Jänner offenbart Österreichs Lücken bei Versorgung mit Ökostrom

Wenig Wind, kaum Sonne, trockene Flüsse: Der Winter legte die Grenzen der Erneuerbaren offen. Was das für die Zukunft bedeutet.
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Wir brauchen mehr Wasserkraftwerke, sagt Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Bis Jahresende will sein Haus eine neue Landkarte für neue Flusskraftwerke erstellen.

Wenig Potenzial für mehr Wasserkraft da

Einfach wird das nicht. Die großen Projektionen aus den vergangenen Jahren sahen bei der Wasserkraft im Vergleich zum Ausbau bei Windkraft und Photovoltaik nur geringe Möglichkeiten vor. Große Laufkraftwerke ähnlich den elf bestehenden an der Donau in Österreich sind nicht in Planung, weil potenzielle Standorte fehlen.

Potenzial, heißt es vom Dachverband Österreichs Energie, habe aber sowohl der Bau kleinerer Laufkraftwerke als auch das Repowering, also die technische Erneuerung von bestehenden Kraftwerken, durch die auch die Effizienz deutlich gesteigert werden kann.

Derzeit ist das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) innerhalb der türkis-rot-pinken Koalition in Absprache. Die Kritik, vor allem an der Untätigkeit der Bundesländer, ist seitens der Erneuerbaren-Verbände bereits massiv. Fix ist ein enormer Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik in Österreich. Doch auch hier gibt es ein großes Aber, darauf machte kürzlich APG-Chef Gerhard Christiner aufmerksam.

Österreichs Stromverbrauch und Stromerzeugung im Jänner 2026.

Österreichs Stromverbrauch und Stromerzeugung im Jänner 2026.

Gaskraftwerke liefen unter Volllast

Die Stromversorgung Österreichs konnte im vergangenen Jänner nur aufrechterhalten werden, weil die verbliebenen fünf Gaskraftwerke nahezu im Vollbetrieb liefen, und durch hohe Stromimporte. Wie in der Grafik oben ersichtlich, erzeugten Wasserkraft und Pumpspeicherkraftwerke „nur“ 30,3 Prozent der benötigten Strommenge, gleich danach, mit 28 Prozent, bewahrten uns die Stromimporte (auch aus benachbarten Atomkraftwerken) vor einem Blackout, die Gaskraftwerke erzeugten etwa ein Viertel.

Und Wind und Sonne? „Eigentlich war dieser Jänner ein Worst-Case-Szenario für die Erneuerbaren“, sagt Franz Angerer von der Energieagentur. Die Windkraft, die im Winter statistisch mehr liefert als in den Sommermonaten, schaffte in diesem Jänner nur 12 Prozent der Stromerzeugung.

Und die Photovoltaik, auch wenn knapp 10.000 Megawatt in Österreich installiert sind, deckte gerade einmal 1,2 Prozent des Strombedarfs ab. Ganz Österreich hat das bemerkt, schließlich sah man im Jänner unter der dicken Wolkendecke kaum einmal die Sonne.

Im Jänner hat es auch nur wenig geregnet

Das also war eine Dunkelflaute. Wind und PV haben im Jänner gerade einmal 13,2 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Diese „Volatilität“ der Erneuerbaren, also die schwankende Erzeugung abhängig von Wetterbedingungen, hat aber auch vor der Wasserkraft nicht halt gemacht. So weist die Energiestatistik für den Jänner 2026 im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 28 Prozent aus – einfach, weil es wenig geregnet hat. Das Minus ist besonders schmerzlich, weil auch der Jänner 2025 schon ein sehr schwacher Monat im Vergleich zu 2024 für die Wasserkraft war. Und auch im Dezember 2025 reduzierte sich die erneuerbare Stromproduktion gegenüber Dezember 2024 um 13,5 Prozent. 2024 war das letzte sehr ertragreiche Jahr der Erneuerbaren, damals konnte Österreich an 243 Tagen Strom exportieren.

Wie geht’s weiter?

APG-Chef Christiner ist da eindeutig: Um auch den Preisunterschied zum europäischen Ausland zu minimieren, werden bessere, grenzüberschreitende Hochspannungsleitungen benötigt. Zudem seien die Gaskraftwerke am Ende ihrer Lebenszeit, ihre „Verlässlichkeit“ wird abnehmen, schreibt Christiner auf der Plattform LinkedIn.Deutschland hat in Brüssel den Neubau von Gaskraftwerken bereits angemeldet, Österreich hat das noch nicht, auch wenn das notwendig werden wird.

Oder die Österreicher setzen wie Bayern auf das Prinzip Hoffnung: Ministerpräsident Markus Söder stellt gerade viele Millionen in Aussicht, damit die weltweit erste Kernfusionsanlage in Bayern entsteht. Die Kernfusion ist nur leider eine Technologie, die es wohl noch länger nicht geben wird.

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