Investmentbanker Florian Koschat

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Wirtschaft Karriere
04/03/2019

„Wer Millionär werden will, kann es bei uns erreichen“

Obwohl das Image des Investmentbankers ziemlich ramponiert ist, streben nicht wenige junge Menschen diesen Beruf an.

Im Kleinkindalter war Onkel Dagobert ihr Vorbild, Mathe in der Schule das Lieblingsfach und für die Taschengelderhöhung fanden sie stets die richtigen Argumente. Freizeitkleidung tauschten sie gerne gegen einen Anzug aus und während andere Studenten von der Hängematte träumten, zog es sie magisch nach New York, mit einer Biografie von Rothschild, Sachs oder Goldmann in der Hand. Aber immerhin stimmt das Salär: Investmentbanker gelten als Großverdiener.

Tauglich im Sinne der Anforderung

Investmentbanker sind ein eigener Menschenschlag – und sie werden nach wie vor mit Klischees wie diesen konfrontiert. Doch die Realität sieht oft anders aus. Fakt ist: Ihr Image hat seit 2008 aufgrund zahlreicher Skandale enorm gelitten. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass international mehr denn je junge Menschen diesen Beruf anstreben, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte unter knapp 110.000 Wirtschaftsstudenten. Auch in Österreich. Doch wer taugt wirklich für diesen Job?

Genaugenommen kümmert sich ein Investmentbanker um das Geld anderer Leute oder Unternehmen. Er berät zu Finanzprodukten, Anlagemöglichkeiten und Finanzierungsstrategien. Manchmal hilft er Unternehmen dabei, Übernahmen und Fusionen vorzubereiten. Ein wichtiger Bereich des Jobs ist auch die Vorbereitung und Durchführung von Börsengängen.

Investment Banking 4.0

„Von nichts kommt nichts. Größere Deals führen zu einem höheren Bonus und damit zu höherem Verdienst. Nach oben hin offen.“
 

Florian Koschat, Pallas Capital

Verändert hat sich die Branche stark, nicht nur aufgrund der Skandale: „Es ist heute strikter reguliert, die Bürokratie mehr geworden“, sagt Günther Artner, CFA, Head of Equity & Corporate Capital Markets bei der Erste Group. „Das gilt vor allem für das Aktiengeschäft. Damit ging jedenfalls ein massiver Rückgang im Emissionsgeschäft und bei der Involvierung der Privatanleger an der Börse einher.“

Die Änderungen beim M&A-Beratungsgeschäft (Mergers & Acquisitions) hingegen seien nicht so wesentlich, da hier nur Unternehmen und keine Privatpersonen involviert sind.

Florian Koschat von Pallas Capital Advisory, einer aus der Branche, der durchaus die gängigen Klischees bedient, sieht die größte Veränderung durch die Digitalisierung. „Wo vor zehn Jahren noch die Akquise am Telefon und persönlich stattgefunden hat, weitet sie sich heute auf ausgeklügelte Webseiten und Social Media Marketing aus: Investment Banking 4.0.

„Durch das Internet ist die Berufswelt kleiner geworden. Heute macht man viel vom Schreibtisch,  den Abschluss macht man im Hilton.“
 

Klaus Vukovich, Alantra Austria & CEE

Das bestätigt auch Investmentbanker Klaus Vukovich, Leiter von Alantra Austria & CEE, ein weltweit tätiger Investment Banking-Konzern: „Durch das Internet ist unsere Berufswelt viel kleiner geworden. Früher mussten sich US-Investoren für ein Unternehmen in Rumänien ins Flugzeug setzen, brauchten vor Ort Übersetzer, Chauffeure und landeskundige Berater.

Heute schauen sie sich im Vorfeld alles von ihrem Büro in New York online an, kommuniziert wird auf Englisch, den Abschluss machen sie im Hilton.“

Viel billiges Geld

Eine weitere Veränderung stellt für Investmentbanker Koschat „das billige Geld“ dar: „Wir können beobachten, wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank ihre Investmentbanking-Abteilungen teils einstampfen. So müssen wir mit neuen Finanzierungsformen auftreten, die mehr Vorteile für den Kunden bieten als der klassische Bankkredit.“

Zu guter Letzt könne man beobachten, wie die Branchen sich verlagern. Koschat: „Wo früher noch ein Druckunternehmen mit Freude von Investoren finanziert wurde, ist heute die Technologiebranche der Vorreiter“.

Wer als Investmentbanker erfolgreich sein will, muss mit Zahlen, Modellen und Prognosen vertraut sein. Eine vorgeschriebene Ausbildung gibt es nicht, aber ein Studium der Finanzwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften oder Mathematik ist vorteilhaft. Bevorzugt werden Bewerber mit Diplomstudium oder einem Master. Ein Doktortitel oder ein MBA kann zu einem höheren Einstiegsgehalt führen.

Belastbar, wissenshungrig, teamfähig

Die Hardskills sind fortgeschrittene Mathe-Kenntnisse, technisches Know-how in Rechnungswesen und Bewertung, Internet-Affinität sowie ein breites Wissen über die Wirtschafts- und Finanzwelt generell.

Noch interessanter und für die meisten Anstellungen ausschlaggebend sind jedoch die Softskills: „Ein logisch-analytisches Denken ist ebenso wichtig wie eine ausgeprägte Kommunikations- und Teamfähigkeit“, betont Investmentprofi Vukovich.

„Es ist heute alles viel strikter reguliert, die Bürokratie mehr geworden. Das gilt vor allem für das Aktiengeschäft.“  

Günther Artner, Erste Group

„Stressresistenz ist essenziell, gleichzeitig braucht es Aufgeschlossenheit und Wissenshunger, da man mit Kunden in unterschiedlichen Ländern arbeitet.“ Dafür sei eine „innovative Ader“ erforderlich, meint Koschat, denn: „Die Branche ist im Wandel, daher werden Mitarbeiter benötigt, die schnell im Kopf sind, kreativ und loyal zugleich sind.“

So sollte jeder Jobanwärter von der Persönlichkeit her sozial kompetent sein, empathisch mit Menschen umgehen können und über ein gutes Netzwerk verfügen. Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe sind nicht minder wichtig, um bei der steilen Lernkurve mitzukommen. Für Investmentbanker Artner gehören auch „Spaß an der Börse“ und „Interesse an Aktienveranlagungen“ dazu. Und: „Wenn Projekte in der heißen Phase sind, ist Erfahrung für diesen Job absolut kritisch, da die Verhandlungspartner fast ausschließlich Vorstände bzw. Eigentümer sind.“

Der ganz normale Geldsinn

Nach dem 7-Uhr-Wecker, einem Liter Wasser und drei Espressi fängt der Arbeitstag von Florian Koschat an. „Es geht ins Büro, um Transaktionen und Themen des Tages zu besprechen. Danach gehört die Zeit den Kunden – bis 20 Uhr. Das umfasst Telefonate, Video-Calls, Meetings, aber auch einen Drink am Abend. Nach 20 Uhr ist Zeit für Dokumentation, E-Mails, Verträge.“

Ein 9-to-5-Job ist Investmentbanking definitiv nicht, 60 bis 80 Stunden pro Woche sind keine Seltenheit. Wer sich für das Business entscheidet, verbringt viele Abende und Nächte im Büro statt mit Freunden. Und das oft auch am Wochenende. Ganz unter dem Motto: „Money never sleeps“.

„Dafür sind die Verdienstmöglichkeiten nach oben hin offen – darin sind sich alle Investmentbanker einig. „Die Möglichkeiten in Österreich kann man nicht mit Finanzzentren wie London oder New York vergleichen“, sagen Artner und Vukovich, doch die Verdienstgrenze nach oben hin wird von jedem selber gesetzt. „Von nichts kommt nichts“, weiß Florian Koschat. Der fixe Monatslohn sei Marktdurchschnitt, die Boni für eingebrachte Deals sind die Butter am Brot.

„Größere Deals führen zu einem höheren Bonus und zu höherem Verdienst. So ist letztendlich jeder für sein Einkommen verantwortlich, was meiner Ansicht nach die Motivation bringt. Wenn jemand Millionär werden möchte, kann er es bei uns erreichen.“

Ziel: materieller Fußabdruck

Solche Aussichten sind freilich auch eine Motivation für junge Investmentbanker. Doch den Preis dafür wollen nicht viele der Generation Y zahlen, sagt Klaus Vukovich. „Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, musste man erstmal richtig schuften, eine Durststrecke von zwei, drei Jahren überstehen und sich eine blutige Nase holen, ehe es signifikant bergauf ging. Ein solcher Biss ist bei den Jungen kaum noch vorhanden. Die Prioritäten haben sich verändert.“

Nicht so bei Erich, 29, aus Wien, der kürzlich seinen ersten Big Deal erfolgreich abgeschlossen hat. Jetzt darf er sich über einen guten Bonus freuen. „Doch es dreht sich nicht alles ums Gehalt. Das wäre zu verkürzt“, meint er. „Ich glaube nicht, dass jemand diesen Job durchhält, wenn er es nur fürs Geld macht. Was mich am Investmentbanking reizt, sind die Aufgaben und die Finanzliga, in der du dich bewegst.“

Sein Kollege Marcus, 31, nahm einst für sein Studium an einer renommierten Uni in Großbritannien einen Kredit auf, da das Stipendium nicht ausgereicht hatte. Doch die Investition in seinen Traumjob habe sich bereits bezahlt gemacht, sagt er. „Ich weiß, dass das Image des Investmentbankers ramponiert ist. Aber die Finanzwelt hat mich einfach immer schon fasziniert. Ich will mit meinem Job einen Fußabdruck hinterlassen. Das ist kein Brusttrommeln. Ich will mit dem, was ich tue, etwas bewegen. Wenn ich mit meinem Job einem Unternehmen helfen kann zu investieren, neue Arbeitsplätze zu schaffen, dann bin ich stolz. Und manchmal steht der Deal, den ich heute begleitet habe, morgen in der Zeitung. Ist das nicht cool?“