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Wirtschaft
01/11/2022

Geplatzer Greiner-Deal: Harte Landung des Schaumstoffprodzenten

Warum die Oberösterreicher bei der belgischen Recticel auf Granit beißen und jetzt wohl Kursgewinne einfahren.

von Simone Hoepke

An Schaumstoff führt kein Weg vorbei. Er steckt in Polstern, Betten, Sofas, wird in Flugzeugen, Autos und Zügen verbaut, isoliert Häuser und Maschinen und liegt letztlich sogar in Form eines Abwaschschwammerls in jeder Küche. Kurzum – Schaumstoff ist ein großes Geschäft.

Auch für die Greiner-Gruppe. Zur Größenordnung: Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im oberösterreichischen Kremsmünster hat 61 Schaumstoff-Standorte in 18 Ländern und im Vorjahr allein in diesem Bereich rund 700 Millionen Euro umgesetzt. Die Sparte sollte weiter wachsen, auch Dank eines Zukaufs.

Geplant wurde die Übernahme des belgischen Konkurrenten Recticel, doch dieser wehrte sich mit allen Mitteln. So weit, so bekannt. Doch so wie es jetzt ausschaut, ist der Deal nun endgültig geplatzt. Aus mehreren Gründen.

Kein Glück in Belgien

In einem ersten Schritt hatten die Oberösterreicher den 27-Prozent-Anteil vom Recticel-Großaktionär Compagnie du Bois Sauvage übernommen. Das war noch eine vergleichsweise einfache Übung, denn der Rest der Anteile befand sich in Händen von Kleinanlegern.

Um auf den angepeilten Anteil von mindestens 50 Prozent zu kommen, hat Greiner ihnen ein öffentliches Übernahmeangebot gemacht. Doch das Recticel-Management erachtete den Vorstoß von Anfang an als feindlich. Es verkaufte die Sparte Technische Schaumstoffe mit Zustimmung der Aktionäre an den größeren US-Konkurrenten Carpenter Co.

„Wir haben uns aber vor allem für die Sparte der technischen Schaumstoffe interessiert“, erläutert Kühner. Also für Schaumstoffe, die zum Beispiel in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau benötigt werden und mit denen Recticel in etwa so viel Umsatz machte wie Greiner selbst.

Das rief freilich auch die Kartellwächter auf den Plan, die in einer ersten Phase kein grünes Licht für die Übernahme gegeben haben. Unter diesen Umständen macht der Deal aus Sicht von Greiner immer weniger Sinn. Kühner: „Wir prüfen jetzt, was wir mit unserem Anteil machen.“ Das Interesse an der noch bei Recticel verbliebenen Insulationssparte, dabei geht es im Wesentlichen um Dämmstoffe, hält sich bei Greiner in Grenzen.

Bisher waren die Oberösterreicher noch nicht in diesem Bereich tätig. Im Raum steht jetzt also ein Weiterverkauf der Anteile. Kühner: „Obwohl das nie das Ziel war, wir sind schließlich keine Finanzinvestoren.“ Mit einem Blick auf den Aktienkurs von Recticel dürfte sich das aber auszahlen. So hat Greiner das 27-Prozent-Aktienpaket bei einem Kurs von 13,50 übernommen, aktuell liegt der Kurs bei über 19 Euro.

Übrigens sind im Vorjahr auch die Umsätze in der Schaumstoffsparte stark gestiegen, von 480 auf 700 Millionen Euro. „Das liegt auch an den gestiegenen Rohstoffpreisen“, sagt Kühner. Damit macht die Sparte rund ein Drittel des Gruppen-Umsatzes (2021 erstmals mehr als 2 Milliarden Euro) aus.

Weitere Standbeine

Zwei weitere Standbeine von Greiner sind seit Jahrzehnten Verpackungen (unter anderem Joghurtbecher) und Medizintechnik (je 700 Millionen Euro Umsatz). Die Medizintechniksparte ist in der Pandemie stark gewachsen. Greiner liefert unter anderem die Röhrchen, die man in jeder „Alles gurgelt“-Packung findet.

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