Wasserstoff-Tankstelle

© APA/AFP/JEAN-FRANCOIS MONIER

Wirtschaft
07/09/2020

Mit Wasserstoff in Richtung grüne EU

Neue Strategie: So will die EU-Kommission fossile Energieträger mit Wasserstofftechnologie ersetzen

von Ingrid Steiner-Gashi

Theoretisch hat Wasserstoff, der in der Natur als chemisches Element reichlich vorkommt, das Zeug zum Wundermittel: Reiner Wasserstoff verbrennt, ohne Schadstoffe zu hinterlassen. Er lässt sich lange Zeit speichern, kann mithilfe einer Brennstoffzelle Elektromotoren antreiben und auch als Gas verwendet werden.

Kurz: Die Verwendung von Wasserstoff soll ein zentrales Element bei der Transformation zu einem klimaneutralen Europa werden.

So will es die EU-Kommission, die am Mittwoch in Brüssel ihre Wasserstoffstrategie vorstellte. Die Pläne sind ehrgeizig, die Hürden noch gewaltig. EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans sieht einen weiteren Vorteil: „Die neue Wasserstoff-Wirtschaft kann ein Wachstumsmotor werden, um die wirtschaftlichen Schäden durch Covid-19 zu überwinden“, ist Timmermans überzeugt. Ziel sei es mittel- bis langfristig, in Europa eine ganze Wertschöpfungskette für „sauberen Wasserstoff“ zu schaffen.

Massiv gefördert werden nun zwei Arten des Gases: sogenannter blauer und grüner Wasserstoff (siehe auch Story unten). Blau ist die Gewinnung von Wasserstoff auf der Basis von Erdgas. Dabei wird zwar abgespalten, dieses aber unterirdisch gespeichert. In Norwegen wird dieses System bereits betrieben, viele EU-Fördermilliarden sind in diesen Forschungssektor geflossen.

Doch wirklich treibhausgasfrei ist nur sogenannter grüner Wasserstoff – er wird ausschließlich mit erneuerbaren Energieträgern gewonnen, also Wind- oder Sonnenenergie. Zum Ärger von Umweltschützern soll bis 2030 noch die Gewinnung von blauem Wasserstoff gestützt werden, danach nur grüner.

Noch viel zu teuer

Zurzeit noch das größte Problem: Die Gewinnung von Wasserstoff bedarf ihrerseits eines extrem hohen Energieaufwandes. Zahlreiche erneubare Energiequellen müssen deshalb erst erschlossen werden, um auf die benötigten Wasserstoffmengen zu kommen.

Zweites Problem: Gegenüber konventionellen Energieträgern ist Wasserstoff noch viel zu teuer. Wobei Timmermans dagegenhält: „Wenn es das Angebot gibt, wird auch der Preis sinken.“

In ganz Europa sollen deshalb in den kommenden Jahren Fabriken für grünen Wasserstoff entstehen. Bis 2024 sollen demnach vier Gigawatt an Elektrolysekapazität installiert sein, 2030 sollen es laut Kommissionsplan bereits zehn Mal mehr sein.

Bis zu 15 Milliarden Euro will Brüssel in den kommenden zehn Jahren in diesen Forschungsbereich fließen lassen. Weitere 50 bis 150 Milliarden sind angedacht für die Errichtung der entsprechend notwendigen Wind- und Solarkapazitäten.

Über die ganze EU sollen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen koordiniert werden. 140.000 neue Arbeitsplätze könnten in diesem Sektor neu entstehen.

Timmermans Ziel: Europa soll „Weltmarktführer im Bereich der Wasserstofftechnologie werden“. Wobei Europa noch stark nachhinkt. Derzeit investiert China pro Kopf vier Euro in seine Wasserstoff-Zukunft, die EU aber nur 50 Cent. Österreich will beim Schwenk zum Wasserstoff vorne mit dabei sein: Bis Jahresende wird das Klimaschutzministerium eine österreichische Wasserstoffstrategie vorlegen.

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