Wirtschaft | Karriere
18.07.2018

Richtige Studienwahl: Bauch oder Kopf?

Beim Studium wird vor allem Zeit und Geld investiert. Worauf es ankommt, bei der Studienwahl einen kühlen Kopf zu bewahren.

Die Frage nach dem richtigen Studiengang ist eine der schwierigsten und weitreichendsten, der sich Schülerinnen und Schüler zu stellen haben. Hängen doch die vielleicht interessantesten Jahre des Lebens davon ab – vom späteren Job ganz zu schweigen. Vor allem über Letzteres scheinen sich die jungen Menschen den Kopf zu zerbrechen: Soll ich studieren, was mir Freude macht, oder doch lieber was Sicheres?Sicherlich sei auch der Blick auf den Arbeitsmarkt ausschlaggebend für die Studienwahl gewesen, sagt Daniel Comploj, der ab kommendem September in Mailand BWL studiert: „Da es sehr weitläufig ist und eine breite Basis aufbaut, ergeben sich nach dem Studium unzählige Möglichkeiten. „In der Tat ist der Arbeitsmarkt für Wirtschaftswissenschaftler so solide wie kaum ein anderer. In der 2017-JobTrends-Studie des Staufenbiel Instituts gaben knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen an, dass der Bedarf an Wirtschaftsabsolventen in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Ebenso rosige Aussichten haben Ingenieure und Informatiker.

Studieren fürs Einkommen?

Diese Entwicklung bestätigt auch Martin Mayer, Geschäftsführer des Personal- und Management-Consultingunternehmens Iventa. Solche Studiengänge seien immer sicher, genauso wie Mathematik, Jus und Psychologie. Aber: soll man nur deshalb etwas studieren, weil ein attraktiver Arbeitsplatz winken könnte?„Die Freude am Fach ist für mich entscheidend, weil man nur darin sehr gut wird, was man gerne tut“, meint zumindest Patrick Baldauf, der ab Herbst in Innsbruck Altphilologie studiert. Tatsächlich zeichnen sich Studienanfänger in geisteswissenschaftlichen Fächern primär dadurch aus, dass sie hohes Interesse am Fach haben, wie das HIS-Institut für Hochschulentwicklung mit einer Studie belegt. Genauso entscheidend wie die Neigung ist bei Geisteswissenschaftlern aber auch die eigene Begabung – ein Faktor, der keinesfalls außer Acht gelassen werden darf. Für Sabine Putz, Leiterin der Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation bei AMS, sind diese beiden Aspekte essenziell, um im Studium und später im Beruf zu glänzen.

Gefühl und Verstand

Und die „brotlosen“ Studiengänge? Haben sie überhaupt eine Zukunft auf dem Arbeitsmarkt? In Zeiten von Künstlicher Intelligenz seien vermehrt Menschen mit Kreativität im Denken gefragt, führt Sabine Putz weiter aus. Aber auch sonst können Geisteswissenschaftler mit ihrer Flexibilität und fächerübergreifenden Kompetenzen punkten. So ergibt sich zum Beispiel für Historiker durch ihre Analysefähigkeit und das akribische Untersuchen vom Zusammenhängen eine Vielzahl an Berufsfeldern. Durch Praktika in unterschiedlichen Bereichen während des Studiums lässt sich das eigene Profil zudem noch weiter herausarbeiten.So scheint die klassische Frage zwischen Kopf und Bauch schlussendlich doch nicht so simpel zu sein: Zunächst muss man sich über seine Ziele, Werte und Neigungen im Klaren sein. Dann sollte man den Blick auf den Arbeitsmarkt nicht versäumen. Gefühl und Verstand müssen bei der Studienwahl, wie so oft, zusammenspielen. Hier sind sich Schüler und Experten einig.