Teurer Strom: Warum die Netzkosten in Österreich so hoch sind

In Österreich gibt es 114 Stromnetzbetreiber und damit deutlich mehr als in den meisten anderen europäischen Ländern. Was das mit den hohen Netzkosten zu tun hat, zeigt eine Studie.
Photovoltaik Innsbruck

Was haben Ybbs, Mariazell oder Gries am Brenner gemeinsam? Sie verfügen über einen eigenen Stromnetzbetreiber. Insgesamt gibt es in Österreich aktuell 114 Netzbetreiber. Damit kommen auf eine Million Einwohner 13,5 Betreiber. Eine sehr hohe Zahl, wie eine vom wirtschaftsliberalen Thinktank oecolution beauftragte Studie von Economica zeigt.

Sie hat die Struktur des österreichischen Stromverteilnetzes im europäischen Vergleich analysiert. Deutschland kommt demnach auf 10,4, Frankreich auf 2, Belgien auf 1,4 und die Niederlande nur auf 0,3. In Kroatien, Malta und Irland gibt es überhaupt nur einen einzigen Netzbetreiber. „Damit zählt Österreich klar zu den am stärksten fragmentierten Verteilnetzen Europas“, heißt es in dem Papier.

Kostennachteile

Auch die Größenverteilung der heimischen Betreiber ist laut Studie außergewöhnlich unausgeglichen. Die größten zehn Prozent der Unternehmen versorgen knapp 90 Prozent aller Zählpunkte, während rund hundert kleine Betreiber gemeinsam nur etwa zehn Prozent der Kunden abdecken. Viele dieser kleinen Betreiber sind demnach lediglich in ein bis zwei Gemeinden tätig. Economica zufolge haben kleine Betreiber strukturelle Kostennachteile, während größere Einheiten deutlich effizienter arbeiten.

Anteil Netzkosten

Der Anteil der Netzkosten an den gesamten Stromkosten liegt in Österreich mit 37,5 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 26,9 Prozent. Dieser Anteil ist den vergangenen Jahren gestiegen – von 30 Prozent im Jahr 2000 auf 37,5 Prozent im Jahr 2024 (siehe Grafik).

Anteil Netzkosten

Economica verweist auf eine Analyse aus Schweden, die zeigen soll, dass die Durchschnittskosten eines Netzbetreibers sinken, je größer dessen Kundenbasis ist. Eine Reduktion von den dort derzeit 171 auf neun Unternehmen würde zu deutlichen Effizienzgewinnen führen.

Nimmt man an, dass die zugrunde liegende Kostenstruktur in Österreich ähnlich ist, lässt sich dieses Modell Economica zufolge auf die heimischen Verhältnisse übertragen. Würden die 14 bestehenden Netzgebiete (neun Bundesländer plus Innsbruck, Graz, Linz, Klagenfurt und Kleinwalsertal) jeweils von einem einzigen Betreiber geführt werden, sänken die österreichischen Netzkosten im Bundesdurchschnitt um 5,1 Prozent. Besonders ausgeprägt wären die Effekte in Tirol (minus 24,4 Prozent) und in der Steiermark (minus 14,7 Prozent).

Werden diese Kostensenkungen an die Kunden weitergegeben, würden die durchschnittlichen Netzgebühren für Haushalte von 9,40 auf 8,92 Cent pro kWh (exklusive Steuer) sinken.

Unnötige Komplexität

Für oecolution zeigt die Studie, dass die große Zahl an Betreibern unnötige Komplexität schaffe und vermeidbare Kosten verursache. Dies sei vor allem angesichts des dringend notwendigen Netzausbaus problematisch.

Eine Zusammenlegung der Betreiber innerhalb der bestehenden Netzgebiete würde diese Nachteile wesentlich reduzieren. „Wir haben über 100 Betreiber für ein Monopol mit staatlich regulierten Preisen. Das ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Kostenproblem. Das geht mit weniger Betreibern billiger“, sagt oecolution-Geschäftsführer Christian Tesch.

Er plädiert daher für eine gezielte Bündelung der vielen kleinen Betreiber. Größere Einheiten könnten zentrale Aufgaben verlässlicher erfüllen und Abläufe insgesamt vereinfachen. „Der Netzausbau ist dringend und teuer. Umso wichtiger ist maximale Effizienz. Daher müssen die über 100 Netzbetreiber rasch zu einigen wenigen zusammengelegt werden“, so Tesch.

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