Wirtschaft | Karriere
27.08.2018

Schlechtere Job-Chancen für Mütter nach Kurzzeit-Karenz

Frauen, die nach der Geburt schnell zurück in den Beruf gehen, werden von potenziellen Arbeitgebern abgestraft.

Mütter, die nach der Geburt ihres Kindes bereits nach zwei Monaten wieder in den Job eingestiegen sind, haben bei Bewerbungen für zukünftige Jobs selbst Jahre später schlechtere Karten, als Frauen, die nach der Geburt zwölf Monate zu Hause geblieben waren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Die Autorin der Studie, Soziologin Lena Hipp, hatte für ihre Untersuchung mehr als 700 fiktive Bewerbungen an Unternehmen geschickt. Die Lebensläufe waren in ihrer Qualifikation vergleichbar, alle Bewerberinnen hatten ein etwa drei Jahre altes Kind.

Während aber jene Kandidatinnen, die laut Lebenslauf nach der Geburt für ein Jahr lang bei ihrem Kind geblieben waren in 21,7 Prozent der Fälle eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhielten, lag die Quote unter den Frauen mit kurzer Babypause bei lediglich 13,9 Prozent. Väter erhielten hingegen etwa gleich oft eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, egal ob sie laut fiktivem Lebenslauf zwei oder zwölf Monate in Karenz gewesen waren.

Vorurteil: intrigant und kaltherzig

Hipp zeigte sich gegenüber dem deutschen Magazin Spiegel überrascht von dem Ergebnis: Eigentlich habe sie damit gerechnet, dass zukünftige Arbeitgeber eher Interesse an Müttern haben müssten, die schnell wieder in den Beruf zurückkehren. "Gerade bei Eltern eines dreijährigen Kindes, schließlich ist die Chance da groß, dass demnächst ein Geschwisterchen kommt."

Auf der Suche nach den Ursachen für das schlechte Abschneiden der Kurzzeit-Karenz-Mütter führte die Soziologin eine weitere Studie durch. Eine Umfrage unter Studierenden ergab in weiterer Folge: Mütter, die länger in Karenz gehen, werden durchschnittlich als intelligenter eingeschätzt und ihnen wird mehr Führungskompetenz attestiert. Sie gelten außerdem als bessere Zuhörerinnen, warmherziger, gutmütiger sowie als weniger intrigant und einschüchternd.