Wirtschaft | Karriere
05.12.2011

Uuuuund Cut!

Erfolgsgeschichte: Michael Sokolar ist Regisseur. Ein erfolgreicher - auch ohne Abschluss der Filmakademie.

Regisseure müssen nicht zwangsläufig exzentrisch, launisch und cholerisch sein. Sie können auch geduldig, überlegt und diplomatisch sein, wie Michael Sokolar. "Man muss als Regisseur gut kommunizieren können und die Ruhe bewahren", sagt er.

Der 30-jährige Niederösterreicher kam vor zehn Jahren nach Wien. Er besuchte ein Kolleg für EDV und Datenverarbeitung und begann anschließend das Studium für Software Engineering an der TU Wien. "Das war nicht ganz das Richtige für mich", sagt er. Den Bachelor machte er dennoch. Ein Freifach, in dem ein Kurzfilm gedreht werden musste, ließ ihn sein Interesse an der Regie erkennen. "Ich wusste: Das ist die Richtung, die ich einschlagen will", erzählt Sokolar. Er bewarb sich bei der Filmakademie, wurde jedoch nicht angenommen.

Für Sokolar kein Grund, sich von seiner Berufung abhalten zu lassen. Er begann Bücher über Regie zu lesen, sah sich Tutorials an und drehte mit Freunden Kurzfilme. Mit 25 Jahren begab er sich als Regieassistent in die Werbebranche. "Das war eine prägende Zeit, in der ich viel gelernt habe", sagt Sokolar. Unter anderem, wie man unter Zeitdruck effizient arbeitet, budgetiert und wie wichtig es ist, klar zu kommunizieren." Es stört eigentlich nicht, dass ich nicht an der Filmakademie war", sagt er zufrieden.

Tom Turbo

Mitte 2010 bewarb sich Michael Sokolar bei Kids TV, einer Fernsehproduktionsfirma, die unter anderem die Realserie mit dem sprechenden Fahrrad "Tom Turbo" produziert. Als Selbstständiger führt er seit 2011 gemeinsam mit einem Kollegen Regie. "Ich mag Kinder gerne, aber das ist nicht der Grund, warum ich bei Tom Turbo gerne Regie führe. Tom Turbo ist ein spezieller Fall, da wir viel mit Effekten arbeiten müssen. Und mit einem sprechenden Fahrrad", lächelt er.

Acht Wochen lang dauern die Dreharbeiten für die aktuelle Staffel, die aus neun Folgen zu je 25 Minuten besteht. Pro Tag werden fünf Minuten gedreht - Ende August sind die Dreharbeiten beendet. Während dieser Zeit arbeitet Sokolar mindestens 60 Stunden pro Woche. "Es ist stressig, es gibt Phasen in denen viel zu tun ist. Aber es fühlt sich nie wie Arbeit an. Genau in diesen stressigen Phasen ist es wichtig, dass der Job Spaß macht", sagt Sokolar.

Ist Michael Sokolar nicht gerade am Set im 23. Bezirk, ist er in seinem Büro im siebenten Bezirk zu finden - in einem Gemeinschaftsbüro mit anderen jungen Kreativen. "Zu Beginn habe ich von zu Hause aus gearbeitet. Ich bin damals überhaupt nicht mehr rausgekommen. Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Es ist sehr wichtig, dass man einen Ort hat, an dem man arbeitet - nicht zu Hause", sagt er.

Sentimental lächelnd erklärt Sokolar seine Affinität zum Filmemachen: "Man taucht in eine andere Welt ein. Man liest das Drehbuch und hat bestimmte Vorstellungen, wie man es umsetzten will. Beim Dreh entwickeln sich diese Ideen neu, weil man sehr viel Input bekommt. Im Schnitt schreibt man das Buch dann zum dritten Mal." Und das braucht Geduld und Ruhe. Cholerisches Brüllen würde wahrhaftig nicht zu Sokolars Person passen.

"Ziel erkannt und verfolgt"

Wieso das Ganze?
Michael Sokolar: Weil es genau das ist, was ich machen will. Ich war im Studium immer lernfaul. Jetzt geht die ganze Freizeit drauf und es stört mich nicht, weil es Spaß macht.

Die größten Hürden?
Am schwierigsten ist es, Aufträge zu bekommen. Doch man muss immer dahinterbleiben, auch wenn es mal keine Kohle bringt.

Ihr größtes Glück?
Mein Glück war, dass ich mein Ziel erkannt und verfolgt habe und mein Hobby zum Beruf machen konnte.

Die größte Stütze?
Meine Eltern und meine Freundin. Meine Eltern haben mir nie gesagt "mach' das", sondern haben mich immer unterstützt - in allem was ich getan habe.

Das habe ich gefeiert ...
Das Bergfest - die Hälfte der Dreharbeiten - von Tom Turbo.

Wohin soll's gehen?
Vielleicht in Richtung Spielfilm. Doch eigentlich ist das, was ich jetzt mache, nicht so weit von dem entfernt. Ich mache es sehr gerne.