Mehr Luft als Inhalt

Mogelpackung
Foto: KURIER/Gnedt Die Größe einer Verpackung kann das Kaufverhalten von Konsumenten massiv beeinflussen.

Keks-Packungen, die zur Hälfte mit Luft gefüllt sind, sorgen bei Konsumenten für Ärger.

Ob Kekse, Ketchup oder Kaffeetabs: Wer die übergroßen Packungen öffnet, fühlt sich gelegentlich übers Ohr gehauen: Laut einem Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) steckt in den Verpackungen mitunter bis zu 50 Prozent Luft.

… Foto: bhaspl/09_roentgen-check_sparvitalknabbererdbeeren.jpg Spar Vital Knabber Erdbeeren

Der VKI hat nach zahlreichen Konsumentenbeschwerden 31 Lebensmittel samt Verpackung durch einen Computertomografen geschickt – von Hipp-Babykeksen über Spak Tomato Ketchup bis zu einer Packung Kelloggs Cornflakes. Das Ergebnis: Bei 21 Artikeln lag der Luftanteil bei zumindest 30 Prozent, sechs Verpackungen waren zu mehr als 50 Prozent mit Luft gefüllt. „Derart viel Luft lässt sich mit der Herstellungstechnik allein kaum begründen, erklärt aber den Ärger der Kunden“, prangern Konsumentenschützer an.

… Foto: bhaspl/04_roentgen-check_eskimosurprisecup.jpg Eskimo Surprise Cup

Um Konsumenten vor Mogelpackungen zu schützen, gibt es in Deutschland bereits eine entsprechende Leitlinie. Diese besagt, dass maximal 30 Prozent Luft in einer Packung stecken dürfen. In Österreich gibt es so eine Richtlinie nicht – und sie ist auch nicht angedacht, sagt Michael Blass, Geschäftsführer des Fachverbandes der österreichischen Lebensmittelindustrie.

Packgas

… Foto: bhaspl/06_roentgen-check_billafaschiertelaibchen.jpg Billa Faschierte Laibchen

Er verteidigt die großen Verpackungen mit kleinem Inhalt mit „technologischen Bedingungen“. Vor allem bei Back- und Süßwaren, die leicht brechen, würde die Industrie mit sogenanntem Packgas die Verpackungen auffüllen.

Bis zum Frühjahr 2009 musste sich die Industrie bei der Verpackung ihrer Ware an verpflichtende Standardgrößen halten. Schokoladen durften etwa nur in bestimmten Gewichtsstufen verkauft werden. Mit der Freigabe der Gewichte und Volumina wurde die Grundpreisauszeichnung Pflicht: An den

… Foto: bhaspl/10_roentgen-check_eduschokaffepads.jpg Eduscho Gala Nr. 1 Kaffee-Pads

Regalen muss nun angeführt werden, wie viel das Produkt pro Kilogramm oder Liter kostet.Wie viele Konsumenten die Grundpreisauszeichnung auch tatsächlich studieren, steht freilich auf einem anderen Blatt.

EU-Kommission

Schluss mit den Essens-Werbelügen

"Gut fürs Immunsystem" oder "Stärkt die Abwehrkräfte" - Werbung für Lebensmittel verspricht viel. Selten decken sich diese Versprechen mit der Realität. Mit fragwürdigen Versprechen dieser Art ist nun Schluss: Seit 14. Dezember dürften Verbraucher nur noch mit gesundheitsbezogenen Angaben für ein Lebensmittel werben, wenn die Aussagen wissenschaftlich geprüft und von der EU zugelassen wurden. Erlaubt sind dann unter anderem Aussagen wie "Kalzium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt" oder "Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei".

Welche Health-Claims nach wie vor verwendet werden dürfen, wurde auf der sogenannten Artikel-13-Liste im Mai 2012 veröffentlicht. Sie enthält derzeit 222 gesundheitsbezogene Angaben, die bei der wissenschaftlichen Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) positiv bewertet wurden.Die Liste der erlaubten Aussagen soll laufend aktualisiert worden. So steht beispielsweise die Prüfung von rund 2.000 Angaben zu pflanzlichen Stoffen sowie zu rund 200 anderen Stoffen - wie verschiedenen Mikroorganismen - noch aus.

Zu Beginn des Verfahrens im Jahr 2008 lagen der EU rund 44.000 Anträge auf Zulassung vor allem von Angaben zu Vitaminen, Mineralstoffen und pflanzlichen Stoffen vor. Die meisten überschnitten sich allerdings, weshalb sie zu 4.600 Hauptangaben zusammengefasst wurden. Aus der zusammengefassten Liste lehnten die Experten letztlich einen Großteil ab.

Hipp-Kindertee: Prädikat "dreisteste Werbelüge"

Werbung verspricht oft, was sie nicht hält: Die deutsche Konsumentenschutzorganisation Foodwatch nimmt jährlich Lebensmittel mitsamt ihrer Werbekampagnen unter die Lupe. Die dreistesten Werbelügen werden dann mit dem "Goldenen Windbeutel" ausgezeichnet. Diesen bekommt heuer die Firma Hipp für ihre Instanttees für Kleinkinder. Die Zuckergranulat-Tees "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" enthalten den Angaben zufolge umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker je 200 ml-Tasse. Dennoch würden sie als "kindgerecht", "gesund" und "Durstlöscher" beworben. "Tatsächlich handelt es sich bei den Instant-Tees um Zuckergranulat, das mit Tee-Extrakt versetzt ist. Pro Tasse (200 Milliliter) enthält der fertige Tee umgerechnet rund zweieinhalb Stück Würfelzucker. Als Durstlöscher für Kinder empfehlen Experten dagegen nur ungesüßte Tees, Wasser", so Foodwatch. "Gezuckerte Tees für Kleinkinder sind so überflüssig wie ein fünftes Rad am Kinderwagen. Die Alternative ist so simpel: Man nehme einen Teebeutel und gieße ihn mit kochendem Wasser auf", erklärte Anne Markwardt von Foodwatch. Knapp 130 000 Verbraucher hatten sich laut Foodwatch unter abgespeist.de an der Online-Abstimmung beteiligt – 34,1% kürten Hipp zum Etikettenschwindel des Jahres. Hipp hat umgehend auf die Nominierung reagiert und will seine kritisierten Instant-Tees auf Zuckergranulat-Basis voraussichtlich bis Jahresende vom Markt nehmen.
(Bild: Geschäftsführer Claus Hipp.) Schon seit längerem werde an einer neuen Rezeptur ohne Zucker gearbeitet, so eine Unternehmenssprecherin. Bereits seit April bietet Hipp für Kinder unter einem Jahr Granulat-Tees mit dem zahnschonenden Zuckerersatzstoff Isomaltulose an.

 

Bilder: Deppensichere Produkthinweise

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt besonders in Amerika. Mit bizarren Warnhinweisen wollen sich die Hersteller dort gegen allfällige Klagen wappnen, falls Kunden das Produkt falsch benutzen und dadurch zu Schaden kommen. Initiativen wie M-Law sammeln diese teils abstrusen Hinweise und veröffentlichen sie im Netz. Deppensicher wird in Amerika auf alle möglichen und unmöglichen Katastrophen und Missverständnisse hingewiesen. Erstes Beispiel:
"Nicht zur Körperhygiene verwenden!"Steht auf der Verpackung einer Klobürste. Andere Zweckentfremdungen sind aber durchaus denkbar, wie dieses Bild beweist. "Achtung, das ist kein Spielautomat, keine Gewinne möglich." Ist auf einem Bankomat in Las Vegas zu lesen. Das wäre ja auch wirklich zu einfach. Das auf dem Bild ist übrigens ein einarmiger Bandit - damit da keine Missverständnisse aufkommen. "Kind vor dem Zusammenklappen des Kinderwagens entfernen"Zur Sicherheit sollten wir vielleicht noch erwähnen, dass dieser Hinweis auch für Hunde gilt. "Letzter Schritt: Ziehen Sie nach Einführen des Tampons Ihren Slip wieder hoch."Erklärt ein Tamponhersteller in den USA seinen Kundinnen den korrekten Umgang. "Runterschlucken ist schädlich."Auf einer Packung mit Angelhaken zu lesen. Eh klar eigentlich. Sonst wärens ja keine Angelhaken. "Das Tragen dieses Kleidungsstückes befähigt dich nicht zum Fliegen." Ist auf der Verpackung zu einem Superman-Kostüm für Kinder zu lesen. "Für Vegetarier geeignet"Ein wichtiger Hinweis. Ein überflüssiger, wenn er auf einer Mineralwasserflasche angebracht ist. "Denken Sie daran: Gegenstände, die im Rückspiegel erscheinen, sind in Wirklichkeit hinter Ihnen."Dass die Objekte kleiner sind als im Spiegel angezeigt, wissen wir ja bereits. Dieser Hinweis ist jedoch neu. "Ziehen Sie die Schwimmbrille nicht vom Gesicht, sie könnte zurückspringen und Sie verletzen." Sicher ist sicher, schon klar. Aber eine Klage wegen zurückschnellenden Schwimmbrille erscheint doch sehr unwahrscheinlich. "Nur äußerlich anwenden."Steht in der Gebrauchsanweisung für einen Lockenstab. "Nicht im Schlaf verwenden."Dieser sachdienliche Hinweis findet sich auf einem Haarföhn. Mit absurden Warnhinweisen dieser Art beschäftigt sich auch eine Ausstellung in Frankfurt, die dort im Museum für Kommunikation zu sehen ist.
Bild: "Bitte nicht vom Beckenrad springen" Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit einer Zeitschrift für Bildbearbeitung, die zu diesem Thema einen Wettbewerb ausgeschrieben hatte. Bild: "Niemals versuchen, die Kette mit der Hand zu halten."Warnt Stihl, der weltgrößte Hersteller von Kettensägen. Die 50 besten Einsendungen sind noch bis 21. Oktober zu sehen.
Bild: "Bitte nicht berühren" " Zeitangabe kann von Abbildung abweichen"
(KURIER) Erstellt am
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