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Wirtschaft
10/30/2021

Kaufkraftentwicklung: Elektronik billiger, Reparaturen teurer

Elektrogeräte, Lebensmittel und das Tanken sind seit 1980 billiger geworden, Arbeitszeiten für Reparaturen teurer. Die zukünftige Entwicklung ist schwer zu prognostizieren.

von Anita Kiefer

Früher war alles besser – und billiger. Dieser Meinung hängen gar nicht so wenige Österreicherinnen und Österreicher nach. Eine aktuelle Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigt aber: Das stimmt so nicht. Oder zumindest nicht für alle Bereiche.

Teurer sind Dienstleistungen, etwa für Reparaturen, geworden. Musste ein Industriebeschäftigter in Österreich vor 40 Jahren noch 4 Stunden und 47 Minuten arbeiten, um die Arbeitsstunde eines Installateurs zu bezahlen, waren es 2020 schon 6 Stunden und 23 Minuten. Noch deutlicher ist die Entwicklung bei Mechanikerstunden: Hier mussten 1980 4 Stunden und 39 Minuten gearbeitet werden, im Vorjahr 7 Stunden und 13 Minuten. Für einen Liter Vollmilch hingegen musste ein Industriearbeiter vor 40 Jahren noch 7,9 Minuten arbeiten, seither hat sich diese Zeit auf 3,5 Minuten mehr als halbiert. Auch das Tanken und Elektrogeräte sind billiger geworden.

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele. Da ist der EU-Beitritt Österreichs 1995, der sinkende Lebensmittelpreise nach sich gezogen hat. Immerhin hat dadurch die Landwirtschaft starken Wettbewerbsdruck bekommen, auch wenn die Entwicklung von Förderungen begleitet war. Ein weiterer ist die Globalisierung, die Produktionen nach Asien oder mit der EU-Osterweiterung nach Osteuropa ausgelagert hat.

Das WIFO hat seine Berechnungen auf Basis der Preise für bestimmte Produkte aus Daten der Statistik Austria und die durchschnittlichen Nettoverdienste in der Industrie durchgeführt. Für die Gesamtwirtschaft repräsentativ sind die Daten nur bedingt, schränkt WIFO-Ökonom Josef Baumgartner gegenüber dem KURIER ein. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Einerseits liegt für die Gesamtwirtschaft – anders als in Deutschland – schlicht nicht genug Datenmaterial vor. Die Erhebung der Daten ist aus einer Reihe von Gründen schwierig.

Schwierige Prognose

Zudem ist gerade in der Industrie das Lohnniveau höher und die Beschäftigten seien in der Regel männlich und Vollzeit beschäftigt. Gerade gesamtwirtschaftlich hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten – Stichwort Teilzeitbeschäftigung und Frauenerwerb – viel getan. Und: Die Lohnzuwächse in der Industrie sind in der Regel höher als jene in der Gesamtwirtschaft. „In der Industrie gibt es Produktivitätsgewinne, die in Form von höheren Löhnen an die Mitarbeiter weitergegeben werden können“, sagt Baumgartner.

Wie es in Zukunft mit der Preisentwicklung weitergeht, hängt sehr stark von der Entwicklung der aktuellen globalen Probleme wie der Lieferkettenthematik und der hohen Transportkosten ab. Eine Konsequenz daraus könnte eine zumindest teilweise Rückholung der Produktion nach Europa sein, was natürlich höhere Lohnkosten und höhere Umweltauflagen bedeuten würde – eine Entwicklung, die sich direkt in den Preisen niederschlägt. „Transportkosten waren bisher kaum ein Thema“, sagt WIFO-Ökonom Baumgartner.

Interessant wird hier auch die Entwicklung bei der CO2-Bepreisung. Immerhin wird ja innerhalb Europas vieles per Lkw transportiert.

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