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Wirtschaft
12/09/2021

Mode: Warum das billige T-Shirt bald mehr kosten wird

Die Textilindustrie nimmt wieder Fahrt auf, allerdings nicht in Europa. Wer gut durch die Krise gekommen ist und wer jetzt die Preise erhöht

von Simone Hoepke

Ist gefühlt das halbe Land im Homeoffice und im Lockdown, kauft niemand einen neuen Anzug oder ein Abendkleid. Eine Tatsache, die in den Bilanzen börsenotierter Textilriesen eine tiefrote Spur hinterlassen hat. Laut dem McKinsey Global Fashion Index (MGFI) hat die Branche 2020 zum ersten Mal seit mindestens einem Jahrzehnt Verluste geschrieben. Pleiten und Firmenübernahmen inklusive.

Auf der Gewinnerseite standen einmal mehr die großen Spieler im Modezirkus, allen voran Nike, die Zara-Mutter Inditex, Kering, LVMH, Hermes und Adidas. Also global aufgestellte Luxus- und Sportartikelmarken, die sich viele Konsumenten auch und gerade in Zeiten gestrichener Reisen und Events geleistet haben.

Die Nummer 1 am sogenannten Fast-Fashion-Markt  ist die spanische Inditex-Gruppe, zu der unter anderem die Vertriebsschienen Zara, Massimo Dutti und Bershka gehören. Der Konzern gehört zu jenen Moderiesen, die sich nach den Wiederöffnungen der Läden am schnellsten von den Folgen der Pandemie erholt haben. Auch, weil die Gruppe auf das richtige Pferd gesetzt und den Onlinehandel stetig ausgebaut hatte. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (Februar bis Juli) legte der Umsatz um fast die Hälfte auf knapp 12 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente die Inditex knapp 1,3 Milliarden Euro, nach einem Vorjahresverlust von 195 Millionen.

„Für jene europäischen Marken, die in der Mitte positioniert sind, war es schon vor der Krise schwierig und ist es jetzt noch schwieriger“, sagt Achim Berg, Textil-Experte beim Beratungsunternehmen McKinsey.

"Teils Notwendigkeit, teils Gelegenheit"

Aus seiner Sicht ist klar, dass jetzt die Preise steigen werden, speziell bei billiger Mode, die nun deutlich teurer aus Übersee importiert wird – Stichwort gestiegene Frachtraten. „Die meisten Unternehmen arbeiten bereits an den Preiserhöhungen. Das passiert teils aus Notwendigkeit, teils aus Gelegenheit. Wenn überall von der Inflation die Rede ist, wundert es auch niemanden, wenn Kleidung teurer wird.“ Ein Zeitfenster also, das sich in den vergangenen 20 Jahren so nie aufgetan hat, sagt Berg.

Die globale Modeindustrie stellt sich übrigens bereits auf eine Erholung im Jahr 2022 ein, mit Umsätzen, die das Niveau von 2019 um bis zu acht Prozent übersteigen könnten. Wachstumstreiber sind die USA und China, Europa hinkt hinterher. In China liegen die Umsätze bereits auf Vorkrisenniveau. Das Luxussegment wird bis Ende 2021 voraussichtlich einen Umsatz erzielen, der 70 bis 90 Prozent über dem Wert von 2019 liegt.

Glaubt man den Berechnungen von Greenpeace, kaufen Konsumenten um 60 Prozent mehr Kleidung als noch vor 15 Jahren und tragen diese bestenfalls halb so lange wie damals. Rund 200 Milliarden Stück Kleidung wurden demnach im Jahr 2020 hergestellt, das sei rund doppelt so viel wie im Jahr 2014. Verkauft wurden 2020 hingegen „nur“ 160 Milliarden Stück. Infolge der Pandemie sind die Händler auf einem Haufen von Billigkleidung sitzen geblieben. Produziert wurde letztlich für den Müll, klagt die Umweltschutzorganisation an.

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