Millionenpleite der österreichischen Teleshopping-Tochter Mediashop
Der Mediashop in Neunkirchen ist Pleite. 160 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Laut der zuletzt eingereichten Bilanz hat sich der wirtschaftliche Abschwung schon länger angekündigt. Der Teleshopping-Sender Mediashop GmbH mit Sitz in Neunkirchen, NÖ, ist insolvent. Nicht betroffen ist die deutsche Mutter Mediashop International Group GmbH mit Sitz in Lindau. Die österreichische Tochter wird am Landesgericht Wiener Neustadt einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung stellen. Die Passiva des Unternehmens betragen rund 45 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstagnachmittag mit. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 160 Mitarbeiter, 2022/2023 waren es noch 200 Mitarbeiter.
Den Gläubigern wird ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent angeboten. Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden, teilte das Unternehmen mit. Im Rahmen des Sanierungsverfahrens werde nun geprüft, ob und in welchem Ausmaß weitere Gesellschaften der Mediashop-Gruppe von den finanziellen Turbulenzen betroffen sind.
Der Hintergrund
"In den vergangenen Jahren sah sich die Mediashop GmbH mit tiefgreifenden Veränderungen im Konsumverhalten und einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld konfrontiert. Die wachsende Dominanz internationaler Handelskonzerne, der hohe Wettbewerbsdruck sowie eine Verschiebung hin zu globalen Online-Plattformen belasteten das nationale Handelsumfeld stark", heißtes in einer Aussendung. "Der im Herbst 2025 bestellte CEO hat im Zuge des Transformationsprozesses wesentliche Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt, die bereits positive Effekte zeigen. Eine umfassende betriebswirtschaftliche Analyse ergab jedoch, dass eine Fortführung des Unternehmens in der bisherigen Struktur wirtschaftlich nicht darstellbar ist."
Die aktuellen Zahlen
In der zuletzt beim Firmenbuch eingereichten Bilanz 2022/2023 der Mediashop GmbH ergibt sich ein Umsatzeinbruch von 180,8 Millionen Euro auf 138,1 Millionen Euro.
Die aktuellen Verbindlichkeiten werden laut KSV1870 mit 46 Millionen Euro beziffert. "Davon sollen Verbindlichkeiten in der Höhe von EUR 14,6 Mio. auf Kreditinstitute, EUR 12 Mio. auf Lieferantenforderungen, EUR 11,6 Mio. auf verbundene Unternehmen und EUR 7,8 Mio. auf sonstige Verbindlichkeiten entfallen", heißt es weiters. "Im Falle des Scheiterns der Sanierung geht die Schuldnerin aufgrund der damit einhergehenden Schließungs- und Liquidationskosten von einer Erhöhung der Passiva auf gesamt EUR 51,5 Mio. aus."
Marken verpfändet
"Die Antragstellerin hält Anteile an nationalen wie internationalen Tochtergesellschaften, deren Wert erst im Zuge des Verfahrens eruiert werden muss.
Laut eigenen Angaben ist die Antragstellerin Eigentümerin zahlreicher Marken und IP-Rechte, die verpfändet sind", so der AKV. "Ebenso ist die Antragstellerin Eigentümerin einer Liegenschaft mit einem Bestandsobjekt in Neukirchen, die grundbücherlich belastet ist."
Langfristig abzusichern
"Ziel der Geschäftsführung ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem gerichtlich zu bestellenden Insolvenzverwalter eine tragfähige Sanierungslösung umzusetzen und die
Marktposition des Unternehmens insbesondere im Bereich digitaler Vertriebskanäle zu stärken. Auch das Hinzuziehen eines strategischen Investors ist geplant, um den Fortbetrieb
und die Wettbewerbsfähigkeit am europäischen Markt langfristig abzusichern", teilt das Unternehmen mit.
"Meine Einkaufswelt"
Gegründet wurde der Verkaufssender im Jahr 1999, vertrieben werden Produkte aus den Bereichen Haushalt, Küche, Fitness, Gesundheit, Beauty sowie Lifestyle. In den vergangenen Jahren habe es dabei tiefgreifenden Veränderungen im Konsumverhalten und ein zunehmend herausfordernden Marktumfeld gegeben. Nach Eigenangaben betreibt Mediashop den TV-Sender "Meine Einkaufswelt" und ist auf 175 TV-Stationen präsent.
Der konzernweite Jahresumsatz soll zuletzt stabil bei rund 170 Millionen Euro gelegen sein. Insgesamt würden fast 400 Mitarbeiter in zehn Ländern europaweit (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Niederlande, Ungarn, Tschechische Republik, Rumänien, Slowakei und Türkei) beschäftigt. Das Hauptquartier für Österreich steht in Neunkirchen, auf 2.700 Quadratmetern arbeiten dort rund 160 Mitarbeiter.
Zu den Personen
Größte Gesellschafterin der deutschen Mutterfirma Mediashop International Group GmbH ist die Schneider Holding GmbH um Dieter und Katharina Schneider mit Sitz in Neunkirchen.
"Seit dem 30. Januar 2024 ist Katharina Schneider wieder in Aktion zu sehen, als Investorin in der Start-Up-Show „2 Minuten 2 Millionen“, die auf PULS 4 und dem kostenlosen SuperStreamer JOYN ausgestrahlt wird. Neben Cash-Investments vergibt sie hier begehrte Mediashop-Tickets an Gründer und Gründerinnen. In der Mediashop Gruppe ist sie weiterhin als Beirätin und Gesellschafterin tätig, die Geschäftsführung hat sie nach 15 Jahren im März 2022 an das Management Team übertragen", hieß es in einer früheren Investorinnen-Aussendung.
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