Keuschnigg wollte sparen, um das IHS als Exzellenz-Institut zu bewahren. Doch die Instituts-Aufsicht segnete seine Strategie nicht ab.

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Personalia
10/23/2014

Keuschnigg nimmt den Hut: IHS sucht Nachfolger

Knalleffekt am Institut für Höhere Studien: Christian Keuschniggs Konzept stößt auf Ablehnung. Er geht.

von Martina Salomon

Das Kuratorium des IHS hat am Donnerstag seiner Strategie nicht zugestimmt. Keuschnigg hat daher um vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten. Ein Nachfolger muss erst gesucht werden, dazwischen stehe er weiter zur Verfügung, sagt Keuschnigg zum KURIER.

Das IHS muss sparen, übersiedeln und sein Profil schärfen. Dafür hatte Keuschnigg ein im Haus umstrittenes Konzept vorgelegt, das Personalabbau vorgesehen hätte. Die Abteilung Politik wäre abgeschafft, die Soziologie abgespeckt worden – nicht, weil beide schlecht seien, sondern da man sich auf die Kernkompetenz, die Wirtschaft, konzentrieren sollte, sagte der Wissenschaftler. Das IHS müsse ein Exzellenzinstitut sein. In Kritik geriet Keuschnigg auch, weil er wegen seines Lehrauftrags in St. Gallen nur drei Tage pro Woche in Wien war. Dorthin wird der Professor für Finanzen nun Vollzeit zurückkehren.

Drängendstes Problem des IHS ist, dass heuer ein fünfzigjähriger Vertrag mit der Stadt Wien ausläuft, die dem IHS ein (mittlerweile schwer sanierungsbedürftige) Haus im sechsten Bezirk gratis überlassen hatte. Quasi eine indirekte jährliche Subvention von 500.000 Euro, die in Zukunft wegfällt. Das IHS wird voraussichtlich in den dritten Bezirk übersiedeln und dafür Miete zahlen müssen. Alle Gespräche mit roten und grünen Stadtpolitikern sind ergebnislos verlaufen. IHS-Hauptfinancier ist das Finanzministerium, außerdem Nationalbank und Wissenschaftsministerium.

Wettbewerbsnachteil

Das IHS ist nicht nur Forschungsinstitut, sondern hat mit der akademischen Lehre (für postgraduale Ausbildungen) auch eine Zusatz-Aufgabe, die andere Institute nicht haben. Ein Wettbewerbsnachteil, wie Keuschnigg meint. „Wir müssen viel mehr Drittmittel an Land ziehen als andere.“ Den Vorwurf, dass er weniger Aufträge akquiriert hat als sein Vorgänger Bernhard Felderer weist er zurück: „Das muss erst jemand beweisen.“ Abgesehen davon sei ein Direktor ja auch nicht dazu da, ständig Finanzlücken zu schließen. Dafür gebe es Experten.

Keuschnigg gilt als herausragender Forscher, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Manchen war er zu still. Vor seiner knapp zwei Jahre zurückliegenden Bestellung hatte es Kritik an der Ausrichtung des Instituts gegeben. Die Industriellenvereinigung hatte damals sogar ein eigenes Forschungsinstitut (ecoaustria) gegründet.

Mit der Wahl Keuschniggs waren manche, die meinten, dass das IHS zu weit nach „links“ gedriftet sei, wieder beruhigt. Doch auf solche Debatten lässt sich Keuschnigg ohnehin nicht ein: „Mein Credo ist die soziale Marktwirtschaft. Außerdem werde ich nichts vertreten, was keine Grundlage in der akademischen Forschung hat.“ Auch das Wort „Subventionen“ hört er nicht gern: „Das ist ein Preis für Gegenleistungen.“
Vor seiner Bestellung habe es nicht einmal einen richtigen Jahresbericht gegeben, sagt Keuschnigg. Eigentlich wollte er den in Zukunft vorlegen. Das wird wohl sein Nachfolger tun müssen.

Der KURIER hatte bereits im September über den Clinch zwischen Keuschnigg und seinen IHS-Mitarbeitern berichtet.

Zur Person

Der gebürtige Tiroler Christian Keuschnigg ist Professor für Öffentliche Finanzen an der Universität St. Gallen. Der 55-Jährige trat im Juni 2012 die Nachfolge von Bernhard Felderer als Direktor des Instituts für Höhere Studien in Wien an. Zur Website des IHS.
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