Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Millionenpleite eines bekannten Startups fürs Energiesparen

Doch die technologische Innovation konnte das wirtschaftliche Scheitern nicht verhindern.
Das Wort „insolvent“ ist durch ein Loch in einem grünen Blatt Papier sichtbar.

„Das Unternehmen hatte sich auf sogenannte Plug-in-Batteriespeichersysteme (BESS) spezialisiert – Geräte, die überschüssigen Strom aus Photovoltaikanlagen speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Die Besonderheit: EET entwickelte eine patentierte „Virtual Meter"-Technologie. Dabei handelt es sich um ein intelligentes Messsystem, das ohne zusätzliche Hardware den Stromverbrauch eines gesamten Haushalts in Echtzeit erfassen kann“, heißt es aus dem KSV1870. „Der Virtual Meter nutzt künstliche Intelligenz, um aus den Daten der Batterie den Gesamtstromverbrauch zu berechnen – und das innerhalb einer Sekunde. Normalerweise wären dafür separate Messgeräte oder Smart Meter nötig. Die Technologie sollte es Haushalten ermöglichen, ihren Eigenverbrauch von Solarstrom zu optimieren und Kosten zu senken.“

Die EET – Efficient Energy Technology GmbH mit Sitz in Graz hat laut KSV1870 am 26. Juni ein Konkursverfahren am Landesgericht Graz beantragt. Das 2017 gegründete Unternehmen beschäftigte zuletzt 22 Mitarbeiter und vertrieb Batterie-Energiespeichersysteme für Privathaushalte. 

Geschäftsführer des Unternehmens ist Mark Reijerkerk. Zu den Gesellschaftern zählen unter anderem der norwegische Energiekonzern Statkraft Ventures AS, der Junction Growth Investors Fund aus Belgien, DI Dr. Christoph Grimmer und DI Stephan Weinberger.

Preiskampf mit Fernost verloren

Doch die technologische Innovation konnte das wirtschaftliche Scheitern nicht verhindern. Laut Angaben der Geschäftsführung geriet EET 2024 durch Probleme in der Lieferkette für Batteriespeichersysteme in die Krise. Der zunehmende Wettbewerbsdruck – vor allem durch deutlich günstigere Anbieter aus Fernost – verschärfte die Lage. „Das Unternehmen konnte mit den Verkaufspreisen und Herstellungskosten der Zulieferer aus Fernost nicht mithalten“, heißt es in der Insolvenzmeldung des KSV1870.

Eine Kapitalerhöhung durch die Gesellschafter im September 2024 und Umstrukturierungsmaßnahmen brachten keine Wende. Im Herbst 2025 versuchte sich EET neu zu erfinden: Statt Batteriespeicher zu verkaufen, sollte künftig die Virtual Meter-Technologie an andere Hersteller lizenziert werden.

Verkauf gescheitert  

Im November 2025 startete das Unternehmen einen Verkaufsprozess, um einen strategischen Käufer und frisches Kapital für die Weiterentwicklung der Technologie zu finden. Zahlreiche Interessentengespräche wurden geführt. Doch letztlich kam kein Deal zustande. Ohne Einnahmen aus dem operativen Geschäft trat schließlich die Zahlungsunfähigkeit ein. Eine Fortführung sei nicht zweckmäßig, so die Schuldnerin.

Schulden und Vermögen

Die Aktiva werden mit 341.000 Euro beziffert, die Passiva mit 6,378 Millionen Euro, davon entfallen 5,3 Millionen Euro auf die Gesellschafter. Betroffen sind etwa 95 Gläubiger.

Kommentare