© cionca bogdana/IStockphoto.com

Wirtschaft
02/26/2020

Medikamenten-Engpässe: Was das neue Exportverbot bringt?

Pharmahändlern wird der Weiterverkauf von Arzneimitteln erschwert. An stockenden Lieferketten wird das wenig ändern.

von Anita Staudacher

Zahlreiche Medikamente, die in Österreich verkauft werden, haben ihren Ursprung in China. Dort wird ein Großteil der medizinischen Wirkstoffe hergestellt. Besonders deutlich zeigt sich die globale Abhängigkeit bei Antibiotika. Durch das Coronavirus droht die Lieferkette zu stocken. Die Politik versucht, mit Exportverboten für Großhändler Engpässe einzudämmen, und fordert wieder mehr Pharma-Produktion in Europa. Aber reicht das?

Der KURIER fasst die wichtigsten Fragen zur aktuellen Debatte zusammen:

Drohen wegen des Coronavirus Versorgungs-Engpässe bei Antibiotika?

Entsprechende Warnungen des Beratungsunternehmens Roland Berger sowie einzelner Pharmahändler werden vom Branchenverband Pharmig relativiert. Generalsekretär Alexander Herzog hält das Risiko für die Versorgung in Europa aktuell für begrenzt. Dazu würden auch Lagerbestände beitragen, die auch als Vorkehrung für den Brexit aufgefüllt wurden. Längerfristig hänge es davon ab, wie rasch die Produktion in China wieder voll anlaufen könne. Fakt ist: Die meisten Werke befinden sich in der chinesischen Provinz Zhejiang, in der ebenfalls Ausgangssperren verhängt worden sind.

Wie viele Arzneimittel sind derzeit in Österreich nicht lieferbar?

Laut Melderegister der BASG(Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) sind aktuell 220 Produkte betroffen, darunter viele rezeptfreie wie Augentropfen. Oft handelt es sich um bestimmte Packungsgrößen. Die Lage ändert sich täglich.

Was sind die Hauptgründe für die Engpässe?

Die Konzentration der globalen Pharma-Produktion auf nur noch wenige Player, die aus Kostengründen einen Großteil der Wirkstoffe aus China und Indien beziehen. Dazu kommt der freie Warenkehr in der EU, der dafür sorgt, dass Arzneien dort verkauft werden, wo sie am meisten Geld bringen.

Was genau besagt das vom Gesundheitsminister ab 1. April verordnete Exportverbot?

Ist ein Medikament voraussichtlich nicht lieferbar, muss der Zulassungsinhaber (Pharmafirma, Importeur) dies zwei Wochen vorher ins öffentlich einsehbare Melderegister des BASG einmelden. Die Behörde kann auch von sich aus tätig werden und Engpässe melden. Diese Produkte unterliegen dann einem temporären Exportverbot. Sie dürfen dann von Pharmahändlern nicht in andere EU-Länder weiterverkauft werden, wo sie einen besseren Preis erzielen würden.

Welche Medikamente sind von der Meldepflicht überhaupt betroffen?

Nur verschreibungspflichtige Präparate, nicht jedoch rezeptfreie wie die meisten Husten- und Schnupfenmittel.

Wie wirksam ist ein Exportverbot?

Es soll zumindest mehr Transparenz in die Lieferkette bringen und zeigen, welche Arzneien wann verfügbar sind. Apothekerkammer und Pharmahändler sind skeptisch, ob damit Engpässe eingedämmt werden können. Am Grundproblem der Wirkstoff-Abhängigkeit ändert es nichts.

Wie könnte wieder mehr Pharma-Produktion nach Europa geholt werden?

Experten empfehlen, die Komplett-Auslagerungen rückgängig zu machen und die Wirkstoff-Produktion auf mehrere Hersteller und Regionen aufzuteilen. Die Pharmig spricht von einem "Langfristprojekt", das ein starkes Engagement der Politik erfordere. Gemeint ist eine aktive Standortpolitik durch steuerliche Anreize und Förderungen, aber auch ein Ende des aus ihrer Sicht zu niedrigen Preisniveaus bei rezeptpflichtigen Medikamenten.

"Es ist wirtschaftlich nicht tragbar, dass eine Packung Kaugummi mehr kostet als lebensnotwendige Medikamente, die zahlreichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen", kritisiert der Branchenverband der Pharmaindustrie FCIO. Werde weiter an der Preisschraube gedreht, sei eine konkurrenzfähige Produktion in Österreich oder im EU-Ausland schlicht nicht möglich. Die EU bastelt an einer Pharma-Strategie, die eine Liste versorgungsrelevanter Arzneien samt EU-weiter Meldepflicht bei Engpässen vorsieht. Von einer Umsetzung ist man noch weit entfernt.

In Österreich gibt es rund 120 Pharmaunternehmen mit ca. 18.000 Mitarbeitern, davon sind knapp 15.000 an 100 Produktionsstandorten tätig, die zumeist eng mit Forschung vernetzt sind.

Die großen Drei
Der Großteil der Produktion entfällt auf  die drei Unternehmen Novartis, Takeda (vormals Baxter) und Boehringer Ingelheim, die in globalen  Konzernverbünden eingegliedert sind.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.