Netzbetreiber warnt: Brauchen dringend neue Gaskraftwerke

Die weitgehend trüben vergangenen Monate haben Mängel im Stromnetz aufgezeigt. Austrian Power Grid drängt auf rasches Handeln.
Eine ausrangierte Gasturbine vor dem kalorischen Kraftwerk Theiß.

Zusammenfassung

  • Austrian Power Grid warnt vor Engpässen durch Dunkelflauten und fordert dringend neue Gaskraftwerke als Reserve.
  • Der Ausbau des Stromnetzes und die Digitalisierung kommen zu langsam voran, für den Betrieb von Gaskraftwerken gibt es zu wenig Anreiz.
  • Effizienzgewinne durch erneuerbare Energien werden durch Netzengpässe aufgezehrt.

Von Oktober bis Februar hat Österreich an durchschnittlich jedem zweiten Tag eine Dunkelflaute erlebt. Das heißt, dass die Stromproduktion von Windkraft und Photovoltaik auf weniger als 10 Prozent ihrer installierten Leistung gefallen ist. Gerade bei Windkraft ist dies außergewöhnlich, weil im Winter üblicherweise viel produziert wird. Das trübe Wetter gab der Solarenergie den Rest. Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) hat nun aufgezeigt, wie in diesem Zeitraum die Stromversorgung aufrechterhalten wurde und was man daraus für die Zukunft lernen sollte.

Volle Kraft und dennoch nicht genug

Dass erneuerbare Energien eine hohe Volatilität aufweisen, also eine stark schwankende Stromproduktion, das sei allen klar, sagt APG-Chef Gerhard Christiner. Umso wichtiger seien aber zusätzlich verfügbare Kapazitäten im Stromnetz. Hier gebe es einen blinden Fleck, der weitgehend ignoriert werde: Gaskraftwerke. Sie seien in den vergangenen Monaten teilweise tagelang am Stück mit voller Leistung gelaufen und dennoch habe Österreich große Mengen Strom importieren müssen, um den Bedarf zu decken.

Zu wenig Anreize für neue Gaskraftwerke vorhanden

Importe seien im gemeinsamen europäischen Strommarkt nichts Schlechtes. Man könne sich aber nicht darauf verlassen, dass jederzeit genug Strom für den Import vorhanden sei und dass ausreichende Übertragungskapazitäten vorhanden seien. Die vorhandenen Gaskraftwerke in Österreich seien allesamt im letzten Drittel ihrer Lebenszeit, durch den Verschleiß häuften sich Ausfälle. Ersatz sei keiner in Sicht, weil es zu wenig Anreize für den Betrieb von Gaskraftwerken gebe. Er sei wirtschaftlich kaum zu bewerkstelligen. "Das macht uns große Sorgen", so Christiner.

Auf neue Leitungen muss man zu lange warten

Um die Übertragungskapazitäten zu verbessern, sei ein rascher Netzausbau notwendig. Hier stößt man aber auf bekannte Hürden wie lange Genehmigungsverfahren und hohe Kosten, die sich in Netzentgelten niederschlagen. Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) sowie eine Novelle des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G) könnten hier Verbesserungen bringen, warten aber auf Umsetzung.

Stromtransit belastet Österreich zusätzlich

Die heimischen Stromnetze hätten die besondere Herausforderung, eine bedeutende Rolle beim Stromtransit durch Europa zu spielen. Die Kapazitäten des Netzes werden dadurch stark ausgenutzt, es gebe aber so gut wie keine Transitgebühren, erklärt APG-Finanzvorstand Marcus Karger. Innerhalb Österreichs gebe es einige Baustellen am Netz, die Engpässe beseitigen würden, etwa der Lückenschluss des 380-Kilovolt-Ringes in Kärnten. Diese Hochspannungsleitung soll aber erst 2033 in Betrieb gehen.

Digitalisierung bräuchte viel mehr Schub

Ein dritter großer Punkt, den die APG anspricht, ist die Digitalisierung. "In der Elektrizitätswirtschaft ist sie nicht dort, wo sie sein sollte", sagt Christiner. Für die effiziente und kostensparende Steuerung des Energiesystems sei die Vernetzung maßgeblich, die Anreize dafür seien aber unzureichend. Auch in einigen anderen Punkten seien dringend Reformen notwendig, so Karger: "Das Regulierungssystem passt nicht mehr zu der Energiewelt, in der wir jetzt leben."

Engpässe fressen Effizienzgewinne auf

Christiner ist wichtig zu betonen, dass die APG den Ausbau erneuerbarer Energien absolut befürworte. Gerade bei Gaskraftwerken gelte es aber, ideologische Scheuklappen abzulegen und an das Gesamtsystem zu denken. Beim Netzausbau hinke man dem Ausbau von Wind- und Solarenergie bereits klar hinterher. Effizienzgewinne, die man durch saubere Technologien, künftig auch durch Batteriespeicher, erziele, werden durch Engpässe im Übertragungsnetz aufgefressen. Das verursache hohe Kosten, die vermeidbar wären.

Kommentare