In Österreich hat Stefanel nur noch sechs Standorte, unter anderem in der Wiener Innenstadt

© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
06/13/2019

Millionenpleite im Modezirkus: Stefanel hat Riesen-Schulden

Stefanel ist nur eines von vielen internationalen Modeunternehmen in finanzieller Schieflage.

Sechzig Jahre nach der Gründung macht der börsennotierte italienische Modekonzern Stefanel S.P. A. mit Sitz in Ponte die Piave, Venetien, seine größte Krise durch. Vor einer Woche wurde die Aktie vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt. Gestern, Donnerstag, hat der einstige Familienbetrieb Insolvenz angemeldet.

Vor drei Jahren war Stefanel schon einmal massiv in Schieflage geraten. Nach einer Umschuldung stieg der Restrukturierungsfonds Attestor Capital im Jahr 2017 ein und übernahm mithilfe einer Kapitalerhöhung auch die Mehrheit am Unternehmen. Der Aktienanteil von Giuseppe Stefanel sank dadurch auf 16 Prozent.

Früher 1000 Filialen

Ende der 1990er Jahre hatte Stefanel  1000 Filialen in 56 Ländern, heute sind es noch 400 Standorte in 13 Ländern. Die Probleme bei Stefanel sind hausgemacht. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren betrieb der Familienbetrieb eine aggressive Expansionspolitik,  die viel Geld verschlang. Allein in den USA wurden 100 Filialen eröffnet, die wenige Jahre später schon wieder von der Bildfläche verschwanden.

 

Umsatzeinbruch um ein Drittel

Alleine im Zeitraum 2011 bis 2017 brach der Umsatz um ein Drittel auf 125,33 Millionen Euro ein. Die Onlinehändler und der Preisdruck der  Konkurrenz setzte den Norditalienern stark zu. Die Verluste sind enorm. Im Jahr 2017 betrug das Ergebnis nach Steuern minus 175,2 Millionen Euro.

Österreich-Tochter in Linz

Eine Neuausrichtung ist bisher ebenso wenig gelungen wie eine Einigung mit den Gläubigern. Bis heute, Freitag, muss der Konzern dem Insolvenzgericht ein Restrukturierungskonzept vorlegen. Im Kern geht es vor allem um eine Lösung für Schulden in Höhe von 40 Millionen Euro.

13,25 Millionen Euro Bilanzverlust

In Österreich betreibt Stefanel über die Stefburg Mode-Handels GmbH mit Sitz in Linz laut Creditreform nur noch acht Filialen. Der Bilanzverlust 2017 beträgt 13,25 Millionen Euro. Das negative Eigenkapital wird mit 1,95 Millionen Euro beziffert. „Eine insolvenzrechtliche Überschuldung besteht nicht, da das negative Eigenkapital durch einen Gesellschafterzuschuss bzw. einen Schuldennachlass abgedeckt wird“, heißt es im Bilanz-Lagebericht 2017.

Textilketten in der Krise

Stefanel ist nicht die einzige Marke, die mit finanziellen Schwierigkeiten kämpft. Ein kleiner Auszug aus den Meldungen der vergangenen Monate: Gerry Weber International hat Anfang des Jahres Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt – mit dem Ziel, das Unternehmen zu sanieren. Betroffen von dem Insolvenzantrag war zunächst nur die Muttergesellschaft mit den Marken Taifun und Samoon. Das Unternehmen ist derzeit noch auf Investorensuche.

Der deutsche Modehändler Esprit, in Österreich mit rund 20 Filialen und 300 Beschäftigen vertreten, schreibt weiterhin rote Zahlen. Esprit will nun weltweit bis zu 40 Prozent der Verwaltungsstellen streichen. Ob weitere Standorte geschlossen werden, ist noch offen. Derzeit macht das Modehaus mit Börsennotierung in Hongkong 90 Prozent seines Umsatzes in Europa, die Wachstumsfantasie liegt in Asien.

Fix ist, dass asiatische Konzerne derzeit in Europa auf Einkaufstour sind, etwa der chinesische Industrie- und Handelsriese Fosun, der mittlerweile Mehrheitseigentümer des strauchelnden Vorarlberger Strumpfmachers Wolford ist und auch beim deutschen Modehaus Tom Tailor eingezogen ist.

Verluste scheinen sich derzeit wie ein roter Faden durch die Modebranche zu ziehen. Als Schuldiger wird gern das Wetter genannt, das 2018 nicht mitgespielt hat. Die hohen Temperaturen im Sommer hätten die Ware wie Blei in den Regalen liegen lassen, heißt es. Das Wetter kann aber nicht über strukturelle Probleme hinwegtäuschen. In der Branche tobt ein Verdrängungswettbewerb.

Die Preise erodieren

Konzerne pressen in immer kürzeren Abständen immer mehr Kollektionen in den Markt. Die Preise erodieren – auch dank billiger Kunstfasern. Allein zwischen 2000 und 2014 hat die Bekleidungsindustrie ihre Produktionsmenge verdoppelt, im Jahr 2014 wurden erstmals mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert, rechnet Greenpeace vor. Zu viel, sagen Experten der Textilindustrie. Sie schätzen, dass das Angebot die Nachfrage bereits um 30 Prozent übertrifft.

Allein in Österreichs Kleiderkästen sollen insgesamt 72 Millionen Kleider lagern, die sie nie oder nur selten getragen werden, will Greenpeace erhoben haben.