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Wirtschaft
05/16/2019

Abgerissen: Millionenpleite einer österreichischen Textilkette

Die Fortführung des Unternehmens soll gewährleistet sein, 63 der 167 Mitarbeiter verlieren aber ihre Jobs.

Diesem Unternehmen ist regelrecht der geschäftliche Faden gerissen. "Der Textil-Einzelhändler mister*lady GmbH & Co KG hat heute, Donnerstag, den 16. Mai 2019, beim Handelsgericht in Wien Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt" teilt das Unternehmen in einer Aussendung mit. "Begründet wird dieser Schritt mit den Auswirkungen der allgemein negativen Ertragsentwicklung im Textil-Einzelhandel sowie steigendem Konkurrenz- und Margendruck durch einen zunehmenden Online-Handel im Modebereich. Der Fortbestand ist durch die eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen gewährleistet. Das operative Geschäft wird entsprechend fortgeführt, wobei einzelne Standorte geschlossen werden müssen."

3,6 Millionen Euro Schulden

Das Unternehmen betreibt laut Creditreform in Österreich 35 Filialen mit insgesamt 167 Mitarbeitern. "Im Rahmen der Fortführung sollen circa 13 defizitäre Filialen geschlossen werden. Angedacht ist eine Schließung der Filialen im Juli 20190 nach einem sechs- bis achtwöchigen Abverkauf der vorhandenen Waren", teilt das Unternehmen dem Gericht mit. "Von der Schließung der Filialen sind insgesamt 63 Mitarbeiter betroffen."

Die Schulden werden laut AKV und KSV1870 mit rund 3,6 Millionen Euro beziffert. 78 Gläubiger sind betroffen. Über die Gesellschafterin mister*lady GmbH wird kein Insolvenzverfahren eröffnet, da sie kein Vermögen und keine Schulden bzw. Gläubiger aufweist.

Die Standorte in Österreich

Das Unternehmen betreibt Filialen:

  • im Wiener Stadion Center,
  • am Wiener Hauptbahnhof,
  • im Huma Einkaufspark in Wien-Simmering,
  • im Wiener Citygate,
  • im Shoppingcenter G3 in Gerasdorf,
  • in der Galleria Danubia in Hainburg,
  • in der Merkur City in Wiener Neustadt,
  • im City Center Amstetten,
  • im Fachmarktzentrum Tulln-Langenrohr
  • im Haid-Center in Oberösterreich,
  • im Frunpark Asten,
  • im Donaupark Mauthausen,
  • in der Weberzeile in Ried im Innkreis,
  • im Salzkammergut Einkaufspark in Gmunden,
  • in der Shopping City Wels SCW,
  • in Wels-Nord,
  • im Einkaufszenrtum Liezen,
  • in den Klagenfurter City Arkaden,
  • im EKZ Südpark Klagenfurt,
  • im City Center Völkermarkt,
  • in Neukauf Villach,
  • im FMZ Wolfsberg,
  • im FMZ Tauernpark in Spittal an der Drau,
  • im Stadtparkcenter Spittal,
  • im FMZ Voitsberg,
  • in Leibnitz,
  • im Shoppingcenter Nord in Graz-Gösting,
  • im Telfspark in Telfs,
  • im FMZ Imst,

Die Pleiteursachen

Vor allem der Konkurrenz- und Preisdruck und die Online-Mitbewerber sollen das Unternehmen in die Misere gebracht haben. Es gelang dem Unternehmen nicht, außerhalb eines Insolvenzverfahrens mit den Verpächtern der defizitären Filialen eine Einigung über die Schließung zu erzielen.

Das Unternehmen

Die österreichische mister*lady GmbH & Co KG hat drei Geschäftsführer (Albert Himmel, Rudolf Kempter, Jürgen Hanslbauer) und  ist eine Tochter des 1967 gegründeten Bekleidungsunternehmens mister*lady GmbH. Die Mutterfirma hat ihren Sitz in Schwabach bei Nürnberg, Deutschland. Alles begann in der 1970er Jahren. Damals wurde in Düsseldorf der erste "Western Store" eröffnet. Das Sortiment umfasste amerikanische Mode vor allem Jeans. Seitens des Konzerns gibt es ein klares Bekenntnis zum Fortbestand eines neustrukturierten österreichischen Filialnetzes.

1550 Mitarbeiter in 330 Filialen

Das deutsche Unternehmen mister*lady gehört heute der Dr.Rehfeld Fashion AG und hat heute in Deutschland und Österreich etwa 330 Filialen mit 1550 Mitarbeiter. Die deutsche mister*lady GmbH, der Konzern, setzte 2016 rund 329 Millionen Euro um, im Jahr davor waren es noch 363 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 2016 rund 5,1 Millionen Euro.

Dr. Rehfeld Fashion AG

Laut Creditreform Deutschland gehört die deutsche Gesellschaft mister*lady der Dr. Rehfeld Fashion AG. "Die Dr. Rehfeld Fashion AG hat am 01.Juni 2014 rückwirkend zum 01.Jänner 2014 das operative Geschäft des Textilgroßhandels an die BRANDBASE 86 FASHION GMBH ausgegliedert, mit dem Ziel, die verschiedenen Geschäftsbereiche zu trennen und eine klare Konzernstruktur zu schaffen", heißt es in der Wirtschaftsauskunft von Creditreform. Der Bilanzgewinn des konzerns betrug 2017 rund 38,78 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote 50,41 Prozent. Zwischen der mister*lady gmbH und der Dr.Rehfeld Fashion AG besteht eine Gewinnabführ- und ein Verlustübernahmevertrag.

„Die Belieferung der österreichischen Filialen mit Waren durch die mister*lady GmbH Deutschland ist auch im Zuge des Sanierungsverfahrens sichergestellt. Die bestmöglichen Voraussetzungen für den Erhalt eines Großteiles der Filialen und Arbeitsplätze sind somit geschaffen", heißt es weiter. Das Unternehmen wird im Rahmen des Sanierungsverfahrens vom renommiertren Saneriungsanwalt Norbert Abel vertreten.

Die Bilanzen

Im Geschäftsjahr 2017 hat der Textilhändler 14,729 Millionen Euro umgesetzt, der Betriebserfolg betrug minus 587.700 Euro und der Bilanzverlust 601.000 Euro. Im Jahr 2016 wurden noch 15,535 Millionen Euro umgesetzt und der Bilanzverlust betrug 76.100 Euro.

Die nächsten Wochen werden laut KSV1870 erst zeigen, ob das Unternehmen mit den betroffenen Filialen im Insolvenzverfahren tatsächlich fortgeführt werden kann und inwiefern die bereits angebotene Sanierungsplanquote tatsächlich angemessen ist.

Die Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde für den 10.Juli 2019 anberaumt. Am 14.August 2019 findet die Sanierungsplantagsatzung statt.