Ryanair-Chef Michael O'Leary (li.) und Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber  FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

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Wirtschaft
08/12/2019

Billigairline Lauda: Für Piloten geht es jetzt ans Eingemachte

„Sie können ja nicht ihre Kinder schockgefrieren, damit sie in die Arbeit gehen können", sagt Vida-Gewerkschafter Roman Hebenstreit.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Guten Morgen, bisher sind 96 Prozent unserer Flüge pünktlich – einige Verzögerungen durch die Flugsicherung in Belgien, Griechenland, Österreich, Großbritannien und Deutschland beeinträchtigen die Pünktlichkeit“, teilte die Billig-Airline Ryanair am Montagvormittag auf Twitter mit.

Doch dem irischen Low-Cost-Carrier, der 450 Flieger des Modells Boeing 737-800 betreibt, stehen heiße Tage bevor. Die britischen Ryanair-Piloten wollen Ende August und Anfang September streiken, man streitet um Bezahlung und Pensionen.

Am 21. August soll Ryanair in Portugal bestreikt werden, weil die Airline die Algarve-Basis in Faro (120 Beschäftigte) auflassen will. Und in Spanien wird es ebenfalls zu kräftigen Turbulenzen kommen, falls die Iren, wie die Tageszeitung El Pais schreibt, die Basen in Las Palmas, Teneriffa und Girona Anfang Jänner 2020 schließen wird.

Piloten droht Verschlechterung

Auch bei der Ryanair-Tochter Lauda in Wien wurden am Montag drei Betriebsversammlungen abgehalten. Sie wurden zeitlich gestaffelt, um eine Beeinträchtigung des Betriebes zu vermeiden. Der Grund: Den Piloten droht eine Verschlechterung bei den Arbeitsbedingungen.

Bis Mittwoch haben die 120 Lauda-Piloten Zeit, den neuen Arbeitsbedingungen zuzustimmen. Ansonsten drohen bis zu 30 Kündigungen. Das Ergebnis der Abstimmungen stand bei Redaktionsschluss noch aus.

Sittenwidrig?

„Das Lauda-Angebot ist sittenwidrig und rechtswidrig. Es geht um einseitiges Einteilen von Urlaub, ein willkürliches Einteilen von Arbeit“, sagt Verkehrsgewerkschafter Roman Hebenstreit (vida). Wenn die Piloten die geforderten 900 Stunden im Jahr – aus welchen Gründen auch immer – nicht zusammenbringen, werden sie aus der fixen Planung herausgenommen und eher wahllos zur Arbeit eingeteilt.

Das Boeing-Problem

Piloten, die bereits das Limit von 900 Stunden erreicht haben, sollen in Zwangsurlaub geschickt werden. Dem Vernehmen nach fliegt Lauda anscheinend nach wie vor Verluste ein. Die Iren führen die Reorganisation im Ryanair-Konzern auf die hohen Treibstoffpreise und vor allem auf das weltweite Flugverbot der Boeing-Modelle 737 Max nach zwei Abstürzen zurück. Ryanair hat 135 dieser Flugzeuge bestellt, der Auslieferstopp trifft die Iren hart. Ryanair fehlen zumindest 30 Flugzeuge.

Indes führt Hebenstreit die Lauda- und Ryanair-Probleme auf den ruinösen Preiskampf unter den Billigairlines zurück. „Die bringen sich gegenseitig um, das ist Kannibalismus, das wird am Ende des Tages alle treffen“, sagt Hebenstreit.

885 Millionen Euro Gewinn

Im Geschäftsjahr 2018/19 setzte Ryanair 7,7 Milliarden Euro um und schrieb 885 Millionen Euro Gewinn. Im Jahr zuvor waren es noch 1,45 Milliarden Euro Gewinn. Hebenstreit fordert nun für Österreich erneut einen Branchenkollektivvertrag, um die Eckpfeiler der Beschäftigung für das Bordpersonal festzulegen.

380 Bord-Mitarbeiter

Denn: Die Gewerkschaft rechnet damit, dass Lauda auch dem übrigen Bordpersonal die neuen Arbeitsbedingungen diktieren will. Wie Flugbegleiterinnen dann ihre Kinder betreuen sollen, ist für die Gewerkschaft ein Rätsel – außer sie kündigen ihren Job. Hebenstreit: „Sie können ja nicht ihre Kinder schockgefrieren, damit sie in die Arbeit gehen können.“