Zuletzt war das Unternehmen als Fiat-Werkstätte tätig

© APA/dpa-Zentralbild

Insolvenz
05/02/2016

Millionen-Pleite mit Wärmepumpen

Insolventer Betrieb hat 4,21 Millionen Euro Schulden, 44 Jobs wackeln ganz ordentlich.

von Kid Möchel

Wenn ein einzelner Großkunde seine Rechnung nicht bezahlt, sollte ein Unternehmen nicht gleich in die Insolvenz schlittern. Bei der Neura AG mit Sitz im oberösterreichischen Regau ist aber genau das passiert. Das Unternehmen hat laut Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform die Eröffnung eines Konkursverfahrens beantragt. Das bestätigt auch der KSV1870

Wie aus dem Insolvenzantrag aus der Feder der renommierten Wiener Wirtschafts- und Sanierungsanwältin Ulla Reisch hervorgeht, soll der Betrieb nur kurzfristig fortgeführt und dann verkauft werden. „Ein Sanierungsplan wird nicht angestrebt“, heißt es im Antrag. Damit ist das Aus besiegelt. 44 Arbeitsplätze sind betroffen.

Im Jahr 2014 beschäftigte Neura noch 52 Mitarbeiter und setzte laut Firmenkompass 4,83 Millionen Euro um. Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftigkeit (EGT) betrug damals schon minus 4,17 Millionen Euro. Mit gegengerechneten Rücklagen soll unterm Strich eine schwarze Null in den Büchern gestanden haben.

Zurück zur aktuellen Insolvenz: Die Neura AG entwickelt, produziert und verkauft Heizungswärmepumpen zur Nutzung der Wärmequellen Luft, Wasser und Erdreich. Sie gehört seit mehr als 30 Jahren zu den führenden Anbietern am Wärmepumpenmarkt. Sie ist nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch in Großbritannien, den Niederlanden, in Polen und in Frankreich tätig.

Bis zum Jahr 2010 war die Neura AG auf Expansionskurs. Im Jahr stieg dann der britische Finanzinvestor CPE Private Equity, (Climate Change Capital Private Equity) als Gesellschafter ein und übernahm insgesamt 95,36 Prozent der Firmenanteile. Aus der GmbH wurde eine AG und in Mainz, Deutschland, wurde eine Vertriebstochter gegründet.

Frust wegen Mängeln

„In den Jahren vor dem Einstieg des Großinvestors CPE Private Equity hatte Neura mit Qualitätsmängeln der von ihr gelieferten Produkte zu kämpfen“, heißt es im Antrag weiter. „Das führte nicht nur zu hohen Mängelbehebungs- und Garantiekosten, sondern auch dazu, dass die zahlreichen neu gewonnen Kunden, sprich Händler, nicht als Wiederholungskäufer generiert werden konnten.“ Da die Neura-Vertriebsmitarbeiter sohin ihre neuen Kunden innerhalb kürzester Zeit wieder verloren, stieg die Frustration unter den Vertriebsmitarbeitern.

Ärger mit einem Großprojekt

„Die Produktqualität konnte zwischenzeitig zwar verbessert werden, jedoch war der Ruf der Neura, wie sich herausstellte, bereits nachhaltig beeinträchtigt“, heißt es weiter. Dazu kam, „dass seit Mai 2015 in Großbritannien mehrere Großprojekte gewonnen werden konnten, die bei zwei Aufträgen zu einem Auftragsvolumen von insgesamt 1,7 Millionen Euro führten“.

Einer der Kunden soll "jedoch trotz termingerechter Produktion und Lieferung durch die Antragstellerin einen Teilbetrag in Höhe von 830.000 Euro nicht bezahlt" haben. Dadurch verschlechterte sich die Liquiditätssituation der Regauer Firma ganz erheblich.

Der Betrieb hätte dringend frisches Kapital benötigt. Doch die CPE Private Equity gab dem Vorstand der Neura AG am 19. April 2016 bekannt, dass „keine weiteren finanziellen Mittel mehr zur Verfügung gestellt werden.“ Damit ist das Aus des Betriebs besiegelt.

Die Schulden

Das Verbindlichkeiten haben einen Buchwert in Höhe von 4,214 Millionen Euro und einen Liquidationswert von 3,23 Millionen Euro. Die Bankschulden werden mit 2,089 Millionen Euro beziffert; Die Bank ist aber bis auf 649.000 Euro besichert. Die offenen Forderungen gegen Kunden werden zwar mit 1,3 Millionen Euro angesetzt, doch nur die Hälfte hält man auch für einbringlich. Sämtliche Forderungen sind an die Sparkasse Salzkammergut rechtswirksam abgetreten.

Das Vermögen

Die Assets haben einen Buchwert in Höhe von 4,214 Millionen Euro, aber das freie Vermögen beträgt lediglich 294.500 Euro. Die Betriebsliegenschaft in Regau ist mit zwei Höchstpfandrechten der Sparkasse Salzkammergut in Höhe von 726.700 Euro und 520.000 Euro belastet.

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