Nationalbank-Chef zur Inflation: "Beobachten die Lage sehr genau"

Robert Holzmann
Gouverneur rechnet damit, dass die Inflation wieder sinkt. Ganz sicher sind die Zentralbanker aber nicht. Ab einer Jahres-Teuerung von zwei Prozent könnten die Zinsen steigen.

KURIER: In den USA ist die Teuerung auf 5 Prozent gesprungen, in Europa und Österreich drohen 4 Prozent. Ist die Inflation zurück?

Robert Holzmann: Was wir im Moment haben, sind monatliche Steigerungen gegenüber dem Vorjahr, ich betone, das ist nicht der Jahresschnitt. Das Wiederanspringen der wirtschaftlichen Aktivitäten löst vorerst Inflationsschübe aus, besonders in den USA, aber auch in Europa und dem Rest der Welt.

Bleibt die Teuerung auf Dauer so hoch? Die Prognosen sind sehr unterschiedlich.

Die Wirtschaftsforscher der EZB, der Fed aber auch der OeNB glauben aufgrund ihrer Modelle, dass dies kurzfristige Inflationszacken sind und dass wir mittelfristig wieder unter die Zwei-Prozent-Marke kommen werden. Die Überlegung dahinter steht in Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt. Sowohl in den USA als auch in Europa gibt es ein Überangebot an Arbeitssuchenden.

Können Sie bitte den Zusammenhang von Arbeitsmarkt und Inflation erklären?

Solange das Angebot die Nachfrage am Arbeitsmarkt klar übersteigt, gibt es wenig Anzeichen für höhere Löhne und damit für höhere Preise.

Aber Ökonomen wie Hans-Werner Sinn warnen vor einer nachhaltigen Inflation.

Auf der anderen Seite stehen neuere Entwicklungen, die in den Modellen nicht eingebaut sind. Im Tourismus etwa gibt es derzeit Engpässe an Arbeitskräften. Manche Hoteliers überlegen bereits neue Anreizsysteme, das könnte zu höheren Löhnen und damit zu Preissteigerungen führen. Das kann passieren, muss aber nicht.

Die Energiepreise dürften ebenfalls zulegen.

Die Förder-Investitionen in Öl- und Gas wurden in der Pandemie stark zurückgefahren, in den USA um 50 Prozent. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, bei gleichzeitigem Anspringen der Nachfrage, könnte es bis 2030 eng werden.

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