Wenig Spenden-Kultur unter Österreichs Vermögenden

Symbolbild.
In der Schweiz und in Deutschland engagieren sich Reiche deutlich häufiger finanziell.

von Vitus Ortner

Österreich ist ein Land der Kleinspender. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz engagieren sich Vermögende hingegen deutlich seltener finanziell. „In Österreich wurden 2022 insgesamt 900 Millionen Euro gespendet – rund 97 Euro pro Einwohner. In der Schweiz und Deutschland liegt dieser Schnitt mit 217 Euro bzw. 150 Euro deutlich höher. Einer der Hauptgründe dafür ist eine wesentlich stärkere Beteiligung von vermögenden Menschen, die sich direkt oder über eigene Stiftungen engagieren“, erklärt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria, die Situation.

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Das soll sich ändern. Deshalb hat das Institut für Höhere Studien (IHS) im Auftrag von 13 gemeinnützigen Organisationen und des Fundraising Verband Austria eine Studie über Philanthropie in Österreich durchgeführt. Darin wurde sowohl identifiziert, was Vermögende zum Spenden bewegt und auch, was sie davon abhält: Am häufigsten wurden demnach intrinsische Motive, wie das Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit genannt. „Im internationalen Vergleich wird außerdem in Österreich stärker das Gefühl der Verantwortung als Grund angegeben“, erläutert Studienautorin Katharina Gangl.

Wenig Spenden-Kultur unter Österreichs Vermögenden

Regierung macht Spenden einfacher

Hemmend wirkt der Wunsch, dass Spenden effektiv eingesetzt werden, was oft kompliziert zu beurteilen ist. Außerdem gäbe es in Österreich eine Versorgungsmentalität, also das Gefühl, dass der Staat sowieso alles regelt. Letztlich sind auch steuerliche und bürokratische Hürden von Bedeutung. Diese sollen aber ab 1. Januar 2024 mit dem Gemeinnützigkeitspaket der Bundesregierung beseitigt sein.

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Um eine Kultur des Gebens unter Österreichs Vermögenden zu fördern, hat die Studie vor allem zwei Maßnahmen herausgearbeitet: Zum einen den Ausbau eines niederschwelligen Austauschs zwischen Philanthropen und zum anderen die Förderung einer differenzierten öffentlichen Diskussion zum Thema  Philanthropie. „Es geht darum, jene Vermögenden, die Verantwortung übernehmen, als Gruppe jenen gegenüberzustellen, die glauben, der Staat sei für alles zuständig. Dadurch kann auch eine soziale Dynamik entstehen, die mehr Vermögende dazu motiviert, ebenso Verantwortung zu übernehmen“, fasst Gangl zusammen.

Breite Masse engagiert sich

In der breiten Bevölkerung in Österreich ist Spenden währenddessen schon tief verankert. 67 Prozent engagieren sich durch Spenden, 3,5 Millionen Menschen leisten ehrenamtliche Arbeit. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Tieren und Kindern. Die meisten Spenden erhalten das Rote Kreuz (85 Mio. Euro) und die Caritas (81 Mio. Euro).

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