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Insolvenz
02/11/2016

Golf: Platzbetreiber ist pleite

Steirischer Golfplatzbetreiber hat ein finanzielles Loch von einer halben Million Euro. Dubioser Mitgliederschwund nach Neu-Übernahme.

von Kid Möchel

Der Sport Golf, den angeblich die Schotten erfunden haben sollen, erfreut sich auch in unseren Breiten großer Beliebtheit. Da ist es dann schon verwunderlich, wenn der Betreiber einer Golf-Anlage eine Pleite einlocht. So musste die Golfanlagen Reiting Errichtungs- und Betriebs GmbH mit Sitz in Gai-Schardorf im Bezirk Leoben nun ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen. Das bestätigt der Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Den Gläubigern wird laut AKV 20 Prozent Quote geboten.

„Die Gesellschaft betreibt eine Golfanlage mit einem Umfang von 50 Hektar, die Flächen sind aufgrund diverser Pacht- und Mietkaufverträge gepachtet“, heißt es im Insolvenzantrag. „Ihre Alleingesellschafterin, die SA Golf und Fashion GmbH, betreibt ebenfalls auf der Golfanlage eine Golfschule, ein Golfrestaurant und einen Proshop, in welchem Golf- und Sportausrüstungen verkauft werden.“ Die Anlage wird vom Golfclub Reiting bespielt und kann auch von anderen Golfspielern ebenfalls gegen Bezahlung eines Greenfees benutzt werden kann.

Gelder akontiert

„Beim Golfclub Reiting sind die Mitarbeiter zur Pflege des Golfplatzes, Greenkeeper genannt, beschäftigt. Es ist vereinbart, dass der Golfclub für diese Überlassung des Golfplatzes und für sämtliche anderen Leistungen 95 Prozent seiner jährlichen Gesamteinnahmen abzüglich der Kosten für die Mitarbeiter zahlt, aber mindestens 210.000 Euro jährlich", heißt es im Antrag weiter. Die Zahlung ist "längsten bis 31. Jänner fällig". Nahcsatz. "Diese Bestimmung wurde jedoch in den vergangenen Jahren nie so gehandhabt, sondern der Golfclub hat auch während des laufenden Jahres das Nutzungsentgelt anteilig an die Antragstellerin akontiert."

Wirtschaftliche Fehlentscheidung

„Retrospektiv betrachtet war der Ankauf durch die die SA Golf und Fashion GmbH eine zum Ankaufzeitpunkt nicht vorhersehbare wirtschaftliche Fehlentscheidung“, heißt es darin weiter. „Obwohl sich aus der Bilanz der Antragstellerin für 2013 bereits ein negatives Eigenkapital und ein Bilanzverlust ergab, waren die neue Alleingesellschafterin und die Geschäftsführer ursprünglich aufgrund von Planrechnungen der Ansicht, dass das negative Eigenkapital abgebaut und eine gewinnbringende Tätigkeit aufgenommen werden kann.“ Insbesondere auf Basis der Käuferin "im Zuge der Übernahme der Anteile bekanntgegebenen Mitgliederanzahl des Golfclubs, welche direkte finanzielle Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg hat". Doch eine Bilanz für das Geschäftsjahr 2014 habe damals, bei Vertragsabschluss Ende November 2014, noch nicht vorgelegen. Aber die Altgesellschaftersollen im Abtretungsvertrag auch Garantien übernommen ahben, heißt es weiter, "und zwar für die Anzahl der im Golfclub registrierten zahlenden Mitglieder sowie dazu, dass die Antragstellerin zum Zeitpunkt der Abtretung nicht insolvenzrechtlich überschuldet war".

Mitglieder verweigerten Zahlung

Die Mitgliederliste wies 682 zahlende Personen aus. "Nach Übernahme der Anteile mit 1. Jänner 2015 stellten dann auch die neuen Gesellschafter die Mehrheit im Vorstand des Golfclubs Reiting", heißt es weiter. "Sie begannen damit, die Mitgliedsbeiträge für 2015 einzufordern. Dabei musste festgestellt werden, dass zahlreiche der auf der übergebenen Mitgliederliste angeführten Mitglieder die Bezahlung des Mitgliedsbeitrages verweigerten bzw. auf das Aufforderungsschreiben nicht reagierten."

130 Mitglieder weniger

Es stelle sich heraus, so die Gesellschaft, dass 130 der 682 "übergebenen Mitglieder gar nicht dem Golfclub angehörten. In der Folge wurde von den Alt-Gesellschaftern eine Kaufpreisminderung in Höhe von 700.000 Euro eingefordert. Diese bestritten aber angeblich, eine Garantie über die tatsächliche Anzahl der Mitglieder abgegeben zu haben. Eine Zahlung soll daraufhin auch nicht erfolgt sein. "Von einer Klagsführung wurde nach Beurteilung des Prozessrisikos und der Kostensituation Abstand genommen", so die Neo-Eigentümer.

Detail am Rande: Die Bilanz 2014 wies am Ende ein negatives Eigenkapital in Höhe von 1,676 Millionen Euro aus. Die Bilanzen für die Jahre 2013 und 2014 wurden dann aber nochmals erstellt, die Rücklagen aufgelöst und das Gesellschafterdarlehen (2,3 Millionen Euro) ausgebucht. Unterm Strich blieb ein Verlust von rund 250.000 Euro.

Geschäftsführer zahlte Rechnungen privat

"Bedingt durch die geringere Mitgliederanzahl des Golfclubs blieben auch die vorschüssigen Zahlungen durch den Golfclub an die Antragstellerin hinter den Erwartungen zurück, sodass der Geschäftsführer ab Herbst 2015 begann, Rechnungen der Antragstellerin aus privaten Mitteln zu begleichen, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden", heißt es im Antrag weiter. "Da die Antragstellerin weiters mit der Rückzahlung der Kreditraten in Rückstand geriet, brachte die Bank Ende 2015 eine Klage auf Zahlung eines Betrages in Höhe von 221.386 Euro ein." Nachsatz: "Die Frist zur Einbringung der Klagebeantwortung ist abgelaufen, von der Antragstellerin wurde keine Klagebeantwortung erstattet."

Völlig pleite

Dazu kam dann noch ein Streit im Golf-Club. Die Führung wurde abgelöst und mit den Vorwurf konfrontiert, 111.000 Euro zu viel an Vorschüssen der Betreiberin bezahlt zu haben. "Die Antragstellerin verfügt derzeit über keine liquiden finanziellen Mittel, mit einer Zahlung an Nutzungsentgelt kann in absehbarer Zeit nicht gerechnet werden, sodass von Zahlungsunfähigkeit der Antragstellerin auszugehen ist", so das Unternehmen. "Eine positive Fortbestandsprognose ist aufgrund der aktuellen Liquiditätssituation nicht möglich."

Schulden und Vermögen

Das Unternehmen hat 532.000 Euro Schulden, davon 230.000 Euro bei einer lokalen Bank, 100.000 Euro bei Lieferanten und 111.000 Euro beim Golf-Club Reiting. Die Aktiva werden mit 365.000 Euro beziffert, davon entfallen 350.000 Euro auf die Liegenschaft in Schardorf. Vorrangiges Ziel ist der Betreibergesellschaft ist eine Fortführung. Dazu soll dem Betreiber vom Club ein neuer Vertrag angeboten werden. Derzeit findet eine Betriebsprüfung durch die Finanz für die Jahre 2012, 2013 und 2014 statt.

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