Wirtschaft 21.03.2012

"Essens-Werbelügen" werden verboten

Schlank ohne Diät (Rudolf Schoberberger, Ingrid Kiefer, Michael Kunze): Bei dieser Mischkostdiät gibt es keine Verbote. Stattde… © Bild: dapd

Die EU schränkt gesundheitsbezogene Werbung für Lebensmittel stark ein. 1.600 Slogans wie "Gut fürs Immunsystem" werden untersagt.

Viel versprechen Hersteller in der Werbung: Da sind Lebensmittel „gut fürs Immunsystem“ oder „stärken die Abwehrkräfte“. Aussagen, die sich mit der Realität selten decken. Irreführende Werbung für Lebensmittel soll in der EU nun drastisch eingeschränkt werden. Der Ausschuss für Verbraucherschutz im Europaparlament billigte am Mittwoch in Brüssel einen Vorschlag der Kommission, rund 1.600 gesundheitsbezogene Werbeslogans zu verbieten. Erlaubt wurden nur rund 220 Werbeaussagen - etwa "gut für die Verdauung" für Kekse mit viel Ballaststoffen.

Die gesundheitsbezogenen Werbeaussagen wurden von der Europäischen Lebensmittelagentur EFSA in Parma überprüft. Zugelassen wurden nur Slogans, die als wissenschaftlich fundiert erachtet wurden. Durchgefallen ist beispielsweise die Behauptung, probiotisches Joghurt stärke das Immunsystem.

44.000 Anträge

Die EU-Kommission muss die Listen nun noch formal absegnen, was nach Angaben eines Beamten in einigen Wochen geschehen soll. Nach der Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt haben die Hersteller von Lebensmitteln, deren Werbeslogans nicht genehmigt wurden, sechs Monate Zeit, um bereits verpackte Produkte zu verkaufen. "Nach dieser Frist dürfen sie die beanstandeten Slogans nicht mehr verwenden", erläuterte der Beamte. Die Hersteller könnten allerdings jederzeit auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Überprüfung beantragen.

Die Listen sind Teil einer EU-Verordnung, die bereits 2006 verabschiedet wurde. Ihre Erstellung dauerte länger als zunächst geplant, weil die EFSA rund 44.000 Anträge auf Zulassung von Werbeaussagen erhielt - weit mehr als zunächst erwartet.

Die Europäische Verbraucherschutzzentrale BEUC in Brüssel begrüßte die Neuregelung als "Schritt in die richtige Richtung". Konsumenten würde so besser vor "unbegründeten, übertriebenen oder unwahren Werbeaussagen" geschützt, betonte die Leiterin des BEUC, Monique Goyens.

Erstellt am 21.03.2012