Meischbergers Ex-Nobel-Villa in Wien Döbling soll um drei Millionen Euro verkauft werden

© KURIER/Franz Gruber

Drei-Millionen-Deal
12/22/2015

Meischbergers Villa: Beschlagnahme beantragt

Die frühere Villa des Ex-Lobbyisten ist ein Fall für den Staatsanwalt. Indes sprang reiche Russin vom Kauf ab.

von Kid Möchel

Der bereits seit drei Jahren dauernde Millionen-Streit um die 380 Quadratmeter große Nobel-Villa in der Waldaugasse 3 in Wien-Döbling, die früher dem ehemaligen FP-Politiker und blauen Ex-Lobbyisten Walter Meischberger gehörte, ist jetzt völlig eskaliert.

Meischberger, der das Haus im vergangenen Juni nicht ganz freiwillig räumte, hat den Ex-Werber und Bekannten Heinrich Schuster wegen des Verdachts des schweren Betruges und Untreue bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt. Auch Schusters Grazer Anwalt wurde angezeigt. Meischberger regt in dem Schriftsatz an, ein Ermittlungsverfahren gegen Schuster und den Anwalt einzuleiten. Zugleich schließt sich Walter Meischberger dem Strafverfahren als Privatbeteiligter, sprich als Geschädigter, an.

Die Anzeige im Detail

Meischberger wirft Schuster in der 19 Seiten starken Sachverhaltsdarstellung vor, dass Schuster die Villa bloß um drei Millionen Euro verkauft – und damit zu einem um 550.000 Euro zu niedrigen Preis. Laut Strafanzeige betrage der Verkehrswert der Liegenschaft 3,79 Millionen Euro, das belege ein entsprechendes Gutachten.

Außerdem lag schon im Mai 2015 ein Kaufangebot einer Enkelin des Billa-Gründers Karl Wlaschek in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro vor, das später sogar auf 3,55 Millionen Euro verbessert worden sein soll. Zugleich wollte sie laut Anzeige um 50.000 Euro die Einrichtungsgegenstände übernehmen.

"Die Hüttn verkaufen"

Zur Erinnerung: Meischberger hatte durch die dubiose Provision in der BUWOG-Causa eine hohe Steuerstrafe bzw. Steuernachzahlungen zu befürchten. Da seine Konten von der Justiz eingefroren wurden, borgte er sich von Schuster eine Million Euro. Mit einer Selbstanzeige und der Million wollte er einer Finanzstrafe entgehen. Zur Absicherung des "Darlehens" wurde Meischbergers Villa in eine Gesellschaft eingebracht. Der Deal mit Schuster lautete sinngemäß: Gibt die Justiz Meischbergers Konten frei, bezahlt er seine Schulden und erhält die Villa zurück. Wenn das nicht klappt, wird Schuster "die Hüttn" verkaufen.

Vorwürfe bestritten

"Die Anzeige ist völliger Blödsinn. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Unsinn gelesen", kontert Schuster im KURIER. "Die Villa ist noch nicht verkauft, aber wir sind in den Endgesprächen." Nachsatz: "Wenn Meischberger das Haus nicht devastiert hätte, würden wir mehr bekommen." Schuster wirft dem Ex-Lobbyisten vor, im Zuge der Räumung Waschbecken und Armaturen herausgerissen und mehr als 200.000 Euro Schaden verursacht zu haben. Das wird von Meischberger heftig bestritten.

Ex-Frau von Lukoil-Manager

"Schuster hat Meischberger wegen Sachbeschädigung angezeigt", bestätigt Meischbergers Anwalt Jörg Zarbl dem KURIER. "Das ist aber Unsinn, Armaturen und Waschbecken sind in der Garage."

Auch habe es ein Kaufangebot einer Russin, einer Ex-Frau eines Lukoil-Managers, gegeben. Sie wollte zuerst 3,275 Millionen Euro, später nur noch drei Millionen Euro für die Villa hinblättern.

"Sie hat ein verbindliches Kaufanbot unterschrieben, aber es später zurückgezogen", bestätigt Schuster. "Das wird möglicherweise ein gerichtliches Nachspiel haben." So müssten eigentlich auch die involvierten Immobilien-Makler bei einem Kaufpreis von drei Millionen Euro von der Russin eine safte Provision verlangen.

Brisanter Brief an die Russin

Bevor die Russin ihr verbindliches Angebot zurückgezogen hat, hat sie Russin von Meischbergers Anwalt Zarbl ein brisantes Schreiben erhalten. Er kündigte darin nicht nur an, dass er den Kaufvertrag auf jeden Fall anfechten werde, sondern auch mögliche strafrechtlich relevante Konsequenzen.

"Da es sich bei der gegenständlichen Liegenschaft um das einzige Asset der Erwerbsgesellschaft handelt, bedarf es eines einstimmigen Beschlusses der Gesellschafter, die Liegenschaft zu veräußern" heißt es in dem Schreiben vom 30. Septmber 2015 an die Russin Inga K. von Meischbergers Anwalt. "Herr Schuster ist mangels entsprechenden Beschlusses daher auch aus diesem Grunde nicht berechtigt, die Liegenschaft zu veräußern." Nachsatz: "Nach Mitteilung meines Mandanten wurde Ihrerseits bereits ein Kaufangebot in Höhe von drei Millionen Euro für die Liegenschaft gelegt, sodass ich Sie darauf hinzuweisen habe, dass – falls dieser Kaufvertrag abgeschlossen wird - dieser jedenfalls von meinem Mandanten angefochten werden wird."

Beschlagnahme des Hauses

Zudem ist darauf hinzuweisen, so Anwalt Zarbl weiter, "dass aufgrund der Verdachtsgründe strafrechtlich relevanten Verhaltens im Zusammenhang mit der Veräußerungsabsicht der Liegenschaft eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft in Verbindung mit einem Sicherungsantrag zur Sicherung der privatrechtlichen Ansprüche meines Mandanten zeitnah eingebracht werden wird". Oder anders gesagt: Meischberger hat die Beschlagnahme seiner früheren Villa in der Waldaugasse 3 und "ein Veräußerungs- und Verpfändungsverbot" beantragt. Begründung: Sicherung seiner privatrechtlichen Ansprüche.

Wlaschek-Enkelin wollte sich absichern

Indes sagt Heinrich Schuster zum Kauf-Angebot der Wlaschek-Enkelin: "Bei diesem Anbot war keine einzige Bedingung erfüllbar." Außerdem sei es ihm erst durch den Gerichtsakt bekannt geworden.

Das erste Angebot der Wlaschek-Enkelin vom 22. Mai 2015 in Höhe von 3,3 Millionen Euro liegt dem KURIER vor. Es besteht aus einem zweiseitigem Schreiben.

Das Kaufangebot war lediglich bis 31. Mai 2015 gültig. Der Kaufpreis sollte 14 Tage nach Unterfertigung des Vertrages auf ein Treuhandkonto fließen, und die Auszahlung des Kaufpreises erst "nach geräumter Übergabe und lastenfreier Einverleibung des Eigentumsrechtes an die Verkäuferin, die Erwerb der Waldaugasse 3 GmbH, ausgezahlt werden. "Die geräumte Übergabe" sollte bis 1. September 2015 erfolgen.

"Die Verkäuferin leistet Gewähr, dass für die Liegenschaft und das Gebäude sämtliche öffentlich-rechtlichen Bewilligungen vorliegen, keine Rechtsstreitigkeiten anhängig sind, kein Altlasten bekannt sind und keine Baumängel bestehen", heißt es in dem Schreiben der Wlaschek-Enkelin weiter. Außerdem sollte "eine Abwicklung ohne Anfechtungsrisiko sichergestellt" werden. Detail am Rande: Walter Meischberger und Heinrich Schuster bzw. die Erwerb der Waldaugasse 3 GmbH prozessieren seit Jahren vor diversen Gerichten "um die Eigentümerschaft" der Villa.

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