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Hochprozentiges
02/27/2013

Weltklasse-Wodka vom Mostbaron

Der beste Bio-Wodka der Welt kommt aus dem Mostviertel und wird bis Afrika geliefert

von Simone Hoepke

Die Zeiten, in denen Josef Farthofer mit Crocs ins Geschäft seiner Schnapsbrennerei schlapfte, sind vorbei. „Seit ein paar Monaten hab ich auch Kunden, die mit dem Chauffeur kommen oder gleich den Fahrer zu mir schicken. Da kann ich nicht mehr so wie früher durchs Geschäft laufen“, meint der hemdsärmelige Mostviertler.

„Früher“ – das war, bevor Farthofer Mitte 2012 beim internationalen Wein- und Spirituosen-Wettbewerb in London Gold für seinen Bio-Wodka verliehen bekam und damit die internationale Konkurrenz in den Schatten stellte. Seitdem kauft auch die Schickeria in Öhling, einer 1700-Seelen-Gemeinde im Bezirk Amstetten, ein.

Zuvor haben vor allem Busreisende in Farthofers Mostelleria in Öhling Halt gemacht. „Im Vorjahr hatten wir 10.000 Besucher, viele Busse kommen aus Schweden, Norwegen oder Deutschland“, erzählt der Schnapsbrenner, während er einem Busreiseunternehmer einen Kaffee serviert. Früher ging es bei den Führungen vor allem um seinen Mostello, seinen Birnendessertwein, den er nach der Portweinmethode herstellt. Heute wollen alle mehr über den Wodka wissen, grinst er.

Der 40-Jährige, der seit zehn Jahren Unternehmer ist, ist auch nach der Auszeichnung bodenständig geblieben. Privat trinkt er am liebsten Bier, bei Verkostungen spuckt er die Edelbrände stets aus, er „muss ja schließlich noch arbeiten“.

100 Tonnen Obst

Farthofer ist studierter Wirtschaftspädagoge, hat nach dem Studium Jungunternehmer beraten. „Irgendwann hab ich mir gedacht, jetzt werd’ ich selbst Unternehmer.“ Auch weil er schon viel in sein Hobby – die Schnapsbrennerei – investiert hatte, referiert er, während er in die Destillerie führt. Im Jahr verarbeitet Farthofer 100 Tonnen Früchte. Schon als Kind hat er mit den Geschwistern immer Obst geklaubt, das dann zum Spottpreis verkauft wurde. Dass er mit dem Obst auch richtig Geld verdienen könnte, kam ihm erst viel später in den Sinn.

Heute hat der Mostbaron mehr als 40 verschiedene Brände im Angebot. „Eigentlich zu viele, aber ich habe noch so viele Ideen“, sagt er, steigt auf den Gabelstapler und führt ein paar Paletten Wodka weg, um Platz zu schaffen. Nebenbei telefoniert er mit einem Kunden. Im Vorjahr hat Farthofer erstmals Bio-Zirben – 500 Kilogramm – aus der Steiermark geliefert bekommen und verarbeitet. „Es ist gar nicht so einfach, solche Mengen zu bekommen“, sagt er.

Seit dem Jahr 2006 produziert Farthofer Wodka, seit 2006 Gin und vor zwei Jahren kam Rum dazu. Alles in Bio-Qualität – einer Nische, in der Weltkonzerne wie Diageo oder Pernot Ricard kein Leiberl haben. Die Hälfte seiner Hochprozentigen gehen mittlerweile in den Export – bis nach Japan, Schanghai und Nigeria. Derzeit laufen Gespräche mit Neukunden in Singapur und auf den Philippinen. Verkauft werden die Edelbrände vor allem in Bio-Hotels aber auch in Spezialitätengeschäften. „Wir haben Expansionspläne, wollen eine neue Lagerhalle dazu bauen“, kündigt der preisgekrönte Schnapsbrenner an.

Sitz der Mostelleria – eine Most- und Spirituosen-Erlebniswelt mit Schaubrennerei – ist ein Kellerhaus, gebaut 1874. Das einst halb verfallene Gebäude hat Farthofer liebevoll renoviert: „Mir ist nichts geschenkt worden“, sagt er. Er habe das Haus gekauft, viel investiert und „vül sölba gmocht“.

Er arbeite gut mit den anderen Mostbaronen zusammen und ist so etwas wie eine touristische Drehscheibe im Ort. Er schickt Touristen weiter zu Beherbergungsbetrieben und Heurigen, stellt Halbtages- und mehrtägige Packages zusammen. Ein Fünftel des Umsatzes, 2012 600.000 Euro, kommt aus dem Tourismusgeschäft, das seine Frau Sonja schupft. Nebeneffekt: Nach den Verkostungen kaufen die Gäste auch fleißig ein. Eine 700-ml-Flasche des „weltbesten“ Bio-Wodkas kostet übrigens 49,90 Euro – vier bis fünf Mal so viel wie Wodka renommierter Weltmarken.

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