Cash-Führungsspitze mit Landeshauptmann Wilfried Haslauer (l.) und WKÖ-Präsident Harald Mahrer

 

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Wirtschaft
04/29/2019

Mahrer: „Europa darf Dynamik Asiens nicht unterschätzen“

Cash-Handelsforum: Politiker und Firmenchefs diskutieren über den Willen zur Veränderung.

Vor dem „Hammer der Ignoranz als Waffe gegen die Innovationen aus dem asiatischen Raum“, warnte Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, beim diesjährigen CASH Handelsforum in Fuschl am See, zu dem sich rund 500 Unternehmer, Manager und Vertreter der Politik trafen.

Mahrer unterstrich vielfachen Veränderungsbedarf: Europa dürfe die ökonomische sowie die technische und wirtschaftspsychologische Dynamik Asiens nicht unterschätzen. Österreich müsse sich unter anderem schrittweise vom „Golden Plating“ (Übererfüllen) diverser EU-Regularien verabschieden. Justizminister Josef Moser mache das in Abständen von einigen Monaten bereits erfolgreich. Befragt zur amtierenden Bundesregierung meinte der WKÖ-Präsident, diese habe die Standortorientierung zu einem Leitstrahl ihrer Wirtschaftspolitik erkoren, was von der Wirtschaft sehr begrüßt werde. „Wir werden von den Regierenden wieder nach unserer Einschätzung gefragt und der internationale Wettbewerb wird ernst genommen.“

Veränderungsnotwendigkeit herrsche in vielen Bereichen. Bildung und berufsbegleitende Ausbildung seien einige seiner zentralen Anliegen. Die Wirtschaftskammer sei mittlerweile der größte private Bildungsanbieter Österreichs. Viele Experten formulierten während des Handelsforums künftige Entwicklungen. Der deutsche Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky etwa prognostizierte dem Handel das „Productive Retailing“. Auf Deutsch: Eine Handlungsweise basierend auf einer Fülle von Echtzeitdaten, die Quantencomputer mit Blockchain-Technik zur Verfügung stellen werden. Schon in wenigen Jahren werde man mit der vorhandenen „Echtzeit“- Datenmenge das Konsumentenverhalten, oder beispielsweise den Umsatz einzelner Produkte auf Tag und Stunde präzise prognostizieren können. Das schaffe Kundenzufriedenheit und höhere Produktivität im Handel und bei industriellen Lieferanten.

„Veränderungen haben in der Menschheitsgeschichte immer Widerstand und Furcht ausgelöst“, betonte Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger an die Adresse der Manager. Sie appellierte eindringlich, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz ernst zu nehmen.

„Grüne Anstriche sind zu wenig“, so Köstinger, die sich dafür einsetzte, die Kreislaufwirtschaft, die Bekämpfung des Klimawandels, die mittelfristige Entkarbonisierung in der Energieversorgung sowie die in jüngster Zeit wieder kontroversiell diskutierte Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln ernst zu nehmen.

Sven Gabor Janszky, Chairman 2b Ahead ThinkTank GmbH

Silvia Meißl, Elisabeth Köstinger, Markus Gstöttner, Geschäftsführer Manstein Verlag, Dagmar Lang

46-145576377

M. Liebl (MAV), G. Drexel (Spar), S. Meißl (CASH), M. Zieger (ICU), H. Mahrer (WKO), D. Lang (Manstein Verlag), M. Haraszti (Rewe), J. Kiennast (Obmann Lebensmittelhandel, WKO)

Signalwirkung

„Das Verbot des Plastiksackerls hat Signalwirkung,“ so Köstinger. Die vom Lebensmittelhandel kritisch beäugte Ursprungskennzeichnung werde nur für ganzjährig verfügbare Produktgruppen eingeführt werden, so die Ministerin. Das sei vom Konsumenten gewollt und nutze auch der heimischen Bauernschaft. „Fleisch ist vor allem als Handelsmarke derzeit oft der Preishammer. Das ist nicht nachhaltig und muss nicht sein.“