Gewerbe und Handwerk in der Krise: Die Trendwende lässt auf sich warten
Zusammenfassung
- Die Gewerbe- und Handwerksbranche verzeichnet weiterhin Umsatzrückgänge, sowohl in bau- und konsumnahen Bereichen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
- Die Auftragslage bleibt angespannt, insbesondere für Branchen, die dem Bau nachgelagert sind. Kleine Sanierungsaufträge können das Fehlen großer Projekte nicht ausgleichen.
- Fachkräftemangel und fehlende staatliche Unterstützung für kleinere Betriebe bleiben große Herausforderungen, wobei Initiativen wie die Geräte-Retter-Prämie und verstärkte Lehrlingsförderung als wichtige Maßnahmen gelten.
Die Gewerbe- und Handwerksbranche kommt nicht vom Fleck. 2025 setzte es laut Schätzung des Instituts KMU Forschung Austria ein reales Umsatzminus von 4,3 Prozent - nach zwei Jahren mit ähnlich enttäuschenden Zahlen.
"Für mich kommt diese Seitwärtsbewegung nicht überraschend", kommentiert Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Zahlen.
Im Baugewerbe stieg der Auftragsbestand im vierten Quartal um fast zehn Prozent. "Das jedoch ausgehend von einem Tiefststand", relativiert Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria.
Die Branchen, die am Baugewerbe hängen, tun sich schwer
Für die Branchen, die dem Bau nachgelagert sind (etwa die Sanitär- und Heizungstechnik, die Bauhilfsgewerbe und die Gebäude- oder Elektrotechniker) bleibt die Situation weiterhin besonders schwierig.
Sie verzeichnen mehrheitlich Auftragsrückgänge im zweistelligen Prozentbereich. Mit kleinen Sanierungsaufträgen könnten sie sich zwar über Wasser halten, diese könnten aber das Fehlen großer Neubauprojekte nicht wettmachen.
Auch in den konsumnahen Branchen (vor allem bei den Mechatronikern, der Mode- und Bekleidungstechnik und den Berufsfotografen) überwiegen die Umsatzrückgänge.
Verhaltene Stimmung setzt sich auch 2026 fort
Die Prognose für die kommenden Monate bleibt verhalten: Für das erste Quartal erwarten nur 15 Prozent der Betriebe Zuwächse beim Umsatz, mehr als die Hälfte rechnet mit einer Stagnation, 27 Prozent gar mit weiteren Rückgängen.
Denk hoffe auf einen ersten Aufschwung im Frühling, wenn Bauaufträge aufgrund steigender Temperaturen traditionell zunehmen. Die steigende Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten lasse hoffen, sagt der Spartenobmann.
Gleichzeitig würden aber die Aufträge von öffentlichen Stellen immer mehr zurückgehen. Klar ist für Denk, dass "wir ein echtes Problem haben", sollte die Erholung der Immobilienbranche über die Jahreshälfte hinaus ausbleiben.
Neuer Reparaturbonus ist "wichtige Stütze" für Betriebe
Die neue "Geräte-Retter-Prämie" (die Nachfolgeregelung des Reparaturbonus) lobt Denk als "wichtige Stütze" durch die Regierung, da damit Reparaturleistungen "wieder in die Betriebe kommen". Ansonsten zeigt sich der Branchenvertreter mit dem wirtschaftspolitischen Kurs der Dreierkoalition eher unzufrieden.
Etwa sei ihm nicht verständlich, warum es im "KMU-Land Österreich" Strompreishilfen für die Industrie gebe, für kleinere Betriebe aber nicht. "Die Energiepreise fressen sich durch jeden Teil der Wertschöpfungskette", so Denk, der auch darauf verwies, dass sich die Branche mit durchschnittlichen Erhöhungen von zuletzt gut 2,4 Prozent nicht als Inflationstreiber erwiesen habe.
Eine weitere große Herausforderung bleibt für die Branche der Fachkräftemangel. Hier müsse man bei der Lehrlingsausbildung ansetzen, so Denk. Trotz knapper Budgets fordert er eine Valorisierung der staatlichen Lehrstellenförderung.
Lehrlingsausbildung im Betrieb spart dem Staat Geld
"Ein Lehrling, der im Betrieb ausgebildet wird, kostet den Staat deutlich weniger als ein Schüler oder ein Lehrling, der überbetrieblich auf AMS-Kosten ausgebildet wird", so der Spartenobmann. Auch bei den jungen Menschen müsse man ansetzen. Diese hätten "häufig gar keine Motivation, einen Beruf zu erlernen", sagt Denk. "Vor allem Jugendlichen in migrantischen Communities ist oft gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten sie mit einer Lehre haben." Hier würden Innungen, Betriebe und die Wirtschaftskammern der Länder versuchen, junge Menschen etwa durch Informationsveranstaltungen in Schulen zu erreichen.
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