Top-Unternehmer aus NÖ: "Es gibt nicht immer nur Verlierer von Krisen"

Das Unternehmen aus NÖ stattet Jachten, Privatjets und Luxushotels aus. Benedikt List spricht im Interview über Innovationen, Privatsphäre und darüber, warum Superreiche Krisen kaum spüren.
Ein Mann im Anzug steht lächelnd in einem modernen, hellen Büro mit Glastüren und Konferenztisch.

Inmitten der hügeligen Landschaft in Thomasberg in Niederösterreich liegt auf 45.000 Quadratmetern das Betriebsgelände von F/List und List Smart Results. In der Luxus-Tischlerei entstehen Möbel und Einrichtungskonzepte für Kunden auf der ganzen Welt.

KURIER: Ihr Großvater hat als klassischer Tischler in der Region angefangen. Wie kam es dazu, dass die Tischlerei aus der Buckligen Welt heute auch Schiffe ausstattet?

Benedikt List: In den 1990er-Jahren schlossen wir ein erfolgreiches Hotelprojekt ab. Der Eigentümer hatte einen weiteren Auftrag. Es war die MS Deutschland, das Traumschiff aus der damaligen TV-Serie. Dabei haben wir viel gelernt über die Unterschiede zu Hotels an Land. Danach wollten wir auf diesem Markt weitermachen.

Heute statten Sie nicht mehr Kreuzfahrtschiffe, sondern Luxusjachten aus. Wieso?

Der Markt rund um Kreuzfahrtschiffe ist stark Richtung Asien gewandert. Massenanfertigungen waren nie der Bereich, in dem wir uns wohlgefühlt haben. Wir wollten exklusiv bleiben. Wir haben mit Österreich auch einen vergleichsweise teuren Standort. Deswegen sind wir auf diesem Massenmarkt nicht wettbewerbsfähig. Gleichzeitig wollten wir das Know-how nicht verlieren und dachten: Exklusiv am Wasser – das sind dann die Jachten.

Zwei Personen sitzen an einem Konferenztisch, unterhalten sich und vor ihnen stehen mehrere Getränke.

Benedikt List im Interview mit KURIER-Redakteurin Marlene Liebhart.

Was macht das Geschäft im Luxus-Bereich aus?

Die Ansprüche sind sehr hoch. Da geht es um das Level an Qualität, das erwartet wird. Und man braucht nicht glauben, dass es in diesem Segment heißt: „Koste es, was es wolle.“ Die Menschen sind bedacht darauf, dass sie für das Geld – auch wenn viel davon vorhanden ist – entsprechend Leistung bekommen.

Welche Rollen spielen dabei Innovationen?

Es geht uns genau darum. Wir investieren viel in Forschung und Entwicklung. Leider können wir 90 Prozent der Sachen, die wir machen, nicht herzeigen. Unsere Kunden schätzen ihre Privatsphäre und das respektieren wir. Unser Know-how aus dem Jacht- und Jetbau fließt auch in den Hochbau ein. Einige Kunden wollen etwa ihr Penthouse im Jachtstandard ausgestattet haben. Das ist der qualitativ höchste Standard für Inneneinrichtung. Wir machen das möglich.

Wie entwickelt sich die Hochbau-Sparte in Ihrem Unternehmen?

Wir haben den Weg in der Vergangenheit ein bisschen verlassen und uns stark auf Jachten und Jets fokussiert. Dabei ist der Hochbau unsere eigentliche Kernkompetenz. Diesen Bereich bauen wir seit 2015 mit unserer Firma List Smart Results wieder stärker auf.

Wissen Sie selbst, wer Ihre Kunden sind?

Im Hotelbereich schon, da arbeiten wir meistens mit den Eigentümern zusammen. Bei den Privatjets sind unsere Kunden die Flugzeughersteller. Im Jachtsegment arbeiten wir mit Werften zusammen. Manchmal sehen wir in den Medien, dass eine Jacht irgendwo gesichtet wurde, und so erfahren wir im Nachhinein, wem eine Jacht gehört, die wir ausgestattet haben.

Inwiefern ist Ihr Unternehmen von internationalen Krisen, wie etwa aktuell dem Irankrieg, betroffen?

Wir sind global vernetzt und haben zehn Auslandsstandorte von Dubai über Kanada bis Brasilien. Unsere Exportquote liegt bei über 85 Prozent. Somit hat jedes globale Ereignis Einfluss auf so ein Unternehmen. Wir versuchen, möglichst viel im Haus zu machen. Wir haben eine eigene Metallwerkstatt, eine eigene Steinverarbeitung und eine eigene Sattlerei. Wir schauen, dass wir so wenig Abhängigkeit wie möglich haben. Die Kundenwünsche sind sehr individuell. Da können wir meistens nicht auf Standardware aus dem Katalog zurückgreifen.

Die vergangenen Jahre waren geprägt von einer Konsumzurückhaltung. Bemerken Sie auch bei Ihren Kunden eine zunehmende Sparsamkeit?

Viele Menschen müssen sparen, aber es gibt nicht immer nur Verlierer von Krisen. Es gibt immer auch jemanden, der davon profitiert. Auch wenn ich das eigentlich nicht an den Krisen anheften würde. Aber jemand, der sich eine 100-Meter-Jacht leisten kann, ist wahrscheinlich weniger von volatilen Marktereignissen abhängig als andere.

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