Wirtschaft
28.04.2018

Konjunktur: Der Höhenrausch hält noch an

Österreichs Wirtschaft wuchs auch Anfang 2018 noch rasant – allerdings gibt es erste Signale einer Abschwächung

Wer auf der Weltkarte Länder sucht, die 2018 wohl kein Wachstum erzielen, braucht scharfe Augen. Der IWF hat bei 226 Volkswirtschaften nur acht gefunden – neben dem chaotischen Venezuela und katastrophengebeutelten Puerto Rico sind das Kleinstaaten wie Jemen oder Südsudan oder Mini-Inseln wie Nauru und Dominica.

Hingegen wachsen alle großen Schwellen- wie Industrieländer im Paarlauf. Eine außergewöhnliche Situation. Auch in Österreich, wo Industrie, Bau und Dienstleistungen die Konjunktur im Gleichklang anschieben. Ob Exporte, privater Konsum oder Investitionen, sie alle leisten kräftige Beiträge.

Historische Rekorde

„Die Konjunktur bleibt zum Jahresauftakt stark“, schreibt folglich das Wirtschaftsforschungsinstitut über das erste Quartal. Zum Vorquartal wuchs die Wirtschaftsleistung (BIP) von Jänner bis März nämlich um 0,8 Prozent. Was für das Gesamtjahr 2018 auf ähnlich kräftiges Wachstum wie 2017 hinweist. Und das hat das WIFO soeben nachträglich auf 3,0 Prozent hinaufrevidiert.

So wird es aber nicht ewig weitergehen. Signale einer Abschwächung mehren sich. Seit fünf Monaten fallen die Frühindikatoren im Euroraum, die die Erwartungen der Industriemanager widerspiegeln. Ist der Bremsvorgang schon eingeleitet?

„Ja, die Dynamik nimmt ab“, sagt Peter Brezinschek, Chef von Raiffeisen Research. „Aber man muss beachten, von welchem Niveau wir kommen.“ Tatsächlich waren die Konjunkturindikatoren auf historische Rekorde geklettert und fallen jetzt in Bereiche zurück, die zu früheren Zeiten Hochkonjunkturphasen angezeigt hatten.

Zwar werde ein Quartalswachstum von 0,8 Prozent im weiteren Jahresverlauf 2018 womöglich nicht mehr erreicht. Aber auch bei einer Abschwächung im zweiten Halbjahr blieben knapp 3 Prozent Wachstum 2018 in Reichweite. Für 2019 könnten sich hingegen dann nur noch zwei Prozent Plus – oder knapp darunter – ausgehen.

Fragezeichen Handel

Denn Unsicherheitsfaktoren gibt es einige. Der mit Abstand größte, so Brezinschek, sei ein drohender Handelskonflikt der USA mit dem Rest der Welt.

Eine außergewöhnliche Wirtschaftslage konstatiert auch Arbeiterkammer-Ökonom Markus Marterbauer. Es sei selten, dass die Beschäftigung so kräftig wächst – und zwar nicht nur mit prekären und Teilzeit-, sondern mit Vollzeit- und Industriejobs. So schlecht könne es also um den Standort nicht bestellt sein, wenn so kräftig investiert werde, so Marterbauer.

Doch dabei erweise sich der Fachkräftemangel als Hindernis, sagt Brezinschek: Industrielle würden gerne noch mehr investieren, finden aber nicht das nötige Personal. Die Pensionierungswelle der „Babyboomer“ könnte das Problem noch verschlimmern.