Neuer Masterplan für den Strom der Zukunft

Heimische Energie statt teurer Importe: Eine neue Zielstrategie zeigt, warum Österreichs Stromkapazitäten bis 2040 verdoppelt werden müssen – und wie der richtige Kraftwerksmix die Preise dämpfen soll.
Ein Mann in Anzug steht vor einem Flusskraftwerk.

Der Weg in eine klimaneutrale Zukunft erfordert nicht nur ein paar neue Windräder und Photovoltaikanlagen, sondern einen historischen Umbau unserer Strominfrastruktur. Wie gewaltig diese Aufgabe ist, zeigt das neue Zielbild für das Jahr 2040, das vom Strom-Dachverband „Österreichs Energie“ gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Compass Lexecon berechnet wurde.

Die Ausgangslage ist klar: Weil wir in Zukunft Autos fast ausschließlich elektrisch fahren, mit Wärmepumpen heizen und auch die Industrie so weit wie möglich auf Strom umstellen, wird der Strombedarf drastisch steigen.

Die E-Wirtschaft rechnet mit einem Anstieg von derzeit rund 80 Terawattstunden (TWh) Energie auf 120 TWh im Jahr 2040.

Ausbau der Stromnetze bis 2040

Mehr Kraftwerksleistung

Um diese Menge an Strom überhaupt produzieren zu können, muss die installierte Kraftwerksleistung in Österreich massiv wachsen: Die Grafik zeigt einen Sprung der Leistung von aktuell 33,5 Gigawatt (GW) auf stolze 57,8 Gigawatt im Jahr 2040. Das entspricht fast einer Verdoppelung der heutigen Gesamtkapazität.

Warum dieser gigantische Ausbau nötig ist, erklärt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Österreichs Energie, mit einem Paradoxon: Aufs Jahr gerechnet stammen zwar fast 90 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, doch der Schein trügt. Nur in etwa jeder fünften Stunde wurde 2024 der Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren erzeugt. Das geschieht vor allem im Frühjahr und Sommer. Im Herbst und Winter klafft eine Versorgungslücke.

Die Grafik macht deutlich, woher der Zuwachs kommen soll. Zwar wächst die Photovoltaik stark, doch der eigentliche Kraftakt muss laut Experten bei anderen Technologien passieren. Die Stromstrategie setzt einen deutlich stärkeren Fokus auf den Ausbau von Wind- und Wasserkraft.

Die Wasserkraft, das traditionelle Rückgrat der österreichischen Stromversorgung, wird auch im Jahr 2040 noch rund 25 Prozent der gesamten Kapazitäten stellen. Noch drängender ist jedoch die Windkraft: Sie produziert oft genau dann am meisten Strom, wenn die Sonne in der kalten Jahreshälfte tief steht und uns so durch den Winter hilft. Aktuell stockt der Ausbau der Windräder jedoch massiv. Doch was passiert in jenen kalten, nebeligen Winterwochen, in denen kein Wind weht, die Flüsse wenig Wasser führen und die Sonne sich tagelang nicht zeigt?

Für diese sogenannte „Dunkelflaute“ braucht das System ein Sicherheitsnetz.

In der Grafik verbergen sich dieses unter dem Begriff „Steuerbare Kapazitäten“, gemeint sind Gaskraftwerke oder Biomasse. Deren prozentualer Anteil am Gesamtsystem sinkt zwar von heute rund 33 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2040. In absoluten Zahlen müssen diese Kraftwerke aber um 1,8 Gigawatt ausgebaut werden.

Künftig sollen sie klimaneutral mit grünen Gasen (Wasserstoff, Biomethan?) oder Biomasse betrieben werden, um die Winterstromlücke abzusichern.

Als weiteres Puzzleteil in der Grafik finden sich die Batterien. Sie dienen als Kurzzeit-Puffer im Netz und sollen bis 2040 von aktuell 1,1 Gigawatt auf 3,2 Gigawatt anwachsen.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem neuen Kapazitätsplan fasst Studienautor Anton Burger von Compass Lexecon so zusammen: „Es gibt keine guten und schlechten Erzeugungstechnologien – die Profile der unterschiedlichen Kraftwerke ergänzen einander. Entscheidend ist ein effizienter und robuster Mix“.

Klar ist für die E-Wirtschaft aber auch, dass der Umbau alternativlos ist. Michael Strugl, Präsident von Österreichs Energie, erinnert daran, dass Österreich pro Jahr mehr als 10 Milliarden Euro für fossile Energieimporte ausgibt. Der massive Ausbau der heimischen Stromerzeugung ist für ihn deshalb nicht nur ein Anliegen des Klimaschutzes, sondern auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch ein absoluter „No-Brainer“.

Kommentare