Metaller-KV: Das Feilschen geht in die zweite Runde

HERBSTLOHNRUNDE - START DER METALLER-KV-VERHANDLUNGEN: WIMMER / DÜRTSCHER
Die Vorstellungen der Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertreter gehen weit auseinander.

Am Montag vor zwei Wochen ist die erste Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die 130.000 Beschäftigen der Metalltechnischen Industrie ohne Einigung zu Ende gegangen. Rund sieben Stunden haben die Gespräche gedauert, für die Metaller-KV-Runden ein durchaus kurzes Feilschen.

"Dramatische Lage"

Während die Gewerkschaften PRO-GE und GPA ihre Forderung nach 10,6 Prozent mehr Lohn auf den Tisch gelegt haben, gibt es von den Arbeitgebern noch kein Angebot. Heute, Montag, wird weiterverhandelt.

"Die Dramatik der Lage ist bei den Gewerkschaften noch nicht angekommen, wir brauchen heuer angemessene Lösungen und vor allem Vernunft", sagte der Obmann des Fachverbandes der Metalltechnischen Industrie (FMTI), Christian Knill nach der ersten Runde.

Es gebe bereits etliche Unternehmen, die ihre Produktion reduzieren würden. Ein KV-Abschluss wie von den Gewerkschaften gefordert, würde etliche Betriebe in den Ruin treiben.

Milde Eskalation

Die Arbeitnehmervertreter haben unbeeindruckt davon ihre Tonart verschärft und Betriebsrätekonferenzen für die gesamte Metallindustrie von 12. bis 14. Oktober abgehalten - die erste, sehr milde Eskalationsstufe in einem möglichen Arbeitskonflikt.

600 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus Niederösterreich, Wien und dem Burgenland trafen sich auf der Konferenz in Oberwaltersdorf, zusammen vertreten sie rund 200.000 Beschäftigte.

Es wurde beschlossen, dass es zwischen dem 19. und 21. Oktober zu Betriebsversammlungen kommt, falls es in der zweiten Verhandlungsrunde keine Einigung mit den Arbeitgebern gibt.

"Die Arbeitgeberseite versucht alles, um die ausgezeichneten Erfolge der Industrie des abgelaufenen Jahres kleinzureden und düstere Zukunftsaussichten zu zeichnen. Die Beschäftigten haben sich aber ihren fairen Anteil am höchst erfolgreichen vergangenen Jahr verdient", so die Chefverhandler der Gewerkschaft, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA).

Hilfen mitberücksichtigen

Die Arbeitgeber der Metaller versuchen indes zu bremsen. Sie wollen bei den laufenden Kollektivverhandlungen die Antiteuerungspakete der Regierung mit berücksichtigt sehen, was die Gewerkschaft im Vorfeld bereits ablehnte.

Berechnungen von Finanzministerium und Wirtschaftskammer hätten ergeben, dass mit den Regierungsmaßnahmen "bereits große Teile der Teuerung des Jahres 2022 ausgeglichen wurden", sagte Knill. 2023 würden weitere Maßnahmen wie die Abschaffung der kalten Progression die Haushalte entlasten.

Die Wirtschaftskammer schätze, dass die heuer wirksamen Maßnahmen gegen die Inflation bei sehr niedrigen Einkommen die Inflationskosten zur Gänze abdecke oder sogar überkompensiere.

Kaufkraft abgesichert

Für Knill ist damit die Erhaltung der Kaufkraft "zu einem sehr großen Teil" bereits abgesichert, daher seien die Forderungen der Gewerkschaft nach gut zehn Prozent Lohnerhöhung "unrealistisch und entbehren jeder vernünftigen Grundlage".

Beobachter schließen aus, dass es heute zu einer Einigung kommen wird. Die Metaller-KV-Verhandlungen haben deshalb große Bedeutung, weil der Abschluss richtungsweisend für andere Branchen ist.

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