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Wirtschaft
01/18/2021

Lockdown: Gastro-Zulieferer leiden besonders

Wirte rufen zu Protest auf, Nachtgastronomie fordert mehr Hilfe.

Der Lockdown ist verl√§ngert, f√ľr Gastronomie und Hotellerie dauert er besonders lange. Nicht aufzusperren gef√§llt niemandem. Die Lage ist "prinzipiell schwierig". Aber es gibt - wie immer im Leben - solche und solche: W√§hrend die einen heute einen Protest mit Grabkerzen in ihren Lokalfenstern veranstalten, gibt es auch Wirte, die sagen, dass "die Coronahilfen eigentlich gut funktionieren". Richtig schwer haben es Zulieferbetriebe. F√ľr sie gibt es noch immer keine Hilfe.

"F√ľr Betriebe wie unseren gibt es immer noch keine Hilfe wie f√ľr die Gastronomie", sagt Markus Wagner. Er betreibt in Thernberg in Nieder√∂sterreich eine Brauerei namens Wolfsbr√§u. Normalerweise besteht das Gesch√§ft vor allem daraus, Wirtsh√§user in der Buckligen Welt und auch ein paar in Wien mit F√§ssern gef√ľllt mit dem Gerstensaft zu beliefern.

"Das steht vollkommen, ein Totalausfall", sagt Wagner stellvertretend f√ľr viele √§hnliche Unternehmen wie etwa B√§cker oder Fleischhacker im Gespr√§ch mit der APA. Dass man privat Bier aus der Brauerei abholen kann oder er manchmal in gemeinsamen Aktionen mit Gasth√§usern B√ľgelflaschen anbietet, wenn das Wirtshaus Take-Away-Essen verkauft, "ist ein Tropfen auf den hei√üen Stein".

An Unterst√ľtzungen f√ľr Zulieferbetriebe, die indirekt von der Zwangsschlie√üung von Hotellerie und Gastronomie betroffen sind, wird schon lange gearbeitet. "Noch im Dezember" sollten die Richtlinien fertiggestellt sein, hatte die Ank√ľndigung der t√ľrkis-gr√ľnen Bundesregierung vor Weihnachten gelautet. Antr√§ge f√ľr die Zulieferer sollten aber erst m√∂glich sein, wenn die Beantragung f√ľr die direkt betroffenen Unternehmen abgeschlossen ist. Hilfen f√ľr die indirekt betroffenen Unternehmen d√ľrften knapp eine Milliarde Euro kosten, erwartete Finanzminister Gernot Bl√ľmel (√ĖVP).

"Geredet wird viel. Einreichen kann man noch nichts", bedauert Braumeister Wagner. Bis tatsächlich eine Hilfe fließt, dauere es jetzt schon Monate, verweist er auf die Lockdowns und deren Verlängerungen.

Wie viele Gastronomen betont auch Wagner, dass in den Gasth√§usern "sehr diszipliniert" Coronaregeln eingehalten worden seien, als man offen haben durfte. Wenig verwunderlich hofft er auf baldige √Ėffnungen. Dabei gebe es aber Unsicherheit. "Und die Unsicherheit ist eines der gr√∂√üten Probleme." Zwar betreibe er nur einen Kleinstbetrieb, wie andere ern√§hrt er damit aber seine Familie. Derzeit arbeiten beim Wolfsbr√§u nur er und seine Frau.

"Es ist im Prinzip schwierig", sagte der Gastronom Wolfgang W√∂hrnschimmel. "Aber die F√∂rderungen funktionieren eigentlich gut", so der Betreiber des Gasthauses Wolf in Wien-Wieden. Bei ihm habe es mit den Coronahilfen nur etwas l√§nger gedauert, weil die Unternehmensform umgestellt wurde, "aber sonst hat alles geklappt". W√∂hrnschimmel sprach sich "gegen das allgemeine Jammern" aus, auch wenn die langen Lockdowns schon "fad" w√ľrden. Selbst habe er mit seinem Vermieter Gl√ľck, hierbei h√§tten andere Gastronomen Schwierigkeiten. Auch wenn man vor der Coronakrise schon wirtschaftliche Probleme gehabt habe, sei die Situation jetzt sicher besonders schwer, so der Gastronom.

Er √∂ffnet nun zwei Mal w√∂chentlich f√ľr das Anbieten von Take-Away-Speisen und besch√§ftigt seine Mitarbeiter nach den Vorgaben der Coronakurzarbeit. "Es geht auch darum, dass man wenigstens wieder Kontakt mit G√§sten hat." Etwas Umsatz wird freilich auch wieder erzielt, bisher hatte das Lokal keinen regelm√§√üigen Take-Away-Betrieb.

Anders sieht die Lage eine Gruppe von Gastronomen, die dieser Tage gegen den Lockdown protestiert. Unter dem Motto "5 vor 12 - Wir √∂ffnen wieder!" wurde auf Facebook dazu aufgerufen, am heutigen Montag zu √∂ffnen - aber nicht wie au√üerhalb von Coronazeiten: Teilnehmer wollen aufsperren, ihr Lokal beleuchten, Grabkerzen aufstellen und Plakate der Aktion aufh√§ngen. Wenn m√∂glich solle ein K√ľnstler ohne Publikum auftreten. Das ganze soll gefilmt werden und auf der Facebook-Seite der Aktion ver√∂ffentlicht werden. Die FP√Ė unterst√ľtzt die Aktion, wie sie in einer OTS mitteilte.

Dann gibt es auch noch die Nachtgastronomie, die sich √ľberhaupt im Dauerlockdown befindet. Man werde sich als solche wohl noch "einige Monate" gedulden m√ľssen, bis man wieder √∂ffnen d√ľrfe, w√§hrend es bei der normalen Gastronomie wohl nur Wochen seien, so Sprecher Stefan Ratzenberger. "Damit ist diese Branche √ľber ein Jahr geschlossen. Daher fordern wir ein Unterst√ľtzungspaket zur Wiederer√∂ffnung der Nachtgastronomie." Ansonsten drohe ein Aus von mehr als der H√§lfte der heimischen Clubs, Bars und Diskotheken, warnt Ratzenberger.

Die Umsatzverg√ľtung habe sich zwar als wirkliche Hilfe erwiesen, m√ľsse aber verl√§ngert und erh√∂ht werden, so der Nachtgastronomie-Vertreter. "Der Deckel von 800.000 Euro muss unbedingt von der EU Kommission aufgehoben werden." Dar√ľber verhandelt Wien mit Br√ľssel, wie Bl√ľmel erst gestern betonte.

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