Michael Tojner

© Kurier / Jeff Mangione

wirtschaft von innen
03/03/2021

Michael Tojner: Der Zocker als Industrieller

Der Werdegang vom Risiko-Investor zum nachhaltigen Technologie-Unternehmer

von Andrea Hodoschek

Michael Tojner: Sein Name fiel in den vergangenen Jahren meist in Zusammenhang mit Ermittlungen der Justiz wie zuletzt im Zuge der Untersuchungen gegen den Ex-Justizminister und jetzigen Verfassungsrichter Wolfgang Brandstetter. Ansonsten ist der umtriebige Unternehmer der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Grund genug, ihn als Unternehmer zu beleuchten.

Einen Hang zur Ironie kann man dem 55-jährigen Sohn einer Installateursfamilie aus Haag, Niederösterreich, nicht absprechen. „Erzengel“ Michael Beteiligungsverwaltung nennt er eine der unzähligen Gesellschaften am Sitz seiner Kommandozentrale in der Mariahilfer Straße 1.

In der Wiener Wirtschaftscommunity wird Tojner freilich als das Gegenteil eines Engerls gesehen, und das ist ihm auch bewusst. Es gibt nicht viele Unternehmer, die derart polarisieren. Daraus erklärt sich vermutlich auch sein Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung. Denn zu Geld und wirtschaftlichem Erfolg hat es Tojner längst gebracht.

Forbes taxierte Tojner im Vorjahr auf 1,9 Milliarden Dollar. Er schaffte es nach Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz als erst zweiter Österreicher auf das Cover des US-Wirtschaftsmagazins.

Die Basis für sein im Schweizer Reinach domiziliertes Industrie-Imperium legte der sechsfache Familienvater als Zocker. Der zweifache Doktor erzählt zwar gerne die Story, wie er als Student (Betriebswirtschaft und Jus) mit einem Eiswagerl vor Schönbrunn begann und schon vor der Sponsion seine erste Schilling-Million beisammen hatte, doch so richtig ins Geldverdienen kam Tojner erst mit dem Einstieg ins Finanzbusiness.

Es war das schnelle Geld, das den jungen Tojner lockte. Gemeinsam mit wechselnden Partnern bewies der Sportfreak, der fit wie ein Turnschuh ist (Skifahren, Kitesurfen, Tennis), ein gutes Händchen. Bis zu 20 Prozent Rendite im Jahr wurde den Anlegern versprochen. Die Venture-Capital-Vehikel (CEG und GEP, mit der Meinl Bank gegründet) sammelten Geld ein, auch bei institutionellen Investoren wie Versicherungen, beteiligten sich an brustschwachen Unternehmen sowie an Start-ups, cashten hohe Gebühren und versuchten, mit Gewinn wieder rauszugehen. Das funktionierte meist und einer gewann immer: Tojner.

„Grenzgänger“

Doch es gab wiederholt Differenzen mit lästigen Anlegern, manchmal interessierte sich auch die Staatsanwaltschaft. Zur Ehrenrettung Tojners muss gesagt werden, dass es nie zu einer Anklage kam.

„Tojner war ein unglaublich geschickter Verhandler und hat immer die Grenze des Erlaubten ausgetestet, sowohl im Handels- als auch im Strafrecht“, erinnert sich ein Wegbegleiter an die Zocker-Jahre, in denen in 50 Unternehmen investiert wurde.

Im Glücksspiel hatte Tojner nicht immer Fortune. Als Mitgründer von BetandWin zog er Europas größten Sportwettenanbieter auf, verpasste aber die beste Gelegenheit zum Ausstieg. Die Neugründung Starbet floppte. Das Start-up Greentube dagegen wurde vom Novomatic-Konzern gekauft. Vor einigen Jahren versuchte er vergebens, gemeinsam mit den Bauträger-Brüdern Soravia und Krone-Chef Christoph Dichand, mit denen er am Dorotheum beteiligt ist, beim teilstaatlichen Casinos-Konzern einzusteigen. Wäre eine österreichische Lösung gewesen.

Als großes Vorbild nannte Tojner einmal den verstorbenen Industriellen Karl Kahane Die Namensgleichheit mit Kahanes Montana-Gruppe ist wahrscheinlich kein Zufall.

Die Mutation vom Zocker zum nachhaltigen Industrie-Unternehmer begann mit der Gründung der Montana Holding, die er 2007 durch den Kauf der Reste des deutschen Batterieherstellers Varta von der Quandt-Dynastie und der Deutschen Bank in neue Dimensionen katapultierte. Er bekam Varta zum Schnäppchenpreis von kolportierten 40 Millionen Euro, musste aber hohe Summen investieren. Heute ist Varta Marktführer bei Mikrobatterien und legte ein Rekordergebnis hin.

Den Börsegang von Varta ließ Tojner übrigens in einer Fallstudie von WU-Studenten ausarbeiten. Der Autor einiger wissenschaftlicher Werke hält nach wie vor Vorlesungen über Entrepreneurship.

2019 brachte Tojner die Aluflexpack in der Schweiz an die Börse. Er hatte den kroatischen Hersteller von Aluminium-Verpackungen 2012 von der Hypo Alpe Adria erworben. Die Kärntner Skandalbank musste vor dem Verkauf ihrer letzten Industriebeteiligung noch 100 Millionen Euro an Krediten in den Wind schreiben. Insidern zufolge will Tojner auch den Luftfahrts-Zulieferer Montana Aerospace an die Börse bringen. Laut Reuters könnte die Unternehmensgruppe auf einen Börsenwert von bis zu 1,5 Milliarden Euro kommen.

Im Herbst 2018 dürfte bei Tojner die alte Zockermentalität durchgekommen sein. Er versuchte mit Partnern, die B&C-Stiftung zu sprengen, mit Beteiligungen an Lenzing, Amag und Semperit hinter der Staatsholding die größte Industriegruppe des Landes. Nach einem erbitterten Schlagabtausch einigte man sich friedlich. Nutznießer ist jetzt die WU Wien, die elf Millionen Euro erhält.

„Bei aller sonstigen Kritik an Tojner, aber die Industriegruppe ist eine Erfolgsgeschichte“, resümiert der ehemalige Notenbank-Präsident Claus Raidl, der ein Jahr lang im Verwaltungsrat der Montana saß.

Für Einen allerdings war die Partnerschaft mit Tojner gar nicht hilfreich. Der Vorarlberger Unternehmer Martin Ohneberg, bei dem Tojner beteiligt ist, hätte ohne dieses Naheverhältnis höchstwahrscheinlich das Rennen um den Präsidenten der Industriellenvereinigung gewonnen.

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