© Getty Images/iStockphoto/AvigatorPhotographer/iStockphoto

Wirtschaft
10/03/2021

Leere Regale im Handel: Die große Sehnsucht nach den kleinen Dingen

Viele Alltagsprodukte sind wegen Turbulenzen in der Containerschifffahrt nicht erhältlich. Das wird so bleiben.

von Thomas Pressberger

Die Corona-Krise hat nicht nur das gesellschaftliche Leben durcheinandergewirbelt, sie hat auch die Wirtschaft bis ins Mark erschüttert. Was undenkbar schien, ist wahr geworden: Gebrauchsgüter des Alltags, wie Handys, Fahrräder oder Sportschuhe, sind zum Teil nicht mehr erhältlich.

Stürmische Gewässer

Warum sind manche Waren nicht mehr lieferbar und welche Produkte sind betroffen?, fragen sich ratlose Konsumenten, die vor teils leeren Regalen stehen. Und vor allem: Wie lange hält dieser Zustand an? „Die Engpässe wurden durch den überraschenden und sprunghaften Anstieg der Nachfrage losgetreten“, sagt Yvonne Wolfmayr, Außenhandelsexpertin beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo).

Die Wirtschaft hat sich schneller erholt, als das viele Unternehmen angenommen haben und sie daher überrascht. Außerdem kommt der Boom genau zu jenem Zeitpunkt, zu dem die Containerschifffahrt – die Hauptschlagader des globalen Frachtverkehrs und damit des weltweiten Handels – sich in stürmischen Gewässern befindet.

Die Nachfrage stieg wegen einer Strukturverschiebung innerhalb des Konsums, sagt Wolfmayr. Wegen der Lockdowns zu Beginn der Corona-Krise konnten die Konsumenten ihr Geld nicht für Reisen und Dienstleistungen ausgeben. Daher blieb mehr für Wareneinkäufe.

Hausgemachtes Problem

Von den Engpässen betroffen sind praktisch alle Warengruppen querbeet, sagt Klaus Weyerstraß, Sprecher für Internationale Konjunktur und Außenwirtschaft beim Institut für Höhere Studien (IHS): „Also alles, was in Asien produziert wird und nach Europa kommt.“ Und dazu zählt fast wirklich alles, was man kaufen kann – Bekleidung, Schuhe, Möbel, Waschmaschinen, Computer, Handys, Küchen, Baumarktprodukte – die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Die Halbleiter-Krise in der Autoindustrie ist zum Teil hausgemacht, sagt Weyerstraß. Da die Autohersteller zu Beginn der Pandemie von starken Absatzrückgängen ausgingen, stiegen sie bei der Bestellung von Mikrochips auf die Bremse. Die Wirtschaft erholte sich rascher als gedacht und schon war es zu spät: Die Chips wanderten stattdessen in die vielen Elektrogeräte, die nun stärker nachgefragt wurden und waren weg. Kapazitäten lassen sich in diesem Bereich nicht rasch genug hochfahren, um den Mangel auszugleichen.

Auf manche nicht verfügbare Produkte wird man noch länger warten müssen, meint Wolfmayr: „Die Situation wird sich erst gegen Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres entspannen.“ Das werde von Bereich zu Bereich unterschiedlich sein, je nachdem, wo Kapazitätsausweitungen möglich seien. Die Engpässe werden den Wirtschaftsaufschwung aber nicht abwürgen, sondern „nur“ verlangsamen.

Auch Weyerstraß meint, dass uns die Transportprobleme noch länger begleiten werden: „Wenn auf einem chinesischen Hafen auch nur eine Person an Corona erkrankt, wird das ganze Terminal geschlossen.“ Ob das eine reine Sicherheitsmaßnahme ist, ist unter Experten umstritten. Dem Vernehmen nach soll es sich auch um eine Machtdemonstration Chinas gegenüber dem Westen handeln – es soll zeigen, wie schnell das Land große Teile der globalen Handelsströme abdrehen kann.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.