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Wirtschaft
07/26/2022

Erste Banken schaffen Negativzinsen für Firmenkunden ab

Verwahrgebühren sollen bei Erste Group, Bank Austria, Raiffeisenlandesbank OÖ und Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien bald nicht mehr eingehoben werden.

von Anita Kiefer

Für Kommerzkunden zumindest dreier österreichischer Banken deutet sich ein Ende der Negativzinsen an. Auf APA-Anfrage kündigten die Bank Austria und die Erste Group ein Abschaffen der "Verwahrgebühren" an, die ab einem gewissen Kontostand für Firmenkunden erhoben wurden. Die beiden heimischen Geldhäuser reagieren damit auf die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag.

Gegenüber dem KURIER erklärte auch die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), dass die Negativzinsen bald Geschichte sein werden. Ein genaues Datum für das Ende gab es von der RLB OÖ nicht, aber es werde jedenfalls "ab Herbst" sein, so ein Sprecher. Und auch bei der RLB NÖ-Wien wird mit Ende August bis auf Weiteres kein Verwahrentgelt verrechnet, heißt es.

Die Bank Austria erhob bis jetzt bei institutionellen Kunden, Kunden des öffentlichen Sektors und Firmenkunden eine individuell vereinbarte Verwahrgebühr auf große Guthaben. Dies will die Bank nun aber "zeitnah" abschalten, so die UniCredit-Tochter. Auch die Erste Bank will die Gebühr, die dort oberhalb einer Freibetragsgrenze von 100.000 Euro schlagend wurde, "in Kürze" nicht mehr verrechnen. Bei der RLB OÖ gab es offiziell keine Freibetragsgrenze, man habe "individuelle Vereinbarungen" mit den Kundinnen und Kunden getroffen.

Zinserhöhung ließ "Strafzinsen" wegfallen

Bei den Volksbanken dürften Verwahrgebühren mittelfristig mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Davon geht ein Sprecher der Gruppe aus. Zurzeit würden für Firmenkunden teilweise Verwahrgebühren kassiert, dabei gebe es aber je nach Volksbank unterschiedliche Modalitäten.

Mit der jüngsten Zinserhöhung sind die "Strafzinsen" der EZB, also die Negativzinsen auf bei der Zentralbank geparkte Gelder, weggefallen. Diese wurden von einigen Instituten in Form von sogenannten Verwahrentgelten bzw. Verwahrgebühren - de facto Negativzinsen auf Bankguthaben - an ihre Firmenkunden weitergegeben. Nach einem OGH-Urteil aus dem Jahr 2009 sind Negativzinsen für private Sparer in Österreich verboten, nicht aber für Geschäftskunden. In Deutschland sind Verwahrentgelte auf Spar- und Girokonten für Privatkunden erlaubt.

Fix oder variabel

Für (private) Sparer in Österreich ändert sich nach dem EZB-Entscheid einstweilen nicht viel. Die Erste Group bietet laut eigener Aussage nur fix verzinste Sparprodukte an. "Wir werden die Marktentwicklung weiter beobachten und bei deutlichen Zinserhöhungen Angebote legen", heißt es in einem Statement. Auch bei der Bank Austria hat die Leitzinserhöhung keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Sparerzinsen. "Die relevanten Indikatoren für Sparzinsen sind derzeit immer noch negativ. Für die Zukunft ist abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt", so eine Sprecherin in einer schriftlichen Antwort.

Steigerungen nach oben gibt es dafür teilweise bei variabel verzinsten Krediten und bei neuen Fixzins-Krediten. "Diese Entwicklung ist aber nicht neu, sie hat sich bereits durch die Ankündigung der EZB, den Leitzins zu erhöhen, gezeigt", heißt es bei der Bank Austria. Bei variabel verzinsten Krediten sei zudem die Entwicklung bei den Euribor-Zinssätzen entscheidend. Die Erste Bank gab an, dass es bei Krediten mit variablen Zinsen zu einer höheren Zinsbelastung kommen werde. Keinen nennenswerten Änderungen dürfte es wiederum bei der RLB NÖ-Wien geben, da deren Kredite größtenteils fix verzinst seien, sagte eine Sprecherin.

Weitere Schritte noch unklar

Bei der BAWAG gibt man sich, was die Negativzinsen für Firmenkunden angeht, zurückhaltender und kündigt noch keine konkreten Schritte an. Man beobachte die Marktentwicklung aufmerksam, teilte ein Sprecher der Bank mit. Ebenso ist es bei der Oberbank, wie es gegenüber dem KURIER hieß.

Bei der RLB NÖ-Wien wurde zuletzt ein Verwahrentgelt ab einer Einlage von 15.000 Euro berechnet, bei der Oberbank wurde dieses in den vergangenen Monaten bei jeder Einlage über 0 Euro fällig, davor lag der Sockel bei 30.000 Euro. Es gab aber auch individuelle Vereinbarungen, heißt es von der Bank.

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