits der Kunst sorgten NFT-Käufe für Aufsehen, so versteigerte etwa die US-Rockband Linkin Park kürzlich einen ihrer Songs, Twitter-Gründer Jack Dorsey dagegen den allerersten Tweet, der jemals auf seiner Plattform abgesetzt wurde (für ca. 3 Mio. Dollar):

Was genau sind NFTs?

Zunächst zur Begriffsklärung: NFT steht für "Non-fungible Token", was so viel heißt wie "nicht-austauschbare Marken". Verständlich wird das anhand eines Beispiels: Gold ist ein austauschbarer Stoff, er hat einen festgelegten Preis, der jederzeit öffentlich einsehbar ist. Eine Goldunze ist also jederzeit mit einer anderen austauschbar – der Wert bleibt derselbe. Kryptowährungen wie Bitcoin haben ebenfalls einen festgelegten Wert, auch sie sind somit austauschbar.

Nicht-austauschbar wären in der realen Welt dagegen einzigartige Briefmarken oder Spielkarten mit einem gewissen Sammlerwert. Auch Kunstwerke dienen hier als Beispiel: Sie sind einzigartige Güter mit einem individuellen Wert. Tauscht man sie untereinander aus, entsteht somit immer ein ungleicher Handel. 

Diese Rolle ist es, die NFTs in der digitalen Welt erfüllen sollen: Sie sind im Grunde nichts anderes, als ein enorm fälschungssicherer Besitznachweis für ein einzigartiges, digitales Gut. Zum Beispiel für ein digitales Kunstwerk in Form einer Bilddatei.

NFTs sind so sicher, weil sie auf der durch Kryptowährungen berühmt gewordenen Blockchain-Technologie beruhen. Genau wie bei Bitcoin, Ethereum und Co. heißt das: Um vergangene Transaktionen zu fälschen, bräuchte es einen derart hohen Strom- und Rechenaufwand, dass das nur noch theoretisch möglich ist.

Großes Missverständnis 

Jakob Hackel, Forscher am Institut für Kryptoökonomie an der Wiener WU, erklärt dem KURIER die Bedeutung von NFTs: "Wir können nun auch auf digitalem Weg zum ersten Mal unseren einzigartigen Besitz ohne fremde Hilfe nachweisen".

Doch es gebe ein großes Missverständnis, dem viele Interessierte aufsitzen: "Wenn ich ein NFT kaufe, dann kaufe ich nicht die Datei an sich – sondern lediglich einen Nachweis, dass die Datei von nun an mir gehört", so Hackel. "Das ist ein wichtiger Unterschied, weil mir die Rechte an dem Werk im Normalfall nicht übertragen werden."

Dem pflichten auch die auf Urheberrecht spezialisierten Wiener Rechtsanwälte Guido Kucsko und Michael Woller von der renommierten Kanzlei Schönherr bei. "Es ist ein Irrglaube, dass ich durch den Kauf eines NFTs automatisch auch alle Rechte an dem gekauften Artikel erhalte", so Woller. "Ich kann zum Beispiel im Normalfall niemand anderen davon ausschließen, die Datei selbst zu vervielfältigen. Solche Rechte könnte man dem Käufer zwar auch bei einem NFT-Handel vorab einräumen, bisher wird das allerdings kaum getan."

Da Guido Kucsko neben seiner juristischen Tätigkeit auch als Künstler tätig ist, hat er gemeinsam mit mehreren Kolleginnen und Kollegen einen Selbstversuch gestartet - und eines seiner eigenen Kunstwerke als NFT auf den Markt gebracht. Das Team hielt jeden Schritt bis zum Verkauf detailliert fest, den Zuschlag erhielt letztlich das Museum Francisco Carolinum in Linz (Mehr dazu).

NFTs dienen aktuell also vor allem als Wertanlage, die  mit dem Ziel gehandelt wird, sie später wieder teurer zu verkaufen – ähnlich wie Aktien. Ein Beispiel dafür wäre Beeples Video-Animation "CROSSROADS", die je nach Ausgang der US-Wahl 2020 entweder einen geschlagenen oder einen triumphierenden Donald Trump gezeigt hätte. Das Werk wurde bei einer Auktion für 6,6 Millionen US-Dollar versteigert, anschließend wurde der Käufer es für mehr als das Doppelte wieder los.

Dabei könnte die Technologie in Zukunft noch gänzlich andere Möglichkeiten bieten: "Mit einem so sicheren digitalen Besitznachweis könnte man zum Beispiel Autos entwickeln, die sich nur starten lassen, wenn der Besitzer des NFT am Steuer sitzt", so Hackel. Der Kreativität seien dabei keine Grenzen gesetzt. "NFTs könnten in einigen Jahren unser Bild von Besitz völlig verändern".

 

Anmerkung: Das Linzer Museum Francisco Carolinum hat seine NFT-Sammlung auch als frei zugängliche virtuelle Ausstellung veröffentlicht. Wenn Sie selbst einmal digitale Kunst im virtuellen Raum sehen wollen, klicken Sie hier - und anschließend auf "visit".

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