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Wirtschaft
09/02/2019

Millionenpleite einer bekannten Firma für Beleuchtungen

Das Unternehmen war bereits 2018 insolvent, es konnte aber nur eine Rate an die Gläubiger bezahlt werden.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Bei diesem Unternehmen geht schon das zweite Mal das finanzielle Licht aus."Das Unternehmen wurde im Jahr 2003 gegründet und ist ein etabliertes internationales Leuchtenhandelsunternehmen, dessen wesentlicher Unternehmensgegenstand die Entwicklung, das Design, die Qualitätskontrolle, der Import und Vertrieb von Beleuchtungskörpern aus asiatischen und teilweise europäischen Produktionsstätten, ist", heißt es zu dieser Pleite von Creditreform."Über das Vermögen des Unternehmens wurde bereits im Jahr 2018 ein Sanierungsverfahren eröffnet, welches mit der Annahme eines Sanierungsplans mit einer 33-Prozent-Quote endete. Es konnte lediglich die erste Rate in Höhe von zehn Prozent bezahlt werden, da die eingeleiteten Reorganisationsmaßnahmen nicht die entsprechende Wirkung zeigten." Nachsatz. "So kam zum Beispiel der angedachte Verkauf der Betriebsliegenschaft nicht zustande, entsprachen die Sonderverkaufsaktionen nicht den Erwartungen und ist der deutsche Kernmarkt beinahe völlig zusammengebrochen." Dabei trug der deutsche Markt zu rund 50 Prozent des Umsatzes bei.

Namhafte Kunden

Über das Vermögen der Firma Esto Lightning GmbH um Peter und Konstantin Stroj wurde heute laut Creditreform am Landesgericht Klagenfurt aufgrund eines Eigenantrages ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Rund 135 Gläubiger und 24 Arbeitnehmer sind betroffen. Die Löhne und Gehälter für Juli wurden nicht bezahlt. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Zum Insolvenzverwalter wurde der Klagenfurter Rechtsanwalt Ferdinand John Lanker bestellt.

Das Unternehmen verkauft Pendelleuchten, Wand- und Deckenleuchten, Spotleuchten, technisches Licht, Außenleuchten und dekorative Wohnbeleuchtung. Zu den Hauptkunden zählen laut Frimenangaben, XXXLutz, Leiner, Kika, Möbelix, Mömax, Poco Deutschland, Hagebau und die Diskonterketten Hofer und Lidl. Aber auch über amazon und ebay werden die Leuchten verkauft.

Änderungen am Geschäftsmodell

Die Beleuchtungskörper werden in Velden, Kärnten, entwickelt und in China von Partnern hergestellt. So sollte das Geschäftsmodell auf ein lagerloses umgestellt werden, was aber in der kurzen Zeit nicht gelang. Auch andere Organisationsänderungen klappten mangels entsprechender Eigenmittel nicht. Und Schlüsselarbeitskräfte verließen den Betrieb schon im Zuge der ersten Insolvenz. Der Umsatz sank Monat für Monat, vor allem in Deutschland und in der Schweiz. Im Juli lag er sogar ein Drittel unter Plan. Es musste die Reißleine gezogen werden.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 5,379 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,629 Millionen Euro auf Banken, 1,978 Millionen Euro auf wiederauflebende Verbindlichkeiten aus dem ersten Sanierungsverfahren, 440.000 Euro auf ein Gesellschafterdarlehen, 402.000 Euro auf die Mitarbeiter, 275.000 Euro auf eine Factoring-Bank, 150.000 Euro auf mögliche Schadenersatzforderungen, 119.000 Euro auf die Gebietskrankenkasse, 117.000 Euro auf die Finanz und 60.000 Euro auf Handelsvertreter. Die Banken sind in Höhe von 1,904 Millionen Euro besichert.

Das Vermögen (Verkehrswert) wird mit 3,122 Millionen Euro beziffert, aber das freie Vermögen beträgt lediglich 953.000 Euro. Das Firmenliegenschaft (1,6 Millionen Euro) ist in Höhe von 1,49 Millionen Euro an eine Bank verpfändet. Die offenen Forderungen gegen Kunden werden mit 486.000 Euro beziffert, die Bankguthaben und Barmittel mit insgesamt 157.000 Euro. Der warenvorrat wird mit 80.000 Euro ausgewiesen.

Die Firmengeschichte

Die ESTO Leuchtenfabrik in St. Egyden wurde  laut KSV1870 im Jahr 1969 von Peter Stroj  gegründet. 1972 wurde die Elektronic-Service-Gesellschaft m.b.H. errichtet und wurde der Sitz der Firma 1974 nach Lind ob Velden am Wörthersee verlegt. Im Jahr 2003 erfolgte die Gründung der ESTO Lighting GmbH.

Die Alleingesellschafterin, Elektronic-Service-Gesellschaft, fungiert als Holdinggesellschaft. Deren Gesellschafter sind Peter Stroj (51 Prozent) und Kostantin Stroj (49 Prozent).

Die ESTO lighting GmbH hält zudem Anteile an den Vertriebstöchtern Rasveta d.o.o., Serbien (70-Prozent-Anteil) und ESTO Rasvjeta d.o.o., Bosnien (60-Prozent-Anteil). Bei der ESTO (Jiangmen) Lighting & Electric Application Co. Ltd handelt es sich um das ehemalige Fertigungszentrum in Jiangmen, welches geschlossen wurde und nicht mehr operativtätig ist. Die VENTINI-kreative Produkte GmbH war für den Online-Vertrieb und ESTO Smartlighting zuständig. Diese wird laut KSV1870 mittlerweile liquidiert.

Die Gläubiger sollen 20 Prozent Quote erhalten.


Höhere Umsätze, mächtige Verluste

Im Geschäftsjahr 2015/16 (1. April bis 31. März) wurden 14 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, der Verlust betrug 620.000 Euro; im Geschäftsjahr 2016/17 betrug der Umsatz dann 14,468 Millionen Euro, im  Geschäftsjahr 2017/18 dann 15,623 Millionen Euro. Aber der Verlust kletterte auf 1,953 Millionen Euro. Der Bilanzverlust summierte sich auf 3,15 Millionen Euro.

"Trotz des negativen Eigenkapitals wurde der Jahresabschluss zu Fortführungswerten erstellt da: Mit 30.10.2018 ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet wurde mit dem Ziel der nachhaltigen Fortführung des Unternehmens. Stille Reserven bezüglich der Betriebsliegenschaft vorhanden sind. Im Rahmen des Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung Finanzpläne erstellt wurden welche unter Berücksichtigung des Sanierungsergebnisses sowie der Restrukturierungsmaßnahmen darlegen dass das Unternehmen nach Abschluss des Sanierungsverfahrens nicht erneut zahlungsunfähig wird", heißt es im Bilanzlagebericht 2017/18.

Doch 2018/19 gab der Umsatz dann deutlich nach: 12,28 Millionen Euro. Der Verlust betrug 2018/19 rund 510.000 Euro.