Magenta-Chef Andreas Bierwirth

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Wirtschaft
01/18/2021

Magenta-Chef: „Die Zeit des Datenzählens ist vorbei“

Andreas Bierwirth im KURIER-Interview über Corona-Folgen, völlig neue Tarife und die Zukunft der Billiganbieter

von Anita Staudacher

Die superschnelle, fünfte Mobilfunkgeneration (5G) wird heuer in der Mitte der Gesellschaft ankommen, ist Magenta-Chef Andreas Bierwirth überzeugt. Der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber in Österreich kann 1.100 Gemeinden mit 5G versorgen und wird heuer vor allem den ländlichen Raum damit ausbauen. Im KURIER-Interview zieht Bierwirth eine durchwachsene, erste Corona-Bilanz und kündigt für heuer neue Tarifmodelle an.

KURIER: Wie lief das für den Mobilfunk so wichtige Weihnachtsgeschäft für Magenta?

Andreas Bierwirth: Ich darf nicht jammern. Es ist nicht selbstverständlich, dass man in einer Pandemiezeit überhaupt ein Weihnachtsgeschäft machen kann, und unsere Stores hatten ja geöffnet. In Summe liegen wir vielleicht um 20 bis 30 Prozent unter den vergangenen Jahren. Es gab eine enorme Nachfrage nach dem neuen, 5G-fähigen iPhone und diversen WLAN-Produkten. Viele sind offenbar über Weihnachten in ihre Ferienhäuser gefahren und haben nachgerüstet.

Die Mobilfunk-Betreiber zählen ja eher zu den Gewinnern der Corona-Krise. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Ich tu mir mit dem Begriff Gewinner relativ schwer, weil diese Krise, glaub ich, keine Gewinner kennt. Wir haben auch viele Firmenkunden und wenn die Krise dort noch stärker einschlägt, haben wir auch als Magenta ein Problem. Auch unsere Roaming-Umsätze sind durch die Reisebeschränkungen um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Insgesamt ist unsere Branche aber stabiler durch die Krise gekommen als andere und auch die Nachfrage nach stabilen Breitbandnetzen hat massiv zugenommen. Damit konnten wir die fehlenden Roaming-Umsätze kompensieren. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr mit einem blauen Auge davon kommen. Wenn ich auf andere Branchen schau, ist das schon ein riesen Erfolg.

Rechnen Sie mit vielen Zahlungsausfällen als Folge der Corona-Krise?

Viele Betriebe brauchen die Telekom-Infrastruktur, um irgendwie doch noch Restgeschäft machen zu können. Ich glaube daher, die Telekomrechnung ist die letzte, die nicht bezahlt wird.

Gewähren Sie Stundungen oder wird gleich gemahnt?

Wir haben ein klassisches Mahnwesen und unsere Policy diesbezüglich nicht geändert.

Die Corona-Krise verzögert den 5G-Ausbau. Wie ist der aktuelle Zwischenstand bei Magenta?

Unser 5G-Ausbau läuft bei uns nach kurzen Unterbrechungen wieder plangemäß. Wir haben jetzt rund 1.100 Gemeinden in ganz Österreich, in denen 5G bereits aktiviert ist. Die 5G-Coverage liegt derzeit bei rund 40 Prozent der Bevölkerung. Da sind nicht nur Großstädte dabei, sondern auch viele kleinere. Heuer folgen die ländlichen Regionen gemäß der Auflagen. Jeder Kunde, der ein 5G-Handy hat, will ja 5G auch auf dem Display sehen.

Gibt es Probleme mit den Genehmigungen oder Widerstände am Land?

Die gibt es. Aber das Homeoffice hat da einiges verändert. Es rufen Bürgermeister bei uns an und fragen nach den Ausbauplänen oder geben uns positives Feedback. Im ländlichen Bereich ist 5G der Breitband-Ersatz fürs Festnetz. Für zersiedelte Regionen mit Einfamilienhäusern ist 5G die beste und effizienteste Lösung für stabiles Breitband. Dort, wo Wohnblöcke sind, wird weiterhin das Kabel Internet nach Hause bringen.

Ohne Festnetz geht es also nicht?

Nein, ohne geht’s nicht, deshalb haben wir ja UPC gekauft. Das Homeoffice erfordert stabile Breitband-Verbindungen und das hat die Nachfrage nach Festnetz-Verbindungen deutlich angekurbelt. Durch den UPC-Kauf sind wir strategisch am besten aufgestellt. Wir bauen heuer das UPC-Netz für 30.000 Haushalte weiter aus. Unser Netzausbau umfasst also nicht nur 5G, sondern auch Festnetz. Wir sind im Vorjahr auch mit Breitband-Festnetz gewachsen.

Magenta
Die Tochter der Deutschen Telekom hat in Österreich  5,1 Millionen  Mobilfunk-Kunden (SIM-Karten) und 625.000 Breitband-Kunden (UPC). In den ersten neun Monaten 2020 stieg der Umsatz um 2 Prozent auf 959,9 Mio. Euro. 163 Mio. Euro flossen in den Netzausbau

Andreas Bierwirth
Der 49-jährige Deutsche  ist ausgebildeter Pilot und studierte BWL.  Nach einer Karriere im Lufthansa-Konzern wechselte er 2012 von der AUA zu
T-Mobile Austria   

Wann werden wie schon in anderen Ländern die älteren Mobilfunknetze 2G und 3G abgeschaltet?

Ich rechne damit in den nächsten Jahren. Sicher nicht heuer.

Es gibt erst wenige 5G-Handys am Markt, und die Tarife sind sehr hoch. Wird sich das heuer ändern?

Ja, Apple hat da den Markt aufbereitet, die anderen Hersteller folgen. Fast alle neuen Endgeräte, die wir heuer neu in den Markt bringen werden, sind 5G-fähig. 5G kommt heuer auch vom Preisniveau in der Mitte der Gesellschaft an. Irgendwann wird 5G dann auch im Supermarkt um 10 Euro angeboten werden, aber noch nicht heuer. 5G bringt aber auch einen Paradigmenwechsel. Die Zeit des Datenzählens ist vorbei. Es geht nicht mehr um gekaufte Datenvolumina wie 2 GB oder 3 GB, sondern um Qualität, also etwa die Bildqualität beim TV oder diverse Sicherheitsaspekte. Wir müssen daher in der Telekom-Branche überlegen, wie wir unser Produkt immer wieder neu verkaufen.

Als Konsument hat man das Gefühl, dass es preislich kaum noch Unterschiede zwischen den drei Netzbetreiben gibt. Schon gar nicht bei dem noch sehr teuren 5G. Ist der Wettbewerb zum Erliegen gekommen?

Das würde ich nicht sagen. 5G ist ja noch ein ganz junger Markt, da wird es nicht so schnell 10-Euro-Tarife geben, weil die Netzbetreiber ihre Investitionen zurückverdienen müssen. Der Mobilfunk-Wettbewerb in Österreich hat sich aber aus meiner Sicht nicht beruhigt, bei den virtuellen Billiganbietern wie HoT oder Spusu ist er nach wie vor sehr hoch. Da haben im Vorjahr viele Betreiber Kunden verloren. Wir haben uns daher vorgenommen, heuer Antworten darauf zu geben und werden neue Tarifmodelle anbieten.

Wie werden die aussehen?

Alles aus einer Hand. Wir haben Festnetz, Mobilfunk und TV. Also wenn eine Familie Kunde bei Magenta ist und verschiedene Produkte von uns hat, wird es Vorteile geben. Nach dem Motto: Wenn du bei Magenta bist, brauchst du sonst nirgendwo mehr hingehen. Es sind ja sehr viele Zweit- und Drittkarten-Besitzer bei den Billiganbietern. Künftig wollen wir die alle innerhalb der Magenta-Familie bedienen.

Wann ist die UPC-Integration endlich abgeschlossen? Die Rechnungen kommen immer noch getrennt.

Das sind dicke Bretter, die wir hier bohren. Wir werden heuer und 2022 Dinge wie eine gemeinsame Rechnung umsetzen, weil ja auch die Serviceverträge mit Liberty Global auslaufen.

Es laufen demnächst wettbewerbsrechtliche Auflagen aus und Verträge mit virtuellen Anbietern werden neu verhandelt. Wird es zur erwarteten Bereinigung kommen?

Wir kommen von einer regulatorischen in eine marktwirtschaftliche Phase. Jetzt wird halt neu verhandelt. Wenn Sie mich fragen, ob da neue hinzukommen, würde ich sagen, da bin ich mir nicht so sicher. Wir haben eine langjährige Partnerschaft mit Hofer (HoT) und mit Spar (S-Budget). Dieses Set-up passt uns sehr gut.

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