Wirtschaft
12.11.2018

Metaller-KV: "Heißer Herbst" steht kurz bevor

Kommt bis zum Wochenende nicht Bewegung in die Verhandlungen, wird es ab Montag richtig ernst

Die Gewerkschaft hat das Drehbuch für die kommenden Tage längst geschrieben: Wenn nach den bis Mittwoch stattfindenden Warnstreiks nicht bald Bewegung in die Kollektivvertragsverhandlungen mit den Arbeitgebervertretern des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) kommt, dann wird es ab Montag richtig ernst, sagt Rainer Wimmer, Chef der Gewerkschaft Pro-Ge/FSG, ohne konkreter zu werden. Aus innersten Kreisen der Gewerkschaft hieß es jedoch zum KURIER: „Dann müssten wir ab Montag die Eskalationsstufe hinaufschrauben und die Kampfmaßnahmen mit unbefristeten Streiks verstärken.“

Der nächste Verhandlungstermin sei bereits am Donnerstag möglich, auch am Wochenende stehe die Gewerkschaft für Gespräche zur Verfügung. „Je schneller, desto besser“, ist das Motto. Der heiße Herbst sei noch nicht ausgebrochen, stehe aber kurz bevor. „Von Säbelrasseln sprechen wir nicht mehr, es ist eher schon ein Glühen“, so der Gewerkschaftsvertreter.

Seit Montag führt die Gewerkschaft ihre „Taktik der Nadelstiche“ durch und führt landesweit in 200 Unternehmen Warnstreiks durch. Diese dauern zwischen einer bis drei Stunden. Bisher betroffen waren die Aufzughersteller Kone, Schindler, Otis und Thyssen. Zu weiteren Arbeitsniederlegungen soll es beim Anlagenbauer Andritz, beim Baumaschinenhersteller Wacker Neuson sowie bei Mahle Filtersysteme in Kärnten kommen. Auch der Spritzgießmaschinenhersteller Engel, der Fensterhersteller Internorm und SKF Kugellager zählen zu den Betroffenen.

Große Kluft

Die Gewerkschaft nimmt sich auch Unternehmen der Verhandler der Arbeitgeberseite zur Brust. So soll es in Betrieben von FMTI-Obmann Christian Knill Warnstreiks geben. Auch Verhandler Veit Schmid-Schmidsfelden soll mit seinem Unternehmen Fertinger nicht ungeschoren davon kommen. Selbiges gilt für den Oberflächenbeschichtungsspezialisten Collini in Wien, Geschäftsführer Johannes Collini war ebenfalls im Verhandlungsteam.

„Das Angebot der Arbeitgeber steht aus unserer Sicht nach wie vor bei zwei Prozent mehr Löhne und Gehälter“, heißt es seitens der Gewerkschaft weiter. Sie fordert eine Erhöhung von fünf Prozent und lässt nicht die von den Arbeitgebern ins Spiel gebrachte gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung von 0,7 Prozent gelten, sondern nimmt jene der Branche her, und die ist in den vergangenen zwölf Monaten bei sechs Prozent gelegen.

Offen für Gespräche

Genau hier liegt aus Sicht der Arbeitgeber aber ein Rechenfehler vor. In der Produktivitätssteigerung sind hohe Vorleistungen enthalten, die sehr volatil sind. Hätte man diese immer berücksichtigt, hätte es in den vergangenen Jahren auch zu negativen Abschlüsse kommen müssen – ist es aber nicht. Daher lehnen die Arbeitgeber diese Argumentation ab, für rasche Gespräche sind sie aber offen.

„Streiks bringen niemandem etwas. Sie verursachen nur Kosten für die Betriebe und die Mitarbeiter“, sagt Knill. Proteste würden keine einzige Sachfrage lösen. Er fordert die Gewerkschaften auf, ihre Kampfmaßnahmen einzustellen und weiter zu verhandeln.

Die liberale Denkfabrik Agenda Austria hat sich genauer angeschaut, wie hoch ein gerechter Abschluss wäre, das Ergebnis pendelt sich zwischen Arbeitgeberangebot und Gewerkschaftsforderung ein. Würde man die volle Produktivitätssteigerung von 1,6 Prozent plus die Inflation von 2,1 Prozent an die Arbeitnehmer weitergeben, läge man heuer bei etwas unter vier Prozent, heißt es. Von den Verhandlungen betroffen sind 120.000 Mitarbeiter in 1200 Betrieben.

Doppelzüngigkeit

Die Regierungsspitze appelliert an die Lohnverhandler, im Dialog zu bleiben und „nicht politische Ersatzgefechte am Rücken von Arbeitnehmern und Betrieben zu führen“. Wimmer hält das für doppelzüngig. Die, die zuvor einen ordentlichen Abschluss gefordert hätten, würden nun die Warnstreiks kritisieren.

Die Aussichten für die Branche bleiben gut. In seinem monatlichen Konjunkturbericht sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zwar eine Abkühlung der Industriekonjunktur in Österreich im Gleichschritt mit der Weltwirtschaft, insgesamt wuchs die österreichische Wirtschaft aber im dritten Quartal mit 0,5 Prozent viel stärker als der Euroraum mit 0,2 Prozent. Österreich befinde sich in der Reifephase einer Hochkonjunktur.

Die schwächelnde deutsche Autoindustrie, die Konfrontation der USA mit China, der Streit in der EU um Italiens Staatshaushalt, die Rohölverteuerung und die Brexit-Verhandlungen bremsten. Stabilisierend waren die Konsumnachfrage und der florierende Sommertourismus.