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Wirtschaft
06/11/2019

Millionenpleite eines eigenwilligen Auto-Importeurs

Geschäftsmodell des „freien Autohandels“ stieß bei der Autoindustrie offenbar auf wenig Gegenliebe.

Dieses Unternehmen hat sich "als internationale Drehscheibe für Pkw" mit der mächtigen Autoindustrie und offenbar auch mit den Generalimporteuren angelegt.

„Die FHVG, Fahrzeughandels- und Vermietungs-GmbH.Nfg.KG ist ein international tätiger Automobilgroßhändler und Automobilbroker für fabrikneue und neuwertige Personenkraftwagen. Wir sind sowohl direkter Ansprechpartner für Privatkunden als auch Schnittstelle zwischen Fahrzeugherstellern und dem freien Autohandel“, heißt es im Insolvenzantrag aus der Feder des renommierten Sanierungsanwalts Günther Hödl. „Unser Angebot umfasst individuell konfigurierte EU-Fahrzeuge sowie Lagerfahrzeuge mit Tageszulassung gleichermaßen. Als langjähriger Spezialist im internationalen Fahrzeughandel schätzen unsere Partner und Kunden in erster Linie unser engmaschiges und weltweites Netzwerk, das uns eine zuverlässige und rasche Abwicklung garantieren lässt.“

Nun musste die FHVG, Fahrzeughandels- und Vermietungs-GmbH.Nfg.KG und ihre Gesellschafterin, die Fritz Hackl GmbH, mit Sitz in der Wiener Innenstadt den Weg zum Konkursgericht antreten. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform. Für beide Gesellschaften wurde Konkurs beantragt. Die FHVG hat rund 1,6 Millionen Euro Schulden angehäuft.

Das skurrile Geschäftsmodell

Das Unternehmen importiert Kraftfahrzeuge und exportiert diese wieder. Das skurrile dabei war, dass zum Beispiel Autos aus Frankreich nach Österreich importiert wurden und dann von französischen Händlern aus Österreich reimportiert wurden. Bei diesem Reimport erhielten die französischen Autohändler eine höhere Marge als bei direkten Einkauf beim französischen Hersteller, wie Firmenanwalt Günther Hödl dem KURIER bestätigt. Mit dieser Konstruktion konnte FHVG im Vorjahr im Schnitt 600 Euro pro Fahrzeuge Gewinn machen.

 

Verluste erwirtschaftet

„Das Geschäftsfeld hat sich ursprünglich sehr gut entwickelt, es haben jedoch in den vergangenen Jahren die einzelnen Automobilbauer Maßnahmen ergriffen, um ihr primäres Händlernetz in den einzelnen Staaten zu schützen und derartige Geschäftsmodelle nicht mehr zuzulassen“, heißt es weiter. Das hat sich nicht nur auf den Umsatz ausgewirkt, sondern es wurden auch keine Gewinne mehr geschrieben. Entsprechende Gegenmaßnahmen fruchteten nicht, es wurden weiter Verluste erwirtschaftet.

Am Ende soll eine Gesellschafterin, eine Bank, nur noch unter bestimmten Bedingungen bereit gewesen sein, die Kreditlinien zu verlängern, behauptet das Unternehmen. Diese Bedingungen konnten aber nicht erfüllt werden.

Die Vorgeschichte

Im Geschäftsjahr 2017 betrugen die Schulden sogar 2,292 Millionen Euro, der Bilanzverlust 421.400 Euro und das negative Eigenkapital 386.400 Euro. Damals hieß es noch: Die Liquidität wurde durch Einlagen der Gesellschafter sichergestellt. Weiter besteht eine positive Zukunftsprognose.

Es gibt noch eine weitere Gesellschaft, die Friedrich Hackl Autohandels- und Vermietungsgesellschaft m.b.H., die 2017 einen Bilanzgewinn in Höhe von 1,725 Millionen Euro auswies. Sie ist offenbar nicht insolvent.