Wie trifft der Mensch finanzielle Entscheidungen?

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Anleihen
02/18/2013

Kasse machen bringt oft mehr als Aussitzen

Investments: Das können Anleger gegen die schleichende Entwertung des Kapitals tun.

von Christine Klafl, Robert Kleedorfer

Es gibt keine risikolosen Zinsen mehr, nur noch zinsenloses Risiko.“ Gewohnt launig beschrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der deutschen DekaBank, bei einem Vortrag in Wien, in welchem Dilemma Anleger stecken. Die Erträge von sicheren Staatsanleihen sind so winzig, dass sie die Inflation nicht abdecken. Schon gar nicht nach Abzug von Steuern und Spesen. Der Run auf riskantere Unternehmensanleihen hat auch dort die Kurse nach oben und im Gegenzug die Renditen nach unten getrieben.

Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank, macht in diesem Zusammenhang auf eine weitere Problematik aufmerksam. Die Anleihenkurse liegen derzeit in der Regel deutlich über dem Ausgabekurs. So macht der durchschnittliche Kurs österreichischer Bundesanleihen aktuell rund 116 Prozent aus (also 16 Prozentpunkte über dem Ausgabekurs). Davon hätten aber die Anleger nur dann etwas, wenn sie die Papiere jetzt verkaufen und die Gewinne einstreifen. Denn am Ende der Laufzeit erhält der Besitzer nur den einst investierten Betrag zurück. „Das ist eine schleichende Entwertung infolge der Inflation.“

Veyder-Malberg rät, die Positionen zu verkaufen und entweder in Neuemissionen zu investieren (auch wenn diese derzeit weniger Rendite abwerfen). Oder, wenn viel mehr Geld vorhanden ist, auf eine Vermögensverwaltung zu setzen. Dabei muss der Anleger selbst keine Einzelwerte wählen; dies erledigt die Bank, was somit auch die Kosten für Gebühren beim Kauf von Einzeltiteln reduziert.

Aktien

Auf der Aktienseite erwarten Experten heuer eine Fortsetzung der Kursrallye des Vorjahres. Insbesondere Papiere von global tätigen, europäischen Konzernen seien derzeit günstig bewertet und würden gute Chancen bieten, sagt Maximilian Anderl, Portfolio-Manager bei der Schweizer Bank UBS. „Die Chancen auf eine Stabilisierung Europas im zweiten Halbjahr und die Aussichten für eine steigende Wirtschaftsleistung in der Währungsunion sind gut.“

Auch Pioneer Investments Austria (PIA) glaubt an Aktien und bringt einen neuen Laufzeiten-Fonds (PIA Flex React 3/2021) aus dem Bereich Konsumgüter, gemischt mit Euro-Anleihen. „Der Fonds eignet sich insbesondere für Anleger, die neben den Chancen, die das Aktieninvestment bietet, auch auf einen Anleihenteil nicht verzichten wollen“, sagt PIA-Chef Werner Kretschmer. Durch den permanenten Anstieg der Weltbevölkerung würde es eine steigende Nachfrage nach Konsumgütern geben.

Aktien sowie Anleihen aus den Emerging Markets sind auch für DekaBank-Chefvolkswirt Kater zwei Wege aus der Realzinsfalle, in der die Anleger stecken. Dem Frankfurter Leitindex DAX traut er in den nächsten zwölf Monaten einen Anstieg auf 8300 Punkte zu (Schlussstand am Freitag: 7593 Punkte). Der EuroStoxx 50 für die fünfzig größten Konzerne im Euroraum soll auf 3100 Punkte klettern (Freitag: 2615 Punkte).

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