Wirtschaft | Karriere
27.08.2018

Wie viel verdienst du? – Frag lieber nicht

Seien wir ehrlich: Jeden interessiert, wie viel der Kollege verdient. Es zu wissen, könnte aber negative Folgen haben.

Es gibt diese eine Frage, die man am Arbeitsplatz so gut wie nie stellt: „Wie viel verdienst du?“ Zu groß ist die Angst vor der möglichen Schmach, sollte der Kollege eine höhere Zahl nennen, als man selbst am Gehaltszettel vorfindet. Zu unangenehm der dadurch entstehende Druck, wenn einem das Gewissen danach nahelegt: Du solltest dein Gehalt nachverhandeln. Brennend interessieren würde uns die Summe irgendwie aber doch.

Wissen oder nicht?

Eine neue Studie zweier US-Wirtschaftsprofessoren – Zoë Cullen von der Harvard Business School und Bobak Pakzad-Hurson von der Brown University – kommt zu der Erkenntnis, dass es vielleicht sogar besser ist, nicht zu wissen, was der Kollege verdient. Zumindest in der Zeitarbeits-Branche. Denn hier führe eine hohe Transparenz des Verdienstes zu einer Senkung der Durchschnittslöhne um bis zu 25 Prozent. Das haben die Forscher durch Analysen der US-Minijob-Plattform Task Rabbit und ein Feldexperiment herausgefunden.

"Equilibrium Effect"

Paradox – eigentlich würde man annehmen, von einer offenen Debatte über Löhne und Gehälter würden die Arbeitnehmer profitieren. Sie könnten das Geld nachverhandeln, den Gender Pay Gap – die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern – so sukzessive schließen. Falsch gedacht, meinen die Uni-Experten. Firmen wären eher darauf aus, Mitarbeitern gleiche und auch eher niedrigere Löhne zu bezahlen, damit der sogenannte „equilibrium effect“ (Englisch für Gleichgewichtseffekt) beim „Hinaufverhandeln“ gar nicht erst stattfinden kann – es gäbe bei den Löhnen schlicht keine Ausreißer mehr. Das würde für sie sonst zu teuer kommen.

Beweggrund für Jobwechel

Zurück nach Österreich: Die Höhe der Löhne und Gehälter ist auch hierzulande immer wieder Thema. Für Arbeitnehmer sogar das wichtigste, wenn es um ihre Beweggründe geht, einen Job zu wechseln. Und auch in diesem Punkt sind sie anderer Meinung als die Arbeitgeber, wie die folgende Grafik zeigt.

Was ist wirklich wichtig beim Jobwechsel?

Wer Job wechselt, will damit meistens eine Veränderung in seinem Leben bewirken:  einen kürzeren Arbeitsweg, einen netteren Chef, endlich ein Dienstauto oder aber eine höhere Summe auf dem Lohnzettel. Letzterer Grund ist einer neuen Umfrage nach sogar der wichtigste für Arbeitnehmer. Die meisten befragten Österreicher würden nur für mehr Gehalt einen neuen Job annehmen. Arbeitgeber hingegen glauben, dass  für potenzielle  Mitarbeiter Zusatzleistungen ebenfalls ein Grund sind, um ihren Job zu wechseln.