Wirtschaft
20.09.2017

Millionen-Pleite mit Thermal-Bohrungen

Bohrungen für Geothermie-Projekte haben nicht nur ein finanzielles Loch gerissen, sondern auch einen Bohr-Schaden verursacht.

Dieser Betrieb ist ein hochspezialisiertes Bohrunternehmen, das Tiefenbohrungen bis zu mehreren tausend Metern durchführen kann. Die Rede ist von der Top-Thermal GmbH mit Sitz in Ried im Innkreis. Jetzt musste das Unternehmen ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform. Es sind 70 Gläubiger und 21 Arbeitnehmer betroffen. Die Schulden werden laut AKV und KSV1870 mit rund drei Millionen Euro beziffert.

Dem Vernehmen nach kann Top-Thermal mit ihrer Bohranlage jeweils nur ein Projekt bearbeiten. Im Jahr 2016 soll die Firma gemeinsam mit ihrer Muttergesellschaft, der H. Anger‘s Söhne Bohr- und Brunnenbau GmbH Bohrungen, für ein Geothermie-Projekt in Kroatien durchgeführt haben.

Gewinnung von Thermalwasser

„Nach der ausgeführten Bohrung „DR2“ war geplant, dass eine Bohrung für die Tiefenbohrung „DR3“ um einen Preis von 2,35 Millionen Euro beauftragt wird“, heißt es aus dem Unternehmen. „Im Rahmen des Projektes „DR2“ kam es zu einem Versicherungsfall, weshalb die Auftraggeberin Zahlungen verweigerte, obwohl das Projekt fertiggestellt worden war.“ Am Ende sollte aber doch ein Vergleich geschlossen werden. Das Projekt sollte Anfang 2017 abgewickelt werden und die Zahlungen dann im März erfolgen.

Im Dezember 2016 erhielt Top-Thermal den Zuschlag für ein Geothermieprojekt in Ried im Innkreis. Dieser Zuschlag soll bereits im Oktober erteilt worden sein, es soll aber zur Aufhebung des Zuschlages aufgrund der Einwendungen eines Mitbewerbers gekommen sein. Im Dezember 2016 erhielt Top-Thermal neuerlich den Zuschlag von der GRB Geothermie Ried Bohrung GmbH für die Tiefenbohrung Mehrnbach TH3 zur Gewinnung von Thermalwasser. Auftragssumme: zumindest 3,565 Millionen Euro. Ende März 2017 sollte mit den Bohrungen begonnen werden. Tatsächlich durfte die Antragstellerin erst Mitte Mai damit beginnen. In der Zwischenzeit konnte Top-Thermal keine anderen Aufträge annehmen, hatte aber laufende Kosten für diese Stehzeit zu berappen.

Hohe Kosten

Ende Juli 2017 soll die Antragstellerin bis etwa 550 Meter Tiefe (von geplant mehr als 2000 Meter) gebohrt haben. „Zu diesem Zeitpunkt war ein Stahlrohr in das Bohrloch versenkt worden, wobei durch Befüllen mit Zement das Rohr zwischen dessen Außenwand und dem Erdreich einzementiert wird. Aus noch unbekannten Gründen kam es zum Eintritt des Zementes in den Innenraum der Rohre, sodass faktisch jener Hohlraum, durch den weiter gebohrt werden sollte durch Zement verschlossen ist. Es wird ein sogenannter „Casingschaden“ auf 518 Meter Tiefe vermutet“, heißt es weiter. „Bevor weitergebohrt werden kann, ist dieser Zustand zu beseitigen, wobei mit weiteren Kosten um rund eine Million Euro zu rechnen ist.

Zur Behebung dieses Schadens wurden Arbeitsprogramme entwickelt. Es wurde zugleich die Versicherung verständigt, welche allerdings ausgeschlossen hat, sämtliche Kosten tragen zu müssen. „Die Antragstellerin ist nicht in der Lage, die Leistungen im Umfang von rund einer Million zu finanzieren“, heißt es weiter. „Es ist es nicht möglich, dass eine dritte Firma die Arbeiten fertigstellt. Eine Fertigstellung und Schadensbehebung durch die Antragstellerin wäre zwar grundsätzlich möglich, ist aber aufgrund der Liquidationssituation nicht durchführbar.“

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten – ohne Löhne und Lohnnebenkosten – werden mit 2,932 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 2,797 Millionen Euro auf Lieferanten und knapp 135.000 Euro auf eine Bank.

Das Vermögen

Das Unternehmen verfügt über ein Bankguthaben in Höhe von 80.000 Euro. Die Bohranlage ist nur zum Teil im Eigentum der Top-Thermal, der andere Teil gehört einer Leasingfirma, bei der allerdings Raten offen sind. Sie hat damit einen Eigentumsvorbehalt auf der Anlage.

Die Zukunft

Die operative Tätigkeit soll eingestellt werden. Ziel ist es aber, die Bohranlage weiter nutzbar zu machen, heißt es weiter. Dazu müssen aber die Co-Eigentümer ihren Segen geben. Zugleich sollen Mitarbeiter abgebaut werden. Und die Sanierung der GmbH soll aus dem vorhandenen Vermögen finanziert werden.