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Wirtschaft Karriere
11/14/2021

Stanglwirt investiert Millionen in ein Hotel für Mitarbeiter

Im Ringen um Arbeitskräfte setzen Hotelbetriebe immer öfter auf Mitarbeiterbenefits und luxuriöse Unterkünfte. So auch der Stanglwirt in Going, wo ein Teil der Belegschaft seit einiger Zeit in einer Vier-Sterne-Residenz wohnt.

von Theresa Kopper

Eigentlich hätte Gregor nie damit gerechnet, dass er einmal beim Stanglwirt als Koch landet. „Weil ich mir nicht dachte, dass die mich nehmen. Umso überraschter war ich aber, dass ich sofort zum Bewerbungsgespräch eingeladen und  eingestellt wurde“, erzählt der gebürtige Oberösterreicher von seinen Anfängen im bekannten Tiroler Hotel.

Heute, einige Jahre später, hat er dort nicht nur seinen Traumarbeitsplatz und seine Lebensgefährtin gefunden, sondern in der neu erbauten Mitarbeiterresidenz auch ein neues Zuhause mit Blick auf den Wilden Kaiser. „Für mich ist das  der perfekte Ort, um mich daheim zu fühlen.“

Komfortable Unterkunft

Den Mitarbeitern ein Zuhause bieten – genau das war die Intention von Chef und Gastgeber Balthasar Hauser, als er vor Jahren mit der Idee zu spielen begann, eine neue Mitarbeiterunterkunft praktisch direkt neben dem Hotel aus dem Boden zu stampfen. In den vergangenen Jahren ist aus der Idee Wirklichkeit geworden und ein neuer Gebäudekomplex entstanden, mit insgesamt 154 Wohneinheiten, Fitnessstudio, Seminarraum und Tiefgarage. „Während der Bauzeit vermuteten viele, dass wir ein neues Hotel bauen. Das war ein großes Kompliment. Schließlich war es unser Ziel, Mitarbeiter gleich angenehm unterzubringen wie unsere Gäste“, sagt Hauser.  Über 20 Millionen hat die Familie dafür investiert.  

Mit Erfolg: Der Großteil der rund 29 Quadratmeter großen Wohnungen ist bereits belegt, im Herbst 2019 zogen erste Bewohner ein, die letzten Bauarbeiten wurden im Frühjahr 2021 beendet. „Wir sind stolz und freuen uns, dass das Haus bei unseren Mitarbeitern so gut ankommt“, sagt Elisabeth Hauser-Benz bei unserem Besuch  zum KURIER. 

"Muss Mitarbeitern mehr bieten"

Hauser-Benz ist die Juniorchefin des Hauses, unter anderem für die Mitarbeiterentwicklung zuständig und weiß: „Wer heute Mitarbeiter bekommen und behalten will, muss mehr bieten als nur einen Arbeitsplatz.“ Eine komfortable Unterkunft mache dabei nur einen Teil aus. Benefits wie eine kostenlose Verpflegung, vergünstigte Bustickets sowie Freizeitangebote seien  genau so wichtig wie die Möglichkeit einer Work-Life-Balance. So hat man im Hotel bereits vor Jahren die Fünf-Tage-Woche etabliert, derzeit arbeite man in fachlicher und arbeitspsychologischer Begleitung auch an einer Vier-Tage-Woche. „Um Mitarbeitern verschiedene Möglichkeiten zu bieten, die sich mit ihren Bedürfnissen vereinbaren lassen.“

Auch das Monetäre spiele eine  Rolle. „Das muss schon passen, und zwar so, dass man auch lange in der Branche tätig sein kann“, sagt Hauser-Benz. Beim Stanglwirt bezahle man seinen Mitarbeitern deshalb über den gesetzlich vorgeschriebenen Kollektivvertrag. Außerdem gebe es  Prämienmodelle, bei denen Mitarbeiter, die über ein Jahr im Betrieb tätig sind, ebenfalls monetäre Wertschätzung erhalten. „Wenn man das mit allen Benefits in einen Topf wirft, glaube ich schon, dass unsere Mitarbeiter hier profitieren.“

Auf der Suche nach Mitarbeitern

Trotzdem – und das gibt Hauser-Benz  offen zu – der Fach- beziehungsweise Arbeitskräftemangel gehe auch am Stanglwirt nicht spurlos vorbei. Laut aktuellen Zahlen der WKÖ fehlen in Österreich derzeit rund 10.000 Saisonkräfte, viele Hotels bangen nicht nur aufgrund der Pandemie um die Wintersaison. „Als Ganzjahres-Betrieb mit mehr als 300 Mitarbeitern haben wir natürlich einen Vorteil. Aber auch wir suchen ständig neue Kräfte.“ Da helfe es auch wenig, dass das Haus  einen großen Namen hat. Im Gegenteil, bei vielen potenziellen Bewerbern sei die Hemmschwelle sogar enorm groß. 

Auch der Ruf der Branche mache ihr Sorgen. „Das sind Dinge, an denen wir alle gemeinsam  arbeiten müssen, um das Image der Branche zu verbessern und die Attraktivität der Berufe in Hotellerie und Gastronomie  zu heben. Anders ist dieses Problem nicht zu lösen.“ 

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