Wir sitzen in unserem Arbeitsleben 55.000 Stunden - das ist nicht gesund. Besser: Aufstehen, spazieren gehen, im Stehen arbeiten oder mal kurz relaxen

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Mehr Haltung
08/26/2014

Steht auf! Wir versitzen unser Leben

85 Prozent der Arbeitszeit verbringen Büromenschen sitzend. Nach der Arbeit setzen sie sich ins Auto, sie setzen sich zum Abendessen, sie lungern abends vorm TV... Das macht fett und krank.

von Andrea Hlinka

Der Weg zum Kopierer, auf die Toilette, in die Kantine, zum Auto bzw. zur U-Bahn – viel mehr bewegt sich der Wissensarbeiter nicht. Ein durchschnittlicher Büroangestellter verbringt in seinem Arbeitsleben 55.000 Stunden sitzend an seinem Schreibtisch, nur 3000 Stunden stehend und 6500 Stunden in Bewegung.

Dafür ist der Mensch nicht gemacht – der Körper will bewegt werden, sonst wird er fett und krank.

Das alles ist nichts Neues: Arbeitsmediziner und Osteopathen – meist auch die eigene Wirbelsäule und die Waage – weisen seit Jahren auf die mangelnde Bewegung hin. Trotzdem passiert nach wie vor recht wenig auf dem Gebiet. Doch wer trägt dafür die Verantwortung?

Rückgrat

Liegt die Gesundheit der Mitarbeiter in der Verantwortung der Führungskräfte? 66 Prozent der österreichischen Chefs sind davon überzeugt, dass sie das Gesundheitsverhalten der eigenen Mitarbeiter entscheidend beeinflussen können – positiv wie negativ. Aber: Vor allem sehen sie ihre Verantwortung im Bereich der psychischen Gesundheit, nur 36 Prozent fühlen sich für die körperliche Gesundheit verantwortlich.

Ein Besuch in Bürohäusern bestätigt diese Studienergebnisse, die vor drei Wochen vom Hernstein Institut veröffentlicht wurden. Automatisch verstellbare Tische, an denen auch im Stehen gearbeitet werden kann? Eine Seltenheit. Ein gelungenes Akustik- und Lichtkonzept? Das ist ein Büro, keine Disco, heißt es dann. Oft ist nicht einmal der fixe Arbeitsplatz an die Anforderungen der Büroangestellten angepasst, der Tisch ist zu niedrig, die Mitarbeiter verrenken sich beim Telefonieren den Hals, der Bildschirm ist falsch eingestellt und spiegelt.

Der Trend hin zu flexiblen und mobilen Arbeitslösungen – Mitarbeiter haben keinen eigenen Arbeitsplatz mehr, sondern rollen mit ihrem Büroschränkchen zu einem freien Platz – macht das nicht besser, sondern wirkt viel eher verstärkend. Denn Tischhöhe, Bildschirm und Bürosessel jeden Tag aufs Neue einzustellen, ist auf Dauer ermüdend. Auch wenn es wichtig wäre.

Performance

Dass das richtige Arbeitsumfeld eine Leistungssteigerung zur Folge hat, war am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von AUVA, Logitech und der Premium-Büroaustatter Neudoerfler Thema. Laut Neudoerfler-Geschäftsführer Helmut Sattler entfallen 80 Prozent der Bürokosten auf die Mitarbeiter, aber nur ein Hundertstel auf das Mobiliar, an dem sie täglich ihrer Arbeit nachgehen. Eben hier sei jedoch ein starker Hebel zur Steigerung der Performance. Bessere Arbeitsbedingungen führen zu einer höheren Zufriedenheit und mehr Motivation, zu weniger Krankenständen und zu einer höheren Leistung.

Sattler sieht das Bewusstsein der Führungskräfte dahingehend zwar geweckt, aber: "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen. Es ist eine Sisyphusarbeit." Werden Investitionen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zurückgefahren, spüren das Büroausstatter als eine der Ersten.

Was zu tun ist

Es helfen schon kleine Veränderung, um die Haltung zu verbessern: 1. Den Arbeitsplatz passend einstellen – wenn nötig, auch täglich: Der Sessel sollte so eingestellt sein, dass Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel aufweisen, ebenso wie die Ober- und Unterarme. Der Blick auf den Bildschirm ist leicht nach unten geneigt, die Rückenlehne flexibel. 2. Wer nicht die Freude hat, an einem kombinierten Steh-Sitz-Schreibtisch arbeiten zu dürfen, sollte sich bewegen – die AUVA hat auf www.auva.at Übungen veröffentlicht. 3. Die Bildschirmarbeitsverordnung schreibt vor, dass nach 50 Minuten ununterbrochener Bildschirmarbeit eine Pause oder ein Tätigkeitswechsel von jeweils mindestens zehn Minuten erfolgen muss.

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